„… Menschen werden in Kriege hineingelogen …“

 

für Krieg wie für Terror braucht es Feindbilder, die künstlich erzeugt werden müssen. Die Vorbereitungen nehmen oft Jahre in Anspruch. Dabei fällt der Kriegspropaganda die Aufgabe zu, Hass gegen den Feind zu erzeugen und den politisch gewollten Krieg als einen notwendigen und guten Krieg darzustellen.
Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass Regierungen grosse international agierende PR-Unternehmen damit beauftragen, für ihre Kriegspläne zu werben, um für Unterstützung in der eigenen Bevölkerung und bei den Verbündeten zu sorgen.
Public-Relations-Fachleute, ausgestattet mit allen Erkenntnissen der Psychologie, der Kommunikationsforschung und anderer Sozialwissenschaften, schreiben das Drehbuch, mit dem die Menschen in den Krieg hineingelogen werden sollen, und die Medien – Hörfunk, Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriftenverlage, das Internet und die Film­industrie – sorgen dafür, dass die «Werbung für Krieg und Tod»2 unter die Menschen kommt. Sie geben vor, womit sich die Menschen befassen und was sie denken sollen; das nennt man «Aufklärung» oder «Information». Unerwünschte Informationen werden verschwiegen oder vom «Wahrheitsministerium» zu feindlicher Propaganda oder neudeutsch «fake news» erklärt.
Die Medienberichterstattung wird weitgehend von einigen grossen Agenturen dominiert. «80 % aller Nachrichten in den Medien», schreiben Becker und Beham, «stützen sich auf lediglich eine einzige Quelle, und genau diese entpuppt sich bei weiteren Recherchen als eben die Pressestelle, die diese Meldung in Umlauf gebracht hat.» Sie sprechen von einer «Kolonisierung der Medien durch die PR-Industrie». Anfang der neunziger Jahre gab es in den USA mehr «PR-Praktiker» als Journalisten.
Ein Neffe Siegmund Freuds, Edward Bernays (1891–1995), der als Vater der Public Relations gilt, hat nicht nur dafür gesorgt, dass Freuds Theorien in den USA Verbreitung fanden, sondern mit seinem Buch «Propaganda» 1928 auch die Grundlage für modernes Kommunikationsmanagement gelegt.3 Es dient noch heute Werbefachleuten und Regierungen als Anleitung für die Manipulation der öffentlichen Meinung.
Bernays entwickelte seine Kampagnen zur Meinungsbeeinflussung aus den Theorien seines Onkels. Er war davon überzeugt, dass es möglich sei, die «Massen ohne deren Wissen zu kontrollieren und zu steuern», wenn man «den Mechanismus und die Motive des Gruppendenkens versteht».
«Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen» war für Bernays, «ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften». «Organisationen, die im verborgenen arbeiten», schreibt er, «lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentliche Regierung in unserem Land [gemeint sind die USA].
Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken.» Doch das sei nicht überraschend, fährt er fort: «Wenn viele Menschen möglichst reibungslos in einer Gesellschaft zusammenleben sollen, sind Steuerungsprozesse dieser Art unumgänglich.» (S.19)
Dass «eine dafür geborene Elite» die Gesellschaft lenkt, ist für Bernays selbstverständlich. Unverfroren preist er die «grandiosen Erfolge der Propaganda im Krieg» [gemeint ist der Erste Weltkrieg], welche den «Weitsichtigen» die Augen «für die Möglichkeiten von Manipulation der Massenmeinung in allen Bereichen des Lebens» geöffnet hätte. Im Krieg, so Bernays, hätten die amerikanische Regierung und diverse patriotische Vereinigungen «eine vollkommen neue Methode» zur Gewinnung öffentlicher Akzeptanz angewendet, indem sie sich der «Unterstützung der Schlüsselpersonen aller gesellschaftlichen Gruppen, von Menschen also, deren Wort für Hunderte, Tausende oder gar Hunderttausende Gewicht hatte», versichert haben. So hätten sie automatisch «die Unterstützung ganzer Burschenschaften, Religionsgemeinschaften, Wirtschaftsvereinigungen, patriotischen Vereinen, sozialen und regionalen Gruppen» gewonnen, «deren Mitglieder die Meinung ihrer Anführer und Sprecher automatisch übernommen» hätten.
Ausserdem hätten die Manipulatoren der öffentlichen Meinung «Massenreaktionen gegen die angeblichen Greueltaten, den Terror und die Tyrannei des Feindes» provoziert. (S. 33) So werden Kriege gemacht!
Die Kriegspropaganda knüpft daran an, dass der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist und das Zusammenleben auf Treu und Glauben beruht. Sie missbraucht das menschliche Gefühl für Verantwortung und Gerechtigkeit, um den Krieg gegen die «Barbaren» nicht nur als gerecht, sondern als heilige Pflicht erscheinen zu lassen. Und sie setzt darauf, dass sich der ehrliche Bürger nicht einmal vorstellen kann, dass er derart manipuliert und betrogen wird.

(Anmerkungen im verlinkten Originaltext )

 

 

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