„… Es stellt sich unweigerlich die Frage: Warum demonstrieren die Jugendlichen, die heute für das Klima auf die Strasse gehen, nicht auch gegen den Krieg, der die Lebensgrundlagen der Menschen noch viel unmittelbarer und direkter bedroht?“

 

ww. Warum nur immer wieder neue Kriege? – Zeit-Fragen hat vor einigen Wochen das Buch von Heinrich Gerlach «Durchbruch bei Stalingrad» vorgestellt. Gerlach war Lehrer in Lyck, ebenfalls ein Dorf bei Königsberg. Er schildert als Zeitzeuge das Schicksal der deutschen Soldaten in Stalingrad und die Gefangenschaft danach (vgl. Zeit-Fragen Nr. 26 vom 20.11.2018). Margarethe schildert das Los der Zivilbevölkerung, die Schrecknisse der Flucht und die jahrelange Zwangsarbeit. Beide haben ihre Heimat verloren. Beide haben ihre Familie über Jahre aus den Augen verloren und kamen erst 1949 wieder «nach Hause» – in eine Heimat, die sie sich erst wieder neu erschaffen mussten. Sie haben uns als Zeitzeugen zwei wertvolle Dokumente hinterlassen, die uns nachdenklich stimmen sollten. Solche Bücher sind echt und zeigen, wie der Krieg wirklich ist und was für Folgen er hat. Leider gibt es auch heute nach wie vor viele Kriege. Die Medienberichte bleiben oft an der Oberfläche und stellen den Krieg gar als etwas Alltägliches oder als politisch Notwendiges dar. Dies tun auch viele Politiker. Heute wird erneut hochgerüstet. Deutschland soll seine Militärausgaben verdoppeln, verlangen die Amerikaner. Von der Regierung kommt kein Widerspruch. Atomsperrverträge werden gekündigt, neue modernere Atombomben und -raketen werden gebaut, die noch «erfolgreicher» Tod und Verderben bringen und die Lebensgrundlagen zerstören. Neue Panzer treffen noch besser, und neue Kampfflugzeuge bringen ihre todbringende Last noch schneller und präziser zum Ziel. Neue Militärstützpunkte werden im Osten gebaut, als ob es nicht schon genug davon hätte und obwohl die Nato versprochen hat, sich nicht nach Osten auszudehnen.
Politisch wird erneut eine Front gegen Russland aufgezogen. Als Feindbild muss Putin herhalten, und immer wieder wird die Krim genannt. Dabei war es nicht Putin, der auf dem Maidan in Kiew geputscht und mit Gewalt einen Regime change herbeigeführt hat. Zudem hat die Bevölkerung auf der Krim in einer Volksabstimmung sagen können, was sie will. Eigentlich ein demokratischer Ablauf, der sich als Alternative zur Machtpolitik anbietet und leider viel zu wenig genutzt wird. – Warum hat die Bevölkerung in der Ukraine und in den beiden Ostprovinzen Donezk und Luhansk (die sich mit den neuen politischen Verhältnissen nicht abfinden können) nicht schon längst über ein Autonomiestatut abstimmen können? Der Vertrag von Minsk sieht dies vor. Was sind das für Politiker, die das verhindern und sich von der militärischen Gewalt immer noch Vorteile versprechen, obwohl der Krieg – wie schon tausendfach bewiesen – fast immer in die Katastrophe führt? – Margarethe hat es als eine von Hundertausenden erfahren müssen und erzählt es im vorliegenden Buch. Es ist ein Glück, dass eine Zeitzeugin wie Margarethe sich heute zu Wort meldet!
Es stellt sich unweigerlich die Frage: Warum demonstrieren die Jugendlichen, die heute für das Klima auf die Strasse gehen, nicht auch gegen den Krieg, der die Lebensgrundlagen der Menschen noch viel unmittelbarer und direkter bedroht?

 

Siehe auch: Gandhi-Symposium 2019 Friedensstadt Linz 27. bis 29. September 2019

 

 

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