Wie baut man bei dem herrschenden Unverstand eine deutsche ZIVIL-Gesellschaft auf!?

 

Neue Westfälische – Herforder Kreisanzeiger , 14.09.2019 :

Ein Generalleutnant im Ohrensessel

Militär: In Hitlers Wehrmacht hatte er als Offizier Karriere gemacht / Nach dem Krieg lebte Walter Poppe in Herford – und tauchte Jahre nach seinem Tod namentlich an unvermuteter Stelle wieder auf

Von Eike J. Horstmann

Herford. Als die Wehrmacht vor 80 Jahren Polen überfiel, war er gerade zum Oberst aufgestiegen. Bis zum Ende des Krieges sollte der 1892 geborene und Zeit seines Lebens im Dienste der Armee stehende Walter Fritz Rudolf Poppe noch zwei weitere Beförderungen erhalten, ehe er in Gefangenschaft geriet. Nach dem Krieg lebte der hochdekorierte Offizier in Herford, ehe er 1968 starb. „Eine typische „Karriere“ des 20. Jahrhunderts?“, fragt sich Stadtarchivar Christoph Laue, der das Leben des Militärs nachgezeichnet hat.

Für einen kurzen Moment war Poppes Name während des Zweiten Weltkrieges in Deutschland und in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten ein Begriff. Anfang November 1943 war seine Division auf dem Rückzug durch Polen in schwere Gefechte mit der Roten Armee verwickelt worden, was am 8. November im per Radio ausgestrahlten Wehrmachtsbericht Erwähnung fand.

„In diesen mit unverminderter Heftigkeit andauernden schweren Abwehrkämpfen (hat sich) die ostpreußische 217. Infanteriedivision unter Führung von Generalleutnant Poppe besonders ausgezeichnet“, hieß es in dem im typischen Heldenpathos gehaltenen Bericht.

Zwölf Jahre später war von dem kurzen Ruhm nichts mehr zu sehen. Ein Bild aus dem Jahr 1957, das im Stadtarchiv erhalten geblieben ist, zeigt Walter Poppe als Pensionär im Ohrensessel. Der Träger des Eisernen Kreuzes erster Klasse und des Deutschen Kreuzes sitzt am Ofen und ist in seine Lektüre vertieft.

Diese friedliche Szene ist untypisch für das Leben des Walter Poppe, der 1914 mit 21 Jahren in die kaiserliche Armee eingetreten war und zum Ende des Ersten Weltkriegs als Oberleutnant das Infanterie Reserve Regiment 263 kommandierte. Seine Verbindung zu Herford entstand am 19 .Dezember 1917 durch eine „Kriegsheirat“ mit Lina Lydia Johanna Else Matthias, die aus einer alten Pastoren- und Kaufmannsfamilie aus dem Raum Herford stammte.

„Linis“ Vater war der Leinenfabrikant Johannes Matthias, der 1888 an der Schillerstraße 14 ein großes Wohnhaus mit Fabrikation errichtete. Trotz der Niederlage des Deutschen Reiches stand Poppe eine steile militärische Karriere bevor.

Beim Übergangsheer wurde er als Ordonnanzoffizier eingesetzt, bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er 1920 zum 16. Infanterie-Regiment und 1924 zum 13. Preußischen Reiter-Regiment nach Lüneburg. 1925 wechselte er als Hauptmann nach Hannover und Oldenburg und wurde 1929 Chef einer Maschinengewehr-Kompanie. 1934 zum Major befördert, stieg er nach der Errichtung der Wehrmacht 1936 zum Oberstleutnant und im Juni 1939 zum Oberst auf. Bei der Mobilmachung für den Zweiten Weltkrieg wurde Poppe Kommandeur des Infanterie-Regiments 465, das als Besatzungstruppe im von den Nazis in der zerschlagenen Tschechoslowakei errichteten „Protektorat Böhmen und Mähren“ diente.

Fünf Tage vor Kriegsende in Gefangenschaft

„Im Frühjahr 1940 führte er sein Regiment in den Westfeldzug und blieb als Besatzungstruppe in Frankreich“, berichtet Christoph Laue. „Im Frühjahr 1941 ging es dann nach Polen und zum Angriff auf Mittelrussland.“ Im April 1942 wurde Poppe zum Generalmajor befördert, Januar 1943 folgte der Aufstieg zum Generalleutnant. Nach den „Abwehrkämpfen“ aus dem Heeresbericht wurde er im Januar 1944 in die Normandie abkommandiert.

Nach der Landung der Alliierten im Juni 1944 sollte er die als Teil der „Operation Market Garden“ vorgesehene Eroberung der Brücken von Arnheim, Eindhoven und Nimwegen verhindern. Am 3. Mai 1945 geriet Poppe in englische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947 entlassen wurde.

Poppe zog nach Herford in das Elternhaus seiner Frau. In dem im Besitz einer Erbengemeinschaft befindlichen Gebäude an der Schillerstraße wohnte das Ehepaar zunächst durch die „Wohnungszwangsverwaltung“ in beengten Verhältnissen im Hinterhaus. „Im Vorderhaus waren zahlreiche Familien und zeitweise auch ein russischer Offizier untergebracht, der in Diensten der Militärregierung stand“, so Laue. „Es gab viel Streit zwischen den Mietern und der Familie Poppe.“

Beruflich wurde auf der Meldekarte Poppes zunächst „Imker“ vermerkt, später wurde der Eintrag durch „General a.D.“ ergänzt. Zudem war Poppe nach seiner Militärkarriere in Herford 1960 „Ortsbeauftragter“ und zeitgleich als „Bezirksbeauftragter für Westfalen-Ost“ der Johanniter-Unfall-Hilfe aktiv. Und er betätigte sich als Autor: 1954 verfasste er eine „Kurze Geschichte der 77. Inf. Division“.

Das Werk fand ein gewisses Echo – allerdings ein anderes, als es dem Verfasser vorgeschwebt haben dürfte. „In einem Buch zur Kriegführung und Partisanen-Bekämpfung in Frankreich wird Poppes Arbeit bei einer Beurteilung von völkerrechtswidrigen Kriegsgefangenenerschießungen und Benutzung von Gefangenen als Schutzschilde von deutscher wie amerikanischer Seite zitiert“, sagt Christoph Laue. Womöglich trug die kurze Geschichte Poppe auch eine weitere kurze Erwähnung an unerwarteter Stelle ein: Im Abspann des 1977 erschienenen Hollywood-Films „Die Brücke von Arnheim“, in dem unter anderem Sean Connery, Michael Caine oder Robert Redford mitspielten, wird er laut der französischsprachigen Wikipedia als „Militärischer Berater“ genannt – obwohl er bereits 1968 im Alter von 76 Jahren verstorben war.

In der Todesanzeige wurde Poppe mit allen militärischen Titeln verabschiedet. Der General, der als einer der Köpfe von Hitlers Armee seinen Teil dazu beigetragen hat, Europa in Schutt und Asche zu legen, hinterließ einen Sohn, der – 1918 geboren – nach dem Zweiten Weltkrieg Pfarrer in Bochum geworden war. Ein zweiter, 1922 geborener Sohn, gilt als Leutnant seit 1944 als verschollen.

Bildunterschrift: Zivilist: Nach dem Ende seiner militärischen Karriere lebte Walter Poppe in überschaubaren Verhältnissen in Herford.

Bildunterschrift: Generalleutnant: Walter Poppe im Jahr 1943.

Bildunterschrift: Als Bezirksbeauftragter der Johanniter: Der ehemalige Wehrmachtsgeneral Walter Poppe (im Vordergrund im Trenchcoat) bei einer Katastrophenübung im Jahr 1956.

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www.zellentrakt.de

kommunalarchiv@kreis-herford.de

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Alles zitiert nach: hiergeblieben.de

 

Siehe auch: „… Friede herrscht nicht, er muss gestiftet werden. …

 

 

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