‚Eingeklemmt‘ zwischen Heeren von ‚Erinnerungslücken‘-Parlamentarier:innen und ‚Wilkomirski-Syndrom‘ …

 

bleibt die Wahrheit doch wahr. Danke, Herr Hug!

 

Möglicherweise ist es gut, dass ein Virus diese Gedenkanlässe verhindert. Ein würdiges Gedenken würde vermutlich so oder so nicht stattfinden – wie sie Herr Hug mit ihrem Bericht bereits andeuten.

( Aus dem Forum dazu )

 

Mein heutiger Zeuge:

 

Neue Westfälische – Zeitung für das Lübbecker Land , 08.04.2020 :

Briefe an die Redaktion / „Die Bürger hatten weggeschaut“

Zur NW-Serie „75 Jahre Kriegsende“ äußert sich ein Leser:

„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus … (?) Bei der Aufarbeitung der deutschen Verbrechen zwischen 1933 und 1945 haben wir uns trotz der 68er-Impulse immer noch nicht abgewöhnt, die damalige Verantwortung nur auf „die Nazis“ abzuschieben: „Die Nazis hatten die Juden verfolgt“, „die braunen Horden sangen das Horst-Wessel-Lied“, „die Nazis hatten Behinderte umgebracht“, „das Gedankengut der Nazis hatte das Land vergiftet“ und so weiter.

Diese Ausdrucksweise beschreibt nur die halbe Wahrheit – sie verschleiert die Gesamt-Verantwortung: Die Bürger hatten weggeschaut, als ihre jüdischen Nachbarn abgeführt wurden beziehungsweise verschwanden. Man tröstete sich damit, dass sie ja möglicherweise nur ausgesiedelt würden. Die Massen jubelten Adolf Hitler zu. Das Großbürgertum hatte den „Führer“ und seine „NSDAP“ wirksam unterstützt – wie auch die Evangelische Kirche und deren Ableger. Die Bekennende Kirche stellte sich nach Kriegsende als Widerstandsbewegung dar und wurde von den Alliierten auch so eingestuft. Tatsächlich aber „hatten gerade (Bischof / JH) Wurm und die übrigen lutherischen Landesbischöfe im Hitler-Staat die „von Gott gesetzte Ordnung““erblickt und die Christen im Mai 1939 angewiesen, „sich in das völkisch-politische Aufbauwerk des Führers mit voller Hingabe einzufügen“. (Wikipedia). Schon 1933 pflegte Otto Dibelius den „begeisterten Aufblick zum eigenen Staat“ als eine „der erhabensten Empfindungen im Leben eines Mannes“.

Vergessen wir nicht: Adolf Hitler und die Nazis waren absolut demokratisch an die Macht gekommen. Das Katholische Zentrum und alle anderen bürgerlichen Parteien haben dem Ermächtigungsgesetz 1933 zugestimmt – bis auf die Sozialdemokraten und die ach so gottlosen Kommunisten. Die gehörten eher zu den Opfern der von Kirche, Adel und Bürgertum zugelassenen beziehungsweise selbstgewählten Verhältnisse. So wie Einzelpersonen – auch aus der evangelischen Kirche – wie Ludwig Steil, Paul Schneider und Dietrich Bonhoeffer, die im „Dritten Reich … einsam und alleine, ohne Kirche, ganz auf sich gestellt“ Widerstand leisteten – „und mit unglaublicher Tapferkeit für ihren Glauben starben“ (Manfred Lütz).

In den Siebzigerjahren habe ich in meinem Bekanntenkreis erfahren müssen, dass man einer im privaten Umgang sehr angenehmen Person zum Geburtstag eine Hitler-Büste geschenkt hatte. Ich nahm das nicht so ernst, weil ich mir sagte: „Das ist eine Marotte der alten Unverbesserlichen. Das stirbt aus!“ Ich hatte mich geirrt: Das nationalsozialistische Gedankengut wurde wieder virulent. Aus den so genannten „bürgerlichen Parteien“ vernehme ich heute, dass sie der AfD diese Bürgerlichkeit mit Leidenschaft absprechen – als ob diese Eigenschaft vor dem Nationalsozialismus schützen würde!

Wer diesem Irrtum weiter huldigt, wird wohl kaum in der Lage sein, aus unserer damaligen Vergangenheit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ich hoffe trotz der rechtsextremen Verwerfungen der letzten Zeit, dass unser Gemeinwesen heute dennoch stark genug ist, die Übernahme der Macht durch menschenverachtende und hasserfüllte Kräfte abzuwehren. Voraussetzung ist allerdings, dass die staatlichen Organe wie zum Beispiel Polizei und Rechtsprechung ihre Aufgaben ausnahmslos grundgesetzgetreu wahrnehmen. Und das ist keine Selbstverständlichkeit, wie uns zum Beispiel die Erfahrungen um die NSU-Affäre gezeigt haben.

Eine wiederholte Irrfahrt in den rechtsradikalen Graben wäre ohne Zweifel eines Volkes der Dichter und Denker unwürdig. Sie würde außerdem eine Behauptung Churchills bestätigen: „Die Deutschen lecken dir entweder die Stiefel oder sie springen dir an die Kehle!”

Jürgen Heemeier, 32312 Lübbecke

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www.kommunalarchiv-minden.de

( Zitiert von  hiergeblieben.de  Hervorhebung G.Thr. )

 

Siehe auch: „Die letzten Kriegswochen: Niemand hat die Absicht, Österreich zu erobern …” …,

… „Kriegsmoloch verbannen – damit von deutschem Boden nur Frieden ausgeht” …,

… Nicht zuletzt: Auf diesen toten Hanauer sollte man jetzt spätestens hören. …

 

 

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