„… Digitalisierung ist die heilige Sau, die durchs Dorf getrieben wird. …“

 

Mit einer schönen Schleife wurde dem armen Vierbeiner ein Tablet auf den Kopf gebunden, das er nun ein wenig ratlos, aber gut sichtbar den Anwesenden präsentiert. „Diese Sau ist jetzt digital“. Zufrieden wird zur Pressekonferenz eingeladen. Frau Bär, die neue Staatsministerin für Digitales, durchtrennt das Band. Pressevertreter applaudieren, „Bitkom“ veröffentlicht ein Statement, in dem von verspäteten Einsichten gefaselt wird. Das Tablet indes fällt in den Schlamm und die arme Sau ist klug wie als zuvor.

Tablet- und Augenwischerei

Digitalpolitik ist Symbolpolitik, mit der sich Politiker als zukunftsweisend, modern und am Puls der Zeit präsentieren. Das Tragische: sie kommen damit davon, weil der Rest auch keine Ahnung hat oder haben möchte, was das denn nun genau eigentlich sein soll, diese Digitalisierung. Bär forderte jüngst: „Unsere Kinder müssen programmieren lernen wie lesen und schreiben“
Tablet- bzw. Laptop-Klassen schneiden im Schnitt schlechter ab als Vergleichsklassen. Das ist ein offenes Geheimnis. Überhaupt sind Grundschulen bereits jetzt völlig überfordert. Den meisten Grundschullehrern fehlen dringend benötigte Fachkompetenzen in den Fächern, die sie ohnehin schon unterrichten. Zudem: Wer „lesen und schreiben“ sagt, sollte eigentlich auch „rechnen“ sagen. Ein Grundschüler soll nun – wenn er Migrant ist, sind Spracherwerb bzw. Sicherung der Sprachkenntnisse noch hinzuzurechnen – also idealerweise Englisch lernen und jetzt auch noch Programmieren. Aha.

Natürlich! Wer nüchtern die Probleme der deutschen Grundschulen betrachtet, kann sich keine größeren Sorgen ausmalen, als Kindern neben dem korrekten Umgang mit Schere, Füllfederhalter und Papier (idealerweise ohne Verletzungen) nun „das Programmieren“ beizubringen.

 

Zur „heiligen Digitalisierungs-Sau” hier mehr …

 

 

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