Frau von der Leyen hat Erfahrung in Erziehungs- resp. Bildungsfragen …

 

… oder: „Bildungsreformen” …

 

– Donnerstag, 22. Februar 2018 um 19.30 Uhr –

WDR-Fernsehen, Lokalzeit OWL: Augustdorfer Soldaten posieren vor Wehrmachts-Schild

Ärger um „Stalag“-Schild in afghanischem Bundeswehrlager

Augustdorfer Soldaten lassen sich vor dem Schild fotografieren

„Stalag“: Wehrmachts-Abkürzung für „Stammlager“, Gefangenenlager im Zweiten Weltkrieg

Weil Büren im Kreis Paderborn Partnerstadt der Kompanie aus Augustdorf ist, schickte man von der Stadt Büren Ortsschilder nach Afghanistan.

Die Soldaten fotografierten sich zum Dank dann mit den Ortsschildern. Die Fotos entstanden offenbar vor einem Eingang ihrer Unterkunft. Über dem ist in großen Buchstaben auf einem weiteren Schild zu lesen: „Stalag 13“.

Ein historisch derart belasteter Begriff in Verbindung mit der Bundeswehr – das wirft wieder Fragen auf nach dem Traditionsverständnis der Truppe.

Bundeswehr nimmt Vorfall „sehr ernst“

Von der Bundeswehr heißt es, der Vorfall werde sehr ernst genommen, und das Schild sei inzwischen entfernt worden. Jetzt wird intern untersucht, wie es überhaupt dorthin gekommen ist.

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Neue Westfälische, 22.02.2018:

Kommentar / Stalag-Schild im Bundeswehr-Camp in Afghanistan

Politische Eselei

Lothar Schmalen

Gerade in Ostwestfalen-Lippe sind mit dem begriff „Stalag“, der Abkürzung für „Stammlager“, fürchterliche Assoziationen verbunden. Im Stalag 326 in der Senne ließ die Deutsche Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs gefangene Soldaten aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion von der Wehrmacht systematisch verhungern. Oder sie wurden zu Tode gequält. Gerade ist damit begonnen worden, die Erinnerungsarbeit der Dokumentationsstätte in Stukenbrock auf eine breitere Basis zu stellen, damit das Leid der Gefangenen und der Wahnsinn des Weltkriegs nicht in Vergessenheit geraten.

Man kann sich nur an den Kopf fassen, wenn man davon erfährt, dass ausgerechnet in einem Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan seit Monaten, vielleicht sogar seit Jahr und Tag, ein Stalag-Schild über einem Eingangstor zu sehen ist. Natürlich ist mit dem Begriff „Stalag 13“, der dort zu lesen ist, das fiktive Kriegsgefangenen-Lager aus der US-amerikanischen Fernseh-Serie „Ein Käfig voller Helden“ gemeint. Allerdings: Um diesen Bezug lustig zu finden, muss man schon ein sehr verqueres historisches Weltbild haben.

Rund um die Bundeswehr wird seit dem Bekanntwerden verschiedener rechtsextremistischer Umtriebe intensiv darüber diskutiert, auf welche Tradition sich die Armee eines demokratischen Deutschland eigentlich berufen sollte. Gerade vor dem Hintergrund dieser aktuellen Traditionsdebatten steht die Frage im Raum: Wie kann es sein, dass kein Offizier in Masar-i- Sharif, als er das Stalag-Schild gesehen hat, auf die Idee gekommen ist, den Soldaten zu sagen, dass sie es wieder abbauen müssen – aber ganz schnell?

Möglicherweise wissen viele Soldaten gar nicht, welch unheilvolle Bedeutung sich hinter der Bezeichnung „Stalag“ verbirgt. Das aber würde nur ein bezeichnendes Licht auf die mangelnde Staatsbürgerkunde bei der Bundeswehr werfen.

In der Stukenbrocker Stalag-Gedenkstätte gibt es Überlegungen, dass künftig Heeressoldaten aus dem benachbarten Augustdorf regelmäßig in die Senne kommen sollen, um sich über das historische Geschehen auf dem Gelände des ehemaligen Gefangenen-Lagers zu informieren. Von der Idee ist auch der Brigadestab der Augustdorfer Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne durchaus angetan. Es wäre eine politisch-historische Weiterbildung, die bei der Bundeswehr offenbar bitter nötig ist. Und das nicht nur bei den Einheiten, die im heimischen Augustdorf stationiert sind.

lothar.schmalen@ihr-kommentar.de

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Neue Westfälische, 22.02.2018:

Skandal um Stalag-Schild in Bundeswehr-Camp

Afghanistan: Die Stadt Büren will mit einer Geste ihre Partnerschaft mit Soldaten aus Augustdorf festigen / Ein Foto zeigt die Verwendung eines historisch belasteten Begriffs

Von Lothar Schmalen

Augustdorf / Büren. Unglaublicher Fehltritt bei der Bundeswehr im afghanischen Masar-i-Sharif: Dort stationierte Soldaten haben im Feldlager Camp Marmal ein Eingangstor zu Unterkünften errichtet, über dem das Schild „Stalag 13“ steht. „Stalag“ ist die Abkürzung für „Stammlager“ und die Bezeichnung für die Kriegsgefangenenlager der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, in denen die Gefangenen grausam behandelt wurden.

Ein Foto, auf dem das Eingangstor zu sehen ist, erreichte die Redaktion dieser Zeitung mit einer Pressemitteilung der Stadt Büren. Büren verbindet seit 2015 eine Patenschaft mit der 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 212 aus Augustdorf. 60 Soldaten der Kompanie leisten seit Januar für sechs Monate ihren Dienst in dem Bundeswehr-Stützpunkt im Norden Afghanistans.

„Stalag 13“ ist auch ein fiktives Gefangenenlager der Deutschen Wehrmacht in der US-amerikanischen Fernsehserie „Ein Käfig voller Helden“. Das fiktive Lager orientiert sich am realen Stalag XIII C, das nahe der Kleinstadt Hammelburg in Unterfranken existierte und in dem zunächst belgische und französische Kriegsgefangene aus dem Westfeldzug und später jugoslawische, polnische, sowjetische, italienische und US-amerikanische Gefangene untergebracht waren. Viele Gefangene starben. Auf einem nahe gelegenen Friedhof wurden 35 Polen, 50 Russen und 73 Jugoslawen beerdigt.

Die Stadt Büren hatte ein Ortsschild als Zeichen der Verbundenheit mit den Soldaten nach Masar-i-Sharif geschickt. Als Dank sendeten die Soldaten ein Foto aus dem Camp nach Büren, auf dem ein Hauptmann und ein Hauptfeldwebel mit dem Ortsschild zu sehen sind – und eben das Eingangstor mit dem Schild „Stalag 13“. Auf die Verwendung der historisch belasteten Bezeichnung „Stalag“ in einem Bundeswehrstützpunkt in Afghanistan angesprochen, erklärte Oberstabsfeldwebel Tino Richter von der 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 212, dass seine Soldaten das Tor bereits vorgefunden hätten, als sie nach Masar-i-Sharif gekommen seien. Bürens Bürgermeister Burkhard Schwuchow (CDU) bedauert den Vorfall. „Ein inhaltlicher Zusammenhang mit dem NS-Sprachgebrauch war bei der Weiterleitung des Fotos durch die Bundeswehr nicht deutlich“, sagte er. Das Foto sei bereits von der Webseite der Stadt entfernt worden.

In einer ersten Reaktion forderte Christian Sauter aus Extertal, FDP-Mitglied des Verteidigungsausschusses im Bundestag, das Schild sei mindestens missverständlich und sollte daher entfernt werden. Er hoffe außerdem, dass die Bundeswehr über Hintergründe des Fotos aufkläre. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Bildunterschrift: Umstrittenes Foto: Hauptmann Sebastian K. (l.) und Kompaniefeldwebel Marc E. – von der Redaktion unkenntlich gemacht – präsentieren im Bundeswehrcamp in Afghanistan stolz das Ortsschild von Büren. Links oben ist das Stammlager-Schild zu sehen.

Stalag auch in Stukenbrock

Berüchtigt ist das Stalag 326 in Stukenbrock, in dem Zehntausende gefangene Soldaten ums Leben kamen. Eine überparteiliche Initiative will die Dokumentationsstätte zu einer Gedenkstätte für die Opfer aus den Ländern der Ex-UdSSR aufwerten.

Bildunterschrift: 1945: Das Stalag 326 wird befreit.

 

 

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