Videokriegsspiele: „Rüstungsfirmen kassieren mit“

 

Neue Westfälische – Paderborn (Kreis), 01.08.2017:

Rüstungsfirmen kassieren mit

Linkes Forum Paderborn: Michael Schulze von Glaßer referierte über Videokriegsspiele / Zuhörer für generelles Verbot von Kriegsspielen mit gewaltverherrlichenden Darstellungen

Paderborn. Die Computerspiele-Industrie boomt, darunter auch die Kriegsspiele. Die Industrie sei heute „lukrativer als Hollywood“, berichtete Michael Schulze von Glaßer, Mitarbeiter bei der Informationsstelle Militarisierung e.V., beim Linken Forum Paderborn und der Initiative gegen den Krieg während einer Veranstaltung zum Thema „Krieg und digitale Medien“.

„In der virtuellen Welt der Computerspiele tobt ein weltweiter Krieg“, wird Schulze von Glaßer in einer Pressemitteilung zitiert. Dabei verwendeten die Spiele-Hersteller von der Politik vorgegebene und in der Öffentlichkeit akzeptierte Feindbilder. Ein Aufschaukeln der konfrontativen Auseinandersetzung bleibe nicht aus, heißt es weiter. „Auf die Veröffentlichung des äußerst erfolgreichen Spiels „Battlefield 3“ mit anti-iranischer Ausrichtung folgte als „Antwort“ das Gegenspiel „Battle in Gulf of Aden“, das eine pro-iranische Position einnahm“, so der Referent.

Kommerzielle Interessen der Hersteller spielten neben ideologischen Mustern ebenso eine Rolle. Russland komme als Feind derzeit noch nicht in Betracht, so ein Entwickler im Interview mit dem Referenten, da die Unternehmen um den Verlust von Absatzmärkten fürchteten.

Die Mitarbeit von Rüstungsfirmen an der Entwicklung von Kriegsvideospielen gilt in der Branche als Qualitätsmerkmal, wobei die Zusammenarbeit als echtes Win-Win-Geschäft betrieben wird. „Rüstungsschmieden wie Heckler und Koch oder SIG Sauer werben in Spielen und begleitenden Materialien für ihre Produkte, andererseits kassieren sie mit jedem verkauften Exemplar Gebühren.“ Vielen Videospielern sei gar nicht bewusst, dass sie über Lizenzen die Rüstungshersteller mitfinanzieren. Schulze von Glaßer: „Gut möglich, dass sie das Interesse an manchen Spielen dann verlieren würden.“

Ein wachsendes Geschäft würden die Spiele-Hersteller in der Weiterentwicklung der Spiele-Software zu Schießsimulatoren sehen, die von der Bundeswehr als kostengünstige Alternative zu realen Kriegsübungen genutzt würden – gern auch in privatisierten Bereichen.

Neben der Einübung von Kampfhandlungen geht es auch um die „Einwerbung von militärischem Nachwuchs“, betonte Schulze von Glaßer. Die regelmäßige Präsenz der Bundeswehr auf der weltweit größten Messe für Unterhaltungselektronik, der „Gamescom“, unterstreiche die Rekrutierungsfunktion der präsentierten Software.

Insbesondere kritisierte Schulze von Glaßer, dass heutige Videospiel-Kritik sich zumeist auf die in den Spielen dargestellte Gewalt beschränke und nicht zudem die vermittelte „Story“ und die politischen Botschaften berücksichtige. „Eine solche ideologiekritische Auseinandersetzung gehört an die Schulen“ zeigte sich der Referent überzeugt. Einige Veranstaltungsbesucher äußerten nach Angaben des Linken Forums die weiter gehende Forderung, Kriegsspiele mit gewaltverherrlichenden Darstellungen grundsätzlich aus dem Verkehr zu ziehen.

Bildunterschrift: Diskutieren über Videokriegsspiele: (v. l.) Raphael Mueller (Paderborner Initiative gegen den Krieg), Referent Michael Schulze von Glaßer und Paul Weitkamp (Linkes Forum Paderborn).

Zitiert nach hiergeblieben.de

 

Hervorhebung G.Thr.

Siehe auch: „Die Gesellschaft verroht! II”…

…und: „Die unfähigen Wissenschafts-, Kultusminister und Erziehungsdirektoren entlassen – wegen unreifer ‚Soldaten-Züchterei’ …”…

… sowie: „NEUJAHR: ‚… Gott behüte uns vor einem blutigen Krieg! Frieden und Ruhe herrsche in der ganzen Welt!

 

 

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