„In der Schule wird die Seele des Menschen ignoriert“

 

Der leider vollkommen richtigen Feststellung in der Überschrift folgen hier im Zeitungsartikel dann weitestgehend falsche, ja geradezu dumme bis gefährliche „Lösungsansätze“ …


FREIBURG. Der Amoklauf von Winnenden beschäftigt die Lehrer. In den Gesprächen mit ihren Schülern nach dem Amoklauf hören sie immer wieder die zentrale Frage: „Was können wir tun, damit uns keiner abdriftet?“ Zwar hoffen alle, dass sie nicht mit Katastrophen dieses Ausmaßes konfrontiert werden. Aber „es ist doch schon ein Wahnsinn, was im ganz normalen Sportunterricht passiert“, berichtet ein Lehrer: Mädchen, die plötzlich Armstulpen trügen und damit verbergen wollten, dass sie sich selbst die Haut blutig ritzen.

Für den Umgang mit derlei Verhaltensauffälligkeiten fühlen sich die Lehrer nicht ausgebildet und deshalb ist dies auch Thema von Fortbildungstagungen wie vor kurzem in Freiburg. Denn Lehrer wollen zumindest erkennen, wenn jemand in psychischer Not ist und ihn oder sie dazu bringen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Schulleiter aus Ravensburg freilich hat es schon mehrfach erlebt, dass Eltern völlig abblocken, wenn sie von den Lehrern auf die Probleme ihres Kindes angesprochen werden. „Sie wollen es nicht wissen und machen lieber einen auf heile Welt.“

„Die verachtenswerte Stigmatisierung psychischer Erkrankungen muss ein Ende haben“, forderte denn auch der ärztliche Direktor der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie an der Freiburger Uniklinik, Mathias Berger. Zumal psychosozial bedingte seelische Störungen in erschreckender Weise zunähmen. Bei den Jugendlichen seien mehr Jungen als Mädchen davon betroffen. Das beste Mittel gegen Stigmatisierung ist Wissen: Berger fand „unerträglich, dass das wichtigste Organ des Menschen in den Schulen ignoriert wird“. Über HIV und T-Helferzellen wüssten die Schüler bestens Bescheid, aber nicht über seelische Vorgänge. Auch wüssten Jugendliche viel zu wenig Bescheid, welchen Megastress Haschisch und exzessiver Alkoholkonsum in ihrer Seele anrichteten. „Und Computerspiele?“, fragte eine Lehrerin. Berger meldete schwerste Bedenken an: „Den Jugendlichen vergeht dabei die Angst, andere zu verletzen oder zu töten.“

Stecken die Jugendlichen einmal psychisch in der Klemme, vertrauen sie sich zu aller letzt Eltern, Lehrern oder gar einer Beratungsstelle an. Die 16-jährige Luise ist da eine große Ausnahme. In einer E-Mail an alle Kultusministerien hatte sie ihrer Verzweiflung freien Lauf gelassen und appellierte an die Ministerien, in den Schulen etwas für gefährdete Jugendliche zu tun. Ihre Mail hat den Anstoß gegeben, Lehrer besser auf solche Hilferufe vorzubereiten.


Artikel in: Badische Zeitung, 03.04.2009,

                von ANITA RÜFFER


…, aber – zugegeben – wieviele ausgewachsene Waldorfschul-Individualitäten gibt es bis jetzt weltweit!? – Zumindest ist die anthroposophische Menschenkunde Rudolf Steiners der richtige Ansatz, um Seelenleben auch in Schulen überhaupt entwickeln zu können.


Gunther Thriene