„… Ein intellektueller Lynch Mob übernimmt die Macht. …“

 

Doch Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht, sich für die Freiheit derjenigen einzusetzen, deren Meinung man teilt. Demokratie ist ein Gut für alle und funktioniert nur, wenn es einen Austausch unterschiedlicher Meinungen geben kann.

Deshalb geht es darum zu zeigen, dass jede Form von illegaler oder demokratischer Repression zwar auf der individuellen Ebene Einschüchterung und Ungerechtigkeit bedeutet, auf der kollektiven Ebene aber Zensur. Wegen der freiwilligen mentalen Gleichschaltung von Staat und Eliten müssen wir erkennen, dass die Gefahr nicht mehr ausschließlich von einer staatlichen Zensur ausgeht. Heute entscheiden Hotelketten und Denunzianten im Geiste des Milieus darüber, wer reden darf und was. Wer da am lautesten seine Hassbotschaften verkündet, setzt das verunsicherte nochdemokratische Bürgertum am erfolgreichsten unter Druck.

Diese Zensur und die Einschränkung der Grundfreiheiten gehen dabei Hand in Hand. Ein durch Denunziation, Entrechtung und staatliche Maßnahmen geschürtes Angstklima (Razzien, Strafverfolgung, ökonomischer und emotionaler Druck) lässt widerspenstige Positionen verstummen und damit für die gutgläubigen Massen den fatalen Eindruck von Normalität entstehen. Ein intellektueller Lynch Mob übernimmt die Macht.

Nicht irgendwelche Reptilienmenschen sind am Werk, sondern vordergründig Gutmeinende, die die Unfreiheit in ihren eigenen Köpfen auf Kosten der unpolitischen Allgemeinheit ausleben. Die neuen Zensoren zensieren nicht für eine ausformulierte Herrschaft einer beliebigen Ideologie, sondern sie leben die Herrschaft als kollektives Phänomen zum eigenen Wohlgefallen. Das ist natürlich letztendlich eine Form der Dummheit, aber die ist nicht deren Schwäche, sondern Stärke: Welche Revolution sollte gegen kollektive Dummheit eine Chance haben?

 
 

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