„… Vor 100 Jahren nahm das Leben von Wilhelm Lehmbruck ein tragisches Ende. Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern …“

 

und suchte nach einer Schönheit mit ganz eigenen Maßen – die bis heute staubfrei ist.

Der Duisburger hatte sich zunächst am klassischen Schönheitsideal abgearbeitet: stimmige Proportionen, einfache Posen, glatte Oberflächen. Doch dann bediente er sich der Abstraktion – wie er das machte, bleibt, so Dinkla, weitgehend einmalig: Der Mensch als Figur ist weiter deutlich erkennbar, doch Lehmbruck längt Gliedmaßen und Proportionen. Arme und Beine können unnatürlich lang sein, der Hals ebenso, Finger und Zehen, die ganzen Figuren überlebensgroß. Nichts Muskulöses ist zu sehen, keine wirklichkeitsgetreuen körperlichen Auffälligkeiten – weil eben, so Dinkla, der reale Körper nicht im Vordergrund steht. Dafür wirken die Figuren – auch durch nur halbgeöffnete Augen und geneigte Köpfe – nach innen gewandt, versunken. Sie sollen Symbol sein für das Innere, das Geistige, auch das Innehalten.

Lehmbruck ging es mit dem Blick auf das Innere aber nicht um pure Schöngeistigkeit. Seine Kunst sollte auch Sorgen und Schwere Ausdruck geben. Im Ersten Weltkrieg – die Familie war wieder nach Deutschland gezogen – wurde Lehmbruck Zeuge vom Verlust der Menschlichkeit, erst als Sanitäter, dann als Kriegsmaler, bis er wegen seiner Schwerhörigkeit freigestellt wurde. In der Arbeit des Künstlers, der unter Depressionen litt, klingen Zweifel, Melancholie und Trauer an. „Aber er will diese Schwere in Schönheit zeigen“, sagt Dinkla. „Dahinter steht die Idee, dass Kunst Schweres auflösen kann, dass Kunst etwas Heilendes hat.“ Sein Werk stelle bis heute die Frage, was den Menschen ausmache. „Nach dem Ersten Weltkrieg konnte das nicht mehr der Körper sein, der war der Zerstörung preisgegeben, was bleibt, ist der Geist des Menschen, seine Inspiration, seine Kreativität.“ …

 

Siehe auch: „Manfred Schneckenburger zum 100. Todestag von Wilhelm Lehmbruck …” …,

… „Wilhelm Lehmbruck

 

 

© 2019, ICH-Biographieberatung. All rights reserved.


 
 
 

Die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag wurde deaktiviert.