„… müssen wir damit rechnen, dass schon bald auch in unserer Gemeinde gegen Minderheiten und Menschen mit Migrationshintergrund gehetzt wird. …“

 

… oder: Offenbarungseid der deutschen Politik – unreif, unerwachsen, ja kindisch bis geradezu infantil

 

Lippische Landes-Zeitung, 30.09./01.10.2017:

„Einige wollen in einer Parallelgesellschaft leben“

Ursachenforschung: Der Augustdorfer Klaus Mai hat die Integration der Russlanddeutschen begleitet und übt heute scharfe Kritik / Die Parteien haben angesichts des AfD-Erfolges Sorge, dass gegen Minderheiten gehetzt wird

Augustdorf (sew). Heimat – das ist für Klaus Mai kein abstrakter Begriff. In Augustdorf rührt der ehemalige Leiter der Hauptschule in vielen Töpfen. Das Wahlergebnis hat ihn empört und nachdenklich gemacht, denn in Augustdorf hat die AfD 15,7 Prozent der Erst- und 16,5 Prozent der Zweitstimmen geholt. „Das ist ein Protest gegen die Flüchtlingspolitik. Einige der Spätaussiedler, die wir vor 20 Jahren hier willkommen geheißen haben, wollen diese Menschen hier nicht haben“, meint Mai.

Damals, in den 80er Jahren, habe man sehr viel getan, um die Spätaussiedler bestmöglich zu versorgen. Der Augustdorfer saß zu der Zeit im Rat, als Hunderte eine Wohnung brauchten und die Schulen viele Kinder integrieren mussten. „Der erste Wunsch war, dass die Kinder an den öffentlichen Schulen nicht am Religionsunterricht teilnehmen, und wir haben dann versucht, eine Lösung zu finden“, erinnert sich Mai. Dabei sei es nicht so, dass sich die Eltern nicht in das Schulleben eingebracht und geholfen hätten. „Aber viele melden heute ihre Kinder in der Bekenntnisschule an, die Kirchen machen ihre eigene Jugendarbeit – das zeigt, dass häufig kein Interesse an Integration in die Gemeinde Augustdorf besteht. Man will in einer geschlossenen Parallelgesellschaft leben.“

In Augustdorf habe die AfD massiv geworben, für eine Begrenzung des Zuzugs, für Abschiebung und auch eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland. „Jemand, den ich sehr schätze, weil er kreativ ist und hilft, hat mir gesagt, dass seine Enkel auf keinen Fall mit Flüchtlingen in eine Klasse gehen sollen. Ich war entsetzt.“

Als im LZ-Kommentar nach der Wahl festgestellt wurde, dass „Lage und Augustdorf Problem bei der Integration haben“, habe ihn das wütend gemacht. Der Augustdorfer hat den Heimatverein mitgegründet, interkulturelle Feste ins Leben gerufen, er leitet die AWO und ist in der Flüchtlingshilfe aktiv. „Wir haben kein Problem mit der Integration von Migranten in Augustdorf, sondern erfahren sehr viel Unterstützung. Aber wir müssen erkennen, dass sich über die Jahre hinweg eine Gruppe gebildet hat, die nur ihre Werte leben will und eine Wandlung der Gesellschaft nicht akzeptieren will oder kann.“

Auch SPD, FWG und FDP haben sich mit dem Wahlergebnis auseinandergesetzt. „Wenn in Augustdorf jeder sechste die AfD gewählt hat, müssen wir damit rechnen, dass schon bald auch in unserer Gemeinde gegen Minderheiten und Menschen mit Migrationshintergrund gehetzt wird“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Die CDU sieht den Einfluss der russischen TV-Sender kritisch. „Wahrscheinlich spielt aber auch die Angst vor Überfremdung und das große Misstrauen gegenüber Muslimen in Deutschland eine große Rolle bei den Ergebnissen für die AfD“, meint CDU-Kreisgeschäftsführer Lennart Hildebrand. Um die Protestwähler zurück zu gewinnen, müsse man den Menschen die Sorgen vor der Zukunft nehmen. Ein Mittel sei, den Wählern die politischen Entscheidungen transparenter und verständlicher zu machen.

Bildunterschrift: Sorgenvoll: Klaus Mai befürchtet, dass in Augustdorf Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht wird.

Zitiert nach: hiergeblieben.de

dort: http://www.hiergeblieben.de/pages/textanzeige.php?limit=10&order=datum&richtung=DESC&z=1&id=51379

 

 

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