Krieg und Frieden: „… Aber ohne sich bewusst in diesen Zusammenhang zu stellen wird es wohl nicht in eine lebendige Zukunft gehen. …“

 

… oder: „Der Lehrer sagt es nur einmal …”

 

Was haben wir denn heute für eine Situation? Da ist der aus dem Westen herandrängende ökonomische Druck, da ist Russland, hinter ihm der asiatische Raum, mit den noch wirksamen stärkeren Gemeinschaftstraditionen. Ein nach beiden Seiten schwankendes Europa dazwischen, das sich nicht entscheiden kann, ob es sich als europäischer Nationalstaat nach denselben Kriterien wie eh und je zu einem neuen Machtzentrum, hochgerüstet als dritte, vierte, fünfte Macht neben den USA, Russland und China entwickeln möchte oder ob es auf einen Weg der Vermittlung gehen will. Vermitteln hieße nicht etwa neutral sein im Sinne von nichts tun, vermitteln hieße, westliche und östliche Qualitäten und Mentalitäten in einen Austausch zu bringen. Es ginge darum, die Werte der jeweils anderen zu erkennen und miteinander füreinander fruchtbar zu machen. Da hätten die Europäer, zumal die Deutschen in Europa eine klare Chance, wenn sie ergriffen würde.

 

Wenn, dann…

Ja, wenn! Das ist natürlich der Punkt, der die meisten Fragen zu Steiners „Kernpunkten“ wie überhaupt bei der ganzen Diskussion um mögliche Alternativen heute aufwirft. Dazu noch einmal Steiner selbst: „Auch der ganz radikal Denkende kann Vertrauen zu einer sozialen Neugestaltung unter Wahrung der überkommenden Werte gewinnen, wenn er vor Ideen sich gestellt sieht, die eine wirklich gesunde Entwickelung einleiten können. Auch wird er einsehen müssen, dass, welche Menschenklasse auch immer zur Herrschaft gelangt, sie die bestehenden Übel nicht beseitigen wird, wenn ihre Impulse nicht von Ideen getragen sind, die den sozialen Organismus gesund und lebensfähig machen. Verzweifeln, weil man nicht glauben kann, dass bei einer genügend großen Anzahl von Menschen auch in den Wirren der Gegenwart Verständnis sich findet für solche Idee, wenn auf ihre Verbreitung die notwendige Energie gewandt werden kann, hieße an der Empfänglichkeit der Menschennatur für das Gesunde und Zweckentsprechende zu verzweifeln. Es sollte diese Frage, ob man daran verzweifeln müsse, gar nicht gestellt werden, sondern nur die andere: was man tun soll, um die Aufklärung über vertrauenerweckende Ideen so kraftvoll als möglich zu machen.“[10]

Haben wir heute die Möglichkeit Energie in dieser Weise aufzubringen? Und worin müsste diese Energie bestehen? Das ist eine Frage, die vermutlich jede/r zuerst mit sich selber klären muss. Darüber hinaus ist klar, dass die Idee der Dreigliederung natürlich durchzogen ist von der Vorstellung, dass der Mensch nicht nur auf der Erde lebt, sondern kosmisch eingebunden ist. Es ist heute nicht üblich davon zu sprechen, dass der Mensch nicht nur da sitzt, wo er gerade sitzt, isst und konsumiert, sondern dass der Mensch auch noch in einem größeren Zusammenhang steht. Aber ohne sich bewusst in diesen Zusammenhang zu stellen wird es wohl nicht in eine lebendige Zukunft gehen.

Kai Ehlers, info@kai-ehlers.de

 

 

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