„Die Menschen ließen sich damals allzu willig auf die Heilsversprechen des Regimes ein.“

 

Deister- und Weserzeitung , 08.02.2018 :

Informationen zum Bückeberg

Historiker erläutert Planungen

Hameln / Hagenohsen. Der Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte lädt zu einer Führung über das frühere Gelände der nationalsozialistischen Reichserntedankfeste am Bückeberg bei Hagenohsen sowie zu einer Informationsveranstaltung zum selben Thema in die Hamelner Sumpfblume ein.

Der Historiker Bernhard Gelderblom wird am heutigen Freitag, 9. Februar, ab 16 Uhr, vor Ort die Hintergründe, den Ablauf, die Inhalte und die Ziele der Propagandaveranstaltungen in den 1930er Jahren ansprechen.

Anschließend will er den Gestaltungsentwurf für einen „Dokumentations- und Lernort Bückeberg“ der Arbeitsgemeinschaft Jung / Ermisch / Kerck erläutern, der auf dem Gelände realisiert werden soll. Diese Pläne werden im Raum Emmerthal kontrovers diskutiert. Treffpunkt für den Rundgang ist der Parkplatz des Friedhofs am nördlichen Ortseingang von Hagenohsen (Gehrkuhlenweg). Der Organisator bittet, auf festes und wasserdichtes Schuhwerk sowie warme Kleidung zu achten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Am Montag, 12. Februar, ab 20 Uhr, referiert Gelderblom in der Sumpfblume über den Bückeberg und den Gestaltungsplan. Die Reichserntedankfeste gehörten zu den größten Massenkundgebungen des Nazi-Regimes, erinnert Gelderblom. Sie sollten auf Treue zum „Führer“ einschwören und auch auf den Krieg vorbereiten. Gelderblom: „Die Menschen ließen sich damals allzu willig auf die Heilsversprechen des Regimes ein.“

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Deister- und Weserzeitung, 06.02.2018:

Lernort mit Potenzial

Fachlehrer fordern didaktische Erschließung des Bückebergs

Von Philipp Killmann

Hameln-Pyrmont. Das Projekt für eine Dokumentationsstätte zu den Reichserntedankfesten der Nationalsozialisten am Bückeberg bekommt Rückendeckung: Zahlreiche Fachgruppen des Unterrichtsfachs „Geschichte“ von Schulen im Landkreis Hameln-Pyrmont und Schaumburg sprechen sich in einer gemeinsamen Erklärung für die Doku-Stätte aus. Sie fordern eine didaktische Erschließung des ehemaligen Festplatzes als Lernort. Der Bückeberg habe „das Potenzial, der wichtigste Lernort zum Thema Nationalsozialismus in der Region“ zu werden, heißt es in der Erklärung, welche die Lehrer an Mitglieder des Kreistages, die Gemeinde Emmerthal und die Dewezet verschickt haben. Am Bückeberg ließen sich mehrere Elemente der NS-Ideologie und ihrer Wirkungsweise veranschaulichen:

Die rassistische „Volksgemeinschaft“, die vor Ort inszeniert wurde, damit das Volk an sie glauben konnte und die von Anfang an Menschen ausschloss.

Das faschistische „Führerprinzip“ mit seiner charismatischen Herrschaft – Adolf Hitlers Bad in der Menge war Höhepunkt des Festes.

Die expansionistische „Blut und Boden“-Theorie – der Bauernstand als tragende Säule der NS-Herrschaft und der „Kampf um Lebensraum“ als außenpolitische Agenda.

Der Antiindividualismus und Antiliberalismus – der Einzelne verschwindet in der Masse: „Du bist nichts, dein Volk ist alles.“

Die manipulative Propaganda im autoritären Staat, vor Ort und in den Medien

Der Militarismus in Form von paramilitärischen Aufmärschen und kriegsinszenierenden Vorführungen der Reichswehr / Wehrmacht.

Die meisten dieser Aspekte ließen sich in Niedersachsen ausschließlich am Bückeberg erschließen, schreiben die Geschichtslehrer. Gedenkstätten, wie etwa an einstigen Konzentrationslagern, seien dafür nicht geeignet. Die KZs zeigten zwar eindrucksvoll, zu welchen Verbrechen der Nationalsozialismus imstande war, „liefern jedoch kein Verständnis dafür, warum so viele Menschen vom NS begeistert waren und ihm bis in den Untergang hinein folgten“.

Die Lehrer weisen darauf hin, dass die Menschen auch heute „anfällig für Lügen, Hetze und Menschenfeindschaft“ seien. „Die Geschichte der Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg kann für die zeitlose Verführbarkeit sensibilisieren, die aus dem Zusammenspiel von Gemeinschaftsbeschwörung, Überlegenheitsgefühl und Aggressivität hervorging“, heißt es in der Erklärung.

„Da erschreckend wenige Schülerinnen und Schüler von der Bedeutung des Bückeberges in der Zeit des NS wissen und der Ort im heutigen Zustand auch keinerlei Informationen hierzu liefert, fordern wir die didaktische Erschließung des ehemaligen Festplatzes als Lernort“, erklären die Lehrer. „Wir sind davon überzeugt, dass er einen wertvollen Beitrag für den Erhalt unserer Demokratie liefert und erinnern an die Worte des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985: „Wir Älteren schulden der Jugend nicht die Erfüllung von Träumen, sondern Aufrichtigkeit. Wir müssen den Jüngeren helfen zu verstehen, warum es lebenswichtig ist, die Erinnerung wachzuhalten. ( … ) Es gibt keine endgültig errungene moralische Vollkommenheit – für niemanden und kein Land! Wir haben als Menschen gelernt, wir bleiben als Menschen gefährdet. ( … ) Die Bitte an die jungen Menschen lautet: Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass.““

Hinter der Erklärung stehen die Fachgruppen Geschichte der Handelslehranstalt, der Eugen-Reintjes-Schule, des Viktoria-Luise-, Schiller- und Albert-Einstein-Gymnasiums, der Elisabeth-Selbert-Schule und der Integrierten Gesamtschule in Hameln, des Humboldt-Gymnasiums in Bad Pyrmont, des Gymnasiums Ernestinum in Rinteln, des Studienseminars Hameln für das Lehramt an Gymnasien sowie die Leitung und das Kollegium des Studienseminars Hameln für das Lehramt an Gymnasien.

Bildunterschrift: Reichserntedankfest auf dem Bückeberg.

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(Alles zitiert von  hiergeblieben.de  Hervorhebung G.Thr.)

 

 

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