„… Sie kamen nach der Untersuchung diverser positiver Wechselwirkungen im Erdsystem zum Schluss, dass ein solcher Kipppunkt vermutlich schon bei zwei Grad Celsius Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau erreicht wird. …“

 

Im vergangenen August sorgte ein Papier von Will Steffen und KollegInnen in der renommierten Fachzeitschrift «PNAS» für einige Aufregung. Sie kamen nach der Untersuchung diverser positiver Wechselwirkungen im Erdsystem zum Schluss, dass ein solcher Kipppunkt vermutlich schon bei zwei Grad Celsius Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau erreicht wird. Danach würde sich das globale Klima innerhalb weniger Jahrhunderte kaum aufhaltbar um mehrere zusätzliche Grad erwärmen. Eine Destabilisierung der grossen Eismassen in der Antarktis und auf Grönland wäre die Folge, ebenso ein Meeresspiegelanstieg um etliche Meter sowie schwere Störungen und dramatische Ernteausfälle in den Hauptagrarzonen des Planeten.

Dabei haben wir etwas mehr als ein Grad Celsius globale Erwärmung bereits erreicht. Von den zwei Grad trennen uns nur noch ein bis zwei Jahrzehnte, wenn wir weiterhin auf dem viel zu hohen Emissionsniveau verharren. Und mit den von den Staaten im Rahmen der Pariser Klimaübereinkunft bisher eingegangenen Verpflichtungen würde selbst dieses Zweigradziel noch verfehlt.

Womöglich ist alles noch viel dringender: Die von Steffen verwendeten Klimamodelle bilden die Vorgänge in der Arktis nur sehr unzulänglich ab und unterschätzen ihre Auswirkungen. Erst in der neuen Modellgeneration, die derzeit entwickelt wird, so Guido Grosse vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Potsdam, wird auch das Tauen des Permafrosts realistisch abgebildet. Steffen ging noch davon aus, dass die aus dem auftauenden Permafrostboden entweichenden Gase bis zum Ende des Jahrhunderts nur 0,04 bis 0,16 Grad Celsius zur globalen Erwärmung beitragen werden. Grosse dagegen hält 0,2 bis 0,3 Grad Celsius für wahrscheinlicher. Im Mai hat er diese Forschungsresultate gemeinsam mit Kollegen in der Fachzeitschrift «Nature» publiziert.

 

 

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