„Die vergessenen Lehren von Auschwitz …” II

 

… oder: „Die vergessenen Lehren von Auschwitz …

 

Betreff: Ihre Stellungnahme zu Äußerungen von Bischof Abromeit
Datum: Mon, 5 Aug 2019 23:54:00 +0200
Von: Martin Breidert <martin.breidert@gmx.de>
An: landesbischoefin@nordkirche.de

 

https://www.nordkirche.de/nachrichten/nachrichten-detail/nachricht/statement-der-nordkirche-klare-haltung-gegen-jede-form-von-antisemitismus/

 

Sehr geehrte Frau Bischöfin Kühnbaum-Schmidt,

es ist erschreckend, wie wenig Sie und Ihre Kirchenleitung imstande sind,  die Äußerungen Ihres Kollegen Abromeit fair zu würdigen.

Ihm geht es um die Situation der Palästinenser.  Von der wissen auch  Sie  ein wenig durch die Beziehungen zur Partnerkirche ELCJHL. Statt dessen  schreiben Sie nur gebetsmühlenartig Antisemitismus, Antisemitismus, ohne den Begriff zu definieren,  und verweisen auf den christlich-jüdischen Dialog. Damit sind Sie so unfähig wie Hannah Lehming,  Ihre Beauftragte für den christlich-jüdischen Dialog, angemessen auf den Konflikt zwischen Israel und dem seit 52 Jahren besetzten Palästina zu reagieren,  der kein religiöser ist, sondern es geht um einen  völkerrechtswidrigen Landraub,  unter dem  Christen wie Muslime gleichermaßen leiden, wie die Kairos-Palästina-Erklärung „Die Stunde der Wahrheit“ hinreichend bezeugt. Weder Hannah Lehming noch die EMOK noch sonst eine Kirche der EKD waren  bereit,  auf  diesen schon vor 10 Jahren erschienen befreiungstheologisch inspirierten Hilfeschrei zu reagieren.  Die evangelische Kirche zog und  zieht arrogant an dem am Boden Liegenden vorüber (Lukas 10, 29ff). Statt dessen  antworten Sie mit den üblichen theologischen Floskeln.

Ob es unseren evangelischen Kirchenoberen jemals gelingen wird, aus ihrem  Schneckenhaus des christlich-jüdischen  Dialogs herauszukriechen und die  beängstigende Situation der Palästinenser nicht nur wahrzunehmen, sondern sich für ihre Menschenrechte einzusetzen,  statt sich in der üblichen deutschen Selbstbezogenheit zu ergehen?

Ich  empfehle Ihnen,  nicht nur  Konsultationen mit der ELCJHL  und mit jüdischen Gesprächspartnern zu pflegen, sondern sich einmal in  dem seit 52 Jahren von Israel besetzten Palästina vor Ort umzusehen und  die  facts on the ground  sowie  die menschenrechtliche Situation für die Palästinenser zu erleben.

Nicht nur Amnesty International hat immer wieder  darüber berichtet, sondern ebenso der UN-Menschenrechtsrat, die UN- Organisation UN OCHA OPT,  Unicef und  Human Rights Watch. Sogar das sonst zurückhaltende  IKRK  kritisierte die  Missachtung des humanitären  Völkerrechts. Die Sonderberichterstatter der UNO für  die Occupied Palestinian Territory, Richard Falk und Michael Lynk,  haben  in ihren Berichten die permanente Missachtung der Menschenrechte durch Israel  angeprangert.

Die  einstimmige Res. 2334 des UN-Sicherheitsrats  vom 23.12. 2016   verurteilt die  Siedlungen  wegen Verletzung der IV. Genfer Konvention, Art. 49, als völkerrechtswidrig.  Der  Internationale Gerichtshof  äußerte am 9.7. 2004  in einem Gutachten, dass der Bau der Mauer, soweit er  sich auf palästinensischem Gebiet befindet, völkerrechtswidrig ist. Der Bundestag hatte am 1.7. 2010 in einer einstimmigen Resolution, also mit Stimmen der Fraktion der Grünen,   die sofortige Beendigung der Blockade des Gazastreifens gefordert.

Sollen all diese menschenrechtlich und völkerrechtlich skandalösen Gravamina mit dem Begriff der  „Sicherheit Israels“  und mit  dem Vorwurf des Antisemitismus beiseite  geschoben werden?  Menschenrechte und Völkerrecht scheinen die Nordkirche nicht zu interessieren. Mein verstorbener väterlicher Freund Helmut Simon hatte immer wieder  von einer „Rechtsvergessenheit im Protestantismus“ gesprochen und geschrieben. Immerhin war er Richter am Bundesverfassungsgericht und Präsident des DEKT.

Ich erlaube mir, diese Mail an viele  MitstreiterInnen zu senden, die teils noch in der Kirche sind und sich teils von ihr enttäuscht abgewandt haben.

Mit  freundlichen Grüßen

Martin  Breidert

— Dr. theol. Martin Breidert Beueler Kreuz 1  53604 Bad Honnef 02224/9118059 Martin.Breidert@gmx.de

 

Siehe auch: EKD – Treibsand anstatt Fundament(!?) –: Georg Elser war ein SS-Unterscharführer – Von Martin Niemöller, Pfarrer …,

… „Die Entmachtung der Staatsbürger war zu einem Gutteil selbst gewollt.” …,

… „Hitlers Glocke — bleibt!” …,

… „… Hat man in der Schweiz über den unsäglichen Vergleich des israelischen Erziehungsministers Rafi Peretz lesen können? Natürlich nicht, denn es wäre ja wieder «Antisemitismus», einen israelischen Minister zu kritisieren.

 

 

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