„Ich glotze, also bin ich“ III

 

… oder: Muttis ‚Programm’ — in den Untergang 3.0 …

 

– Mittwoch, 29. Mai 2019 von 20.15 bis 21.00 Uhr –

3sat: „Rechtsrockland“ – Ein Film von Johanna Hemkentokrax und Axel Hemmerling

(Erstsendung am 01.10.2018)

Seit Jahren steigt die Zahl extrem rechter Konzerte in Deutschland, vor allem in Mitteldeutschland. Bei den Festivals handelt es sich nicht einfach nur um Treffs von Neonazis.

Sie bieten die Gelegenheit, sich zu vernetzen. Die Dokumentation analysiert diese Netzwerke, die Neonazis in Deutschland und in ganz Europa verbinden. Sie stellt die wichtigsten Vertreter vor und beschreibt besorgniserregende Entwicklungen.

Allein zwischen Juli und September 2017 besuchten 11.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland Neonazi-Konzerte in Deutschland. Im Vorjahreszeitraum waren es 5.000. Die Hälfte der 34 bundesweiten Konzerte im dritten Quartal 2017 fand in Sachsen und Thüringen statt. Besonders der kleine Ort Themar in Südthüringen hat sich in der Szene einen Namen gemacht.

Gleichzeitig reagieren die Behörden oft hilflos. Während die Szene etwa in Bayern und Baden-Württemberg auf kleine, eher konspirativ organisierte Konzerte setzt, muss sie sich in Sachsen und Thüringen kaum verstecken. Konspirative Planung ist unnötig, staatlichen Verfolgungsdruck gibt es nicht. Die Behörden sind nicht selten überfordert und haben den rechten Netzwerken nichts entgegenzusetzen.

Ein genauer Blick auf die Konzertteilnehmer lohnt sich, denn im Hintergrund ziehen alte Kader und Szenegrößen die Fäden – die „Paten des Rechtsterrorismus“. Sie sind zum Teil seit Jahrzehnten in der Szene aktiv – erst unauffällig, jetzt immer offensiver. Ihre Netzwerke sind international und funktionieren erfolgreich – in Deutschland und im europäischen Ausland.

Der Einfluss der deutschen Neonazi-Netzwerker ist dort groß. Auch Gruppen wie „Combat 18“, verantwortlich unter anderem für Bombenanschläge in London, sind wieder aktiv. Ihre Strukturen sind untrennbar mit dem Musikgeschäft verbunden. Und die Behörden sehen hilflos zu.

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– Mittwoch, 29. Mai 2019 von 21.00 bis 22.00 Uhr –

3sat: „Themar – Die Kleinstadt und der Rechtsrock“ – Film von Adrian Oeser – Erstausstrahlung

Seit im thüringischen Themar 2017 ein Rechtsrock-Konzert mit über 6.000 Neonazis stattfand, gehen Risse durch die Kleinstadt: zwischen Neonazis, ihren Gegnerinnen und Gegnern und denen, die wegsehen.

Auf der einen Seite gibt es einen bunten Protest, trotz der Gefahr, die von den rechten Strukturen ausgeht. Doch es gibt auch viele Menschen im Ort, die kein Problem mit den Rechten haben – sondern mit den Gegenprotesten. Themar ist eine gespaltene Stadt geworden.

Filmautor Adrian Oeser lebte drei Wochen in Themar und hat die Stimmung vor Ort eingefangen. Wie konnte eine beschauliche Kleinstadt zu einer Hochburg der rechten Musik-Szene werden? Wie hat sich das Leben ihrer Einwohnerinnen und Einwohner seitdem verändert? Der Film ermöglicht Einblicke in eine rechte Parallelwelt, die sich vor Ort etablierte. So lässt sich wie durch ein Brennglas beobachten, wie sich antidemokratisches Gedankengut in der Gesellschaft Themars manifestierte.

Doch wie kann mit extrem Rechten vor der Kamera umgegangen werden? Können sie unkommentiert sprechen gelassen werden, oder wird so auf ihre Selbstinszenierung hereingefallen und ihnen eine Plattform geboten?

Doch nicht nur die Organisatoren und Anhänger des Rechtsrock kommen zu Wort. Es regt sich auch aktiver und kreativer Protest innerhalb der Bevölkerung. An vorderster Front durch Thomas Jakob, den Sprecher des Bündnisses „Themar gegen Rechts“, der sich für seine medienwirksamen Auftritte gern in ein Aufsehen erregendes Superman-Kostüm zwängt.

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( Alles zitiert nach:  hiergeblieben.de )

 

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Jetzt: „Ich schaue in die Welt …” …

 

Lippische Landes-Zeitung, 28.05.2019:

Online-Lexikon beleuchtet die Täter-Seite

Projekt: Drei Masterstudenten stellen eine Datenbank zum Musikbetrieb während der NS-Zeit vor / Bis zu den geplanten 1.000 Einträgen ist es noch ein langer Weg

Von Jost Wolf

Detmold. „Es gibt ein „Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit“ der Universität Hamburg“, sagt Joachim Pollmann. „Das müsste es auch für die Täterseite geben, denn nur so kann eine wirkliche Aufarbeitung der Geschichte stattfinden.“ Die Idee entstand 2017. Nun haben die drei Masterstudenten der Musikwissenschaften Theodora Oancea, Joachim Pollmann und Jonas Spieker in der Hochschule für Musik ihre Online-Datenbank „Musik in der NS-Zeit – Kollaborateure – Involvierte – Profiteure“ vorgestellt. Weil der wissenschaftliche Anspruch hoch ist, enthält sie derzeit erst zehn Artikel, soll aber im Laufe der Zeit auf mehr als 1.000 Einträge anwachsen.

Der Datenbank-Titel zeige schon, wie unterschiedlich die Motivation der Akteure damals gewesen sei, sagt Jonas Spieker. „Eine Aufarbeitung ihrer Biografien hat bis heute nur in den seltensten Fällen stattgefunden“, sagt Spieker. „Stattdessen stößt man oft auf Leerstellen zwischen 1933 und 1945.“ Ziel sei es, mit den Personenartikeln im Lexikon die Vernetzung und die Machtstrukturen im nationalsozialistischen Musikbetrieb darzustellen. Dafür sei besonders die von Online-Lexika bekannte Möglichkeit zu Verlinkungen hilfreich, erklärt Theodora Oancea. „Außerdem soll die Datenbank intuitiv und schnell zu bedienen sein.“ Letztendlich haben sich die Masterstudenten nach Beratung durch den Informatiker und Geschäftsführer des Zentrums Musik – Edition – Medien Daniel Röwenstrunk für ein auf der Wikipedia-Software basierendes System entschieden.

Sieben Sachartikel und drei Personen-Artikel (Friedrich Blume, Heinz Drewes und Werner Egk) sind derzeit vorhanden und demonstrieren, wie die Masterstudenten sich ausgearbeitete Datenbank-Einträge vorstellen: „Bei den Biografien stellen wir besonders die Entnazifizierungsverfahren heraus, weil diese Verfahren Schlüsselpunkte darstellen“, erklärt Jonas Spieker. „Es haben sich Narrative und Netzwerke entwickelt, die bis lange in die Nachkriegszeit gewirkt haben.“ Deshalb berücksichtige man auch das Leben nach 1945, „weil es da zu einigen Kontinuitäten in den Ämtern gekommen ist“. Aufgelistet sind dementsprechend die Ämter und Mitgliedschaften der behandelten Person während der NS-Zeit und darüber hinaus sowie ihre Ehrungen, Aufsätze und Bücher. Theodora Oancea: „Bei vielen Personen gab es noch gar keine solche Zusammenstellung, oder die Jahre 1933 bis 1945 werden ausgeblendet.“ Das Masterstudenten-Team, das bei seiner Arbeit von Prof. Dr. Rebecca Grotjahn unterstützt wurde, legt bei seinem Projekt Wert auf Vollständigkeit.

Und die fehlte den Studenten bei den Vorarbeiten zur Datenbank. „Zuerst haben wir verschiedene Musiklexika durchgearbeitet“, erinnert sich Joachim Pollmann. „Mit dem Ergebnis: Das kann ja wohl nicht alles sein?“ Oft stießen die Forscher auf unvollständige Einträge. Gerade kritische Quellen waren teils nicht verzeichnet. Basierend auf diesen Recherchen habe man eine Excel-Datei mit 1.000 Personen erstellt, die nun die Grundlage für die Datenbank bilde, erzählt Joachim Pollmann. „Mit den drei Personen-Artikeln haben wir also schon drei Promille der Arbeit geschafft“, sagt augenzwinkernd.

Den Dreien ist klar, dass sie die Datenbank nicht alleine werden vervollständigen können. Wie eine mögliche Mitarbeit anderer konkret organisiert werden soll, ist aber noch unklar. Sicher ist nur, dass die Artikel nicht für jeden frei zu bearbeiten sein sollen. Der Fall des Ex-Rektors der Musikhochschule Martin Stephani und besonders der des Freiburger Musikwissenschaftlers Hans Heinrich Eggebrecht nähre Skepsis, ob wirklich alle Mitarbeiter an Aufklärung interessiert seien, pflichtet Prof. Grotjahn ihnen bei. Vorerst erwarten die Masterstudenten deshalb eine Kontaktaufnahme von Mitarbeitswilligen per E-Mail. Auch die Finanzierung des „Projekt für mehrere Jahrzehnte“ ist noch unklar. „Eine Idee wäre, es über die Deutsche Forschungsgesellschaft zu finanzieren oder vielleicht über eine Stiftung“, verrät Joachim Pollmann.

Wer am Lexikon mitarbeiten möchte, kann per E-Mail an

musik-in-derns-zeit@muwi.uni-paderborn.de

Kontakt aufnehmen. Das Lexikon ist im Internet zu erreichen unter https://musik-in-der-ns-zeit.upb.de

Bildunterschrift: Datenbank: Die Musikwissenschaftler (von links) Joachim Pollmann, Theodora Oancea und Jonas Spieker zeigen im Seminar der Hochschule für Musik ihre Online-Plattform zu Verstrickungen im Musikbetrieb der Nationalsozialisten.

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( Alles zitiert von  hiergeblieben.de )

 

 

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