Etwas über die Liebe …

 

„Liebe ist die Schönheit der Seele.“ Augustinus Aurelius, römischer Kirchenlehrer, 354-430

 

Wenn ein schöner Mensch* so etwas schreibt, schreiben muss, …

Vielleicht war das ja die wahre Hölle: ein Gedränge von seelenlosen Körpern, die bis zum Rand
mit Lebensmitteln vollgestopfte Einkaufswagen vor sich her schieben, verzweifelt und bereit zu allen Ablehnungen, vorausgesetzt, dass nichts ihr phantastisches Shopping stört, und die den hingerissenen Blick vergessen haben, mit dem sie noch gestern das Neugeborene umhüllten. Und die, schlimmer noch, ihre eigenen Kinder fressen, die sie in den Konsum treiben, um daraus noch mehr Profit zu ziehen.

… wünscht man sich doch eigentlich, dass die ganze Welt innehält, ihr nurmehriges Zerstörungswerk betrachtet – und sich besinnt.

Nichts da! Die Wall Street klappert weiter – und wird bedient, als wäre sie das Zentrum der Welt.

Wo aber ist das? – Wer zuhören lernt, weiss, dass an der Musik das Allerwichtigste die Pause ist, also eigentlich die Nicht-Musik. Ein buddhistisch orientierter Musiker – wie z.B. Celibidache es war – ist oft erst dann von seiner Arbeit überzeugt, wenn z. B. Mozart in seinen Pausen „da ist“ …
Ist es evtl. ganz ähnlich bei einem so von allen Menschen ersehnten Gut wie der Liebe?
Jeder kennt die Sehnsucht, die Hinwendung, auch die Abwehr: Ist es so, dass wir wieder lernen müssen, dass da etwas Überzeitliches, Ewiges durchtönt, an dem wir nur zumeist achtlos – auf „die Wall Street starrend“ – vorbeihasten?

Vielleicht erschüttert es die Wall Street und ihre Götzendiener etcetc. gerade heutzutage deshalb so stark, weil sie diese Lektion des Lebens bisher einfach nicht gelernt hat, lernen wollte und will. Ihr Angelpunkt ist falsch gesetzt. Der Schreihals wird gehört. Dabei gilt es erst, die ganze Wirklichkeit zu entdecken. Ganz einfach.

Ganz einfach? – Das laute „Achtung! Die Ampel wird gleich rot!“ langt offensichtlich nicht hin bis zur Achtung der Schöpfung, der Mitgeschöpfe.

Jetzt – spätestens – müsste, muss also gut auf die leisen, stillen Liebesbeweise der Schöpfung achtvoll gehört werden.

 

Gunther Thriene

 

*) „Und es neigen die Weisen oft am Ende zu Schönem sich.“ Friedrich Hölderlin