„Die Rechtsextremen ‚haben dazugelernt‘ …“

 

… oder: „… Der Krieg gegen Russland kann beginnen, wenn G-D sich durchsetzt. …

 

Lippische Landes-Zeitung , 11.07.2019 :

Die Rechtsextremen „haben dazugelernt“

Vortrag in der Papiermühle: Journalistin Andrea Röpke warnt vor den Strategien der völkischen Bewegung / „Organisierte Kindererziehung“ finde mittlerweile im Verborgenen statt, gefährde weiter das Kindeswohl

Kreis Lippe (an). Auf große Resonanz ist am Dienstagabend der Vortrag der Rechtsextremismus-Experten Andrea Röpke und Jan Raabe in der Berlebecker Papiermühle gestoßen. Am Ende waren sich die Anwesenden offenbar einig: „Wir müssen wachsam sein und Flagge zeigen.“

In Scharen strömen an diesem Abend Menschen in Richtung Papiermühle. An der Einfahrt zum Parkplatz steht ein Mann und hält ein Pappschild hoch: „Sichere Grenzen – Heimat und Zukunft!“ steht dort. Gerd Ulrich, der mit seiner Familie tief in der rechtsextremen Szene verwurzelt ist, hat sich hier postiert. Warum er hier steht? „Ich habe dort drinnen ja Hausverbot“, sagt er der LZ. „Und da drinnen soll gleich über mich und meine Familie hergezogen werden.“

Derweil platzt der Saal aus allen Nähten. Die beiden Referenten und Dario Schach von der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechts, die als Veranstalterin auftritt, sind etwas ratlos: So ist die Sicherheit gefährdet, 250 Zuhörer passen nicht in den Saal. „Wir können das so nicht verantworten, aber wir wiederholen die Veranstaltung.“Ein Teil der Zuhörer geht wieder, zeigt aber Verständnis.

In ihren Vorträgen werfen Journalistin Andrea Röpke und Jan Raabe, Kenner der ostwestfälisch-lippischen rechten Szene, ein Licht auf die Aktivitäten, die ihrer Meinung nach noch immer von damaligen Mitgliedern der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend organisiert werden. Röpke ist überzeugt, dass die „organisierte Kindererziehung“ mit Drill und Indoktrination im Sinne einer rassistischen, völkischen Ideologie nach wie vor weitergehe. „Aber das passiert im Verborgenen, denn die haben dazugelernt“, fügt sie hinzu.

Eine der Säulen der Bewegung sei aus ihrer Sicht der Berlebecker Gerd Ulrich. In seiner Familie werde die gefährliche Ideologie nachweislich bereits in der dritten Generation weitergegeben – Ulrichs Vater und er selbst seien bereits bei der verbotenen Wiking-Jugend aktiv gewesen, einer Nachfolgeorganisation der Hitler-Jugend. Verherrlichung des Nationalsozialismus und Intoleranz prägten deren Ideologie. Hass und Feindbilder würden ungefiltert an die eigenen Kinder weitergegeben.

Dass Lippes extrem Rechte auch Minderjährige mit zu Demos wie 2018 in Chemnitz oder in Bielefeld zur Solidaritätsdemo für die inhaftierte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck genommen haben, bezeugt auch Jan Raabe. Die beiden Referenten verstünden nicht, dass trotz der Verbotsverfügung gegen die HDJ und ihre Funktionäre anscheinend nichts gegen deren mögliche Weiterbetätigung unternommen werde. Immer wieder lieferten Szene-Eltern aus der Region ihre Kinder in Berlebeck ab, sagen beide. „Wenn nichts unternommen wird, dann fühlen sich die Rechtsextremen im Recht – das trifft dann besonders die Kinder“, so Röpke.

Ostwestfalen-Lippe mit den Externsteinen, dem Hermannsdenkmal und der Wewelsburg ziehe Rechte an, sagt Raabe: „Man kann einem Nazi bei einem Ostwestfalen-Besuch durchaus was bieten.“

Ein zweiter Veranstaltungstermin wird noch bekanntgegeben.

Fromhausen

Der Streit zwischen zwei Nachbarsfamilien auf einer Wiese bei Fromhausen, der in Handgreiflichkeiten endete („Staatsschutz ermittelt in Fromhausen“, LZ vom 6. / 7. Juli 2019, S. 9) kam während der Versammlung ebenfalls zur Sprache. Ausgerechnet auf dieser Wiese hatte 2006 das Zeltlager der 2009 verbotenen rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) stattgefunden. Auch einer der Kontrahenten, der laut Polizei bereits seit August 2006 HDJ-Mitglied war, ist auf alten Fotos von dem Zeltlager zu sehen. In einem Schreiben an die Redaktion weist der Kontrahent darauf hin, dass er kein Mitorganisator des berüchtigten Zeltlagers war.

Bildunterschrift: Referierte in Berlebeck: Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke stellte die Gefahren dar, die aus ihrer Sicht der Gesellschaft von Rechts drohen.

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Lippische Landes-Zeitung, 11.07.2019:

Rechte Bewegung in Lippe wächst

Kreis Lippe. Die Journalistin Andrea Röpke kennt die rechtsextreme Szene. Sie warnt vor der völkischen Bewegung, die auch in Lippe Anhänger habe und im Verborgenen wachse.

Seite 10

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Lippische Landes-Zeitung, 08.07.2019:

Vortrag über rechte Szene

Detmold-Berlebeck (sk).Zum Vortrag „Völkische Landnahme und rechtsextreme Gewalt“ mit Andrea Röpke und Jan Raabe laden die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus sowie „Argumente und Kultur“ ein. Beginn ist am morgigen Dienstag im Haus des Gastes „Papiermühle“ um 19 Uhr. Die Journalistin Andrea Röpke und der Autor Jan Raabe berichten über völkische Strukturen in der extremen Rechten, sowohl überregional als auch in OWL. Die Veranstalter behalten sich vor, bei Bedarf von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen.

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Lippische Landes-Zeitung, 06./07.07.2019:

Staatsschutz ermittelt in Fromhausen

Streit unter Nachbarn: Der eine wirft dem anderen gefährliche Körperverletzung vor, der andere aus dem rechtsradikalen Milieu kontert mit dem Vorwurf des versuchten Totschlags / Noch ist nicht juristisch geklärt, ob es einen politischen Hintergrund gibt

Von Marianne Schwarzer

Kreis Lippe. „Völkische Landnahme und rechtsextreme Gewalt“ – so lautet der Titel einer Vortragsveranstaltung, zu der die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus für nächste Woche nach Berlebeck einlädt. Zur Sprache kommen wird dabei auch ein aktueller Streitfall, der sich am 26. Mai auf einer Wiese im Horn-Bad Meinberger Ortsteil Fromhausen ereignet hat. Hier ermittelt der Staatsschutz.

„Nachdem es Ende Mai in Fromhausen zu einem gewalttätigen Übergriff aus dem rechten Milieu gekommen ist, hat sich eine Gruppe engagierter Bürger zusammengeschlossen“, heißt es in der Ankündigung der Beratungsstelle. Die Gruppe empfehle den Vortrag, dort könne sich jeder informieren, „wie sich rechte Strukturen in unseren Dörfern verfestigen“.

Purer Zufall: Passiert ist der Übergriff nach LZ-Informationen ausgerechnet auf jener Wiese, auf der 2006 das berüchtigte Zeltlager der 2009 verbotenen rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) stattgefunden hat. Allerdings: Ein Mitorganisator des damaligen Zeltlagers, der wegen seiner rechten Aktivitäten bekannt ist, war mit seinen drei Söhnen in die jüngste Auseinandersetzung verwickelt.

Es gibt zwei Versionen der Ereignisse: Laut seinem Anwalt Sebastian Nickel war der Eigentümer dabei, seine Wiese für den Himmelfahrtsgottesdienst vorzubereiten, als sein Nachbar ihn zur Rede stellen wollte. Doch er fuhr mit dem Mäher weiter, darauf habe der Nachbar seine Söhne geholt. Er habe sich dem Traktor in den Weg gestellt, bis sein Mandant abstieg. Weil der aber nicht habe reden wollen, soll sein Kontrahent versucht haben, von vorn die Windschutzscheibe einzutreten. „Mein Mandant hat sich bedroht gefühlt und versucht, mit der Maschine den Nachbarhof zu erreichen. Während der Fahrt ist einer der Söhne von hinten auf den Trecker gesprungen und hat angefangen, meinen Mandanten zu treten, so dass er mehrfach mit dem Kopf aufs Lenkrad geschlagen ist“, berichtet Anwalt Sebastian Nickel. Auf dem Hof sei es zu einem Wortgefecht gekommen, bei dem es kurz um einen Müll-Konflikt gegangen sei, dann aber um die Probleme, die die Familie seit Bekanntwerden ihrer rechten Aktivitäten habe. Dafür mache wohl der Nachbar den Wieseneigentümer verantwortlich.

Sofort nach dem Streit habe dieser Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gestellt. Die Polizei nahm den Fall auf und fotografierte die Verletzungen, während der Nachbar samt der Söhne bereits das Grundstück verlassen habe. Weil sie einen rechtsradikalen Hintergrund vermutete, hat die Detmolder Polizei den Fall dem Staatsschutz übergeben, bestätigte die Polizei Bielefeld gestern.

Hendrik Schnelle, Anwalt des Kontrahenten, hat eine komplett andere Version der Ereignisse: „Dies ist ein Streit unter Nachbarn, das hat keinerlei politischen Hintergrund.“ Sein Mandant habe Strafanzeige wegen versuchten Totschlags gestellt, weil der Wiesenbesitzer versucht habe, ihn zu überfahren. In seiner Aussage, die der LZ vorliegt, heißt es, er habe versucht, dem Traktor auszuweichen, bis er nur noch habe hinaufklettern können, weil der Fahrer die Geschwindigkeit nicht gedrosselt habe und das Häckselwerk lief. „Er fuhr Hals über Kopf wie von Sinnen mit mir über die holprige nicht gemähte Wiese.“ Sein Sohn habe versucht, ihm zu helfen und später abspringen können.

Nickel sieht den Vorwurf des versuchten Totschlags entspannt: „Das ist die Masche von Rechten, sich als Opfer darzustellen.“ Laut Polizei dauern die Ermittlungen an, ob zum Gerichtsverfahren kommt, ist unklar.

Der Vortrag

Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke stellt am Dienstag ab 19 Uhr im Berlebecker Haus des Gastes ihr Buch „Völkische Landnahme“ vor. Sie berichtet, dass die Akteure nach dem Verbot der Heimattreuen Deutschen Jugend weitermachen und ihre Kinder entsprechend erziehen. Autor Jan Raabe aus Bielefeld gibt Einblicke in die regionale Szene und ihre Aktivitäten.

Bildunterschrift: Ort des Geschehens: Auf genau dieser Wiese, auf dem im Jahr 2006 das Lager der Heimattreuen Deutschen Jugend stattgefunden hat, soll sich im Mai dieses Jahres die Auseinandersetzung zwischen Grundstücksnachbarn ereignet haben.

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– Dienstag, 9. Juli 2019 um 19.00 Uhr –

Vorträge: Völkische Landnahme und neonazistische Gewalt – „Heimattreue Deutsche Jugend“

Veranstaltungsort:

Haus des Gastes Berlebeck
„Papiermühle“
Paderborner Straße 165
32760 Detmold

www.papiermuehle-berlebeck.de

Im ersten Teil der Veranstaltung wird die Journalistin Andrea Röpke aus ihrem neuen Buch „Völkische Landnahme: Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ vortragen. Im zweiten Teil liefert der Autor Jan Raabe Einblicke in die regionale Szene und ihre Aktivitäten.

Ende Mai 2019 erschien das Buch „Völkische Landnahme: Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ der Fachjournalistin Andrea Röpke und des Fachjournalisten Andreas Speit. Diese arbeiten in ihrem Werk die Bedeutung der „nationalen Graswurzelarbeit“ völkischer Großfamilien für die extreme Rechte in Deutschland heraus. Sie analysieren die überkommenen Geschlechterbilder, die autoritären Erziehungsmuster und die gegen die Demokratie gerichteten Positionen in der extremen Rechten. Die Akteurinnen und Akteure dieses Milieus sind seit Generationen in der neonazistischen Szene aktiv und widmen sich der Hintergrundarbeit: Der „Weltanschauungsschulung“, der Kindererziehung und der Kulturarbeit. Im Schatten des positiv besetzen Begriffs „Ökologie“ breiten sich diese Strukturen von der Öffentlichkeit wenig beachtet aus. Dabei bilden sie das ideologische und organisatorische Rückgrat der organisierten Szene zwischen NPD und militantem Neonazismus.

„Heimattreue Deutsche Jugend“

2009 wurde die „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) in der ideologischen Nachfolge der Hitler-Jugend verboten. Die Aktivistinnen und Aktivisten erzogen nicht nur Kinder im Sinne des Nationalsozialismus, sondern waren auch in Waffenhandel und andere Straftaten verwickelt. Die Einheit „Hermannsland“ der HDJ in Lippe war eine der aktivsten Gruppen in ganz Deutschland. Dieser Personenkreis macht auch nach dem Verbot weiter. Ohne Namen aber mit ungebremster Aktivität.

Fast jedes Wochenende finden Treffen mit den Kindern der ostwestfälischen Neonazi-Szene statt. Als Organisation im Hintergrund dient dabei die „Artgemeinschaft“, eine neofaschistische / germanophile Religionsgemeinschaft.

Das Buch:

Andrea Röpke, Andreas Speit:
„Völkische Landnahme: Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“
Ch. Links Verlag
ISBN: 978-3-86153-086-5
2018 Seiten
18,00 Euro

Ausschlussklausel:

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Eine Veranstaltung von „Argumente und Kultur gegen rechts e.V.“ und „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold“.

www.argumente-und-kultur.org

www.mobile-beratung-owl.de

( Alles zitiert von  hiergeblieben.de  )

 

 

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