Deutsch und deutlich: „… wie Kriege gemacht werden“

 

… Siegmund Freuds Irrtum

«Warum Krieg?» Die Suche nach der Ursache für Krieg und Gewalt dürfte so alt sein wie der Krieg selbst; sie ist Ausdruck der menschlichen Sehnsucht nach Frieden. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Kulturgeschichte der Menschheit und mündet, wo immer Menschen nach der Ursache für Krieg suchen, in die Frage nach der sittlichen Natur des Menschen: Ist der «Naturstand» des Menschen tatsächlich der Zustand des Krieges? Oder bildeten nicht die «gegenseitige Hilfe» und ein Gefühl für «Gerechtigkeit und Sittlichkeit» schon bei unseren frühen Vorfahren die Grundlage ihres Zusammenlebens?
Im letzten Jahrhundert wurde die Diskussion über die Frage: «Warum Krieg?» stark von der Annahme eines Aggressionstriebs beeinflusst, den Siegmund Freud (1856–1939) 1920 unter dem Eindruck des massenhaften Abschlachtens im Ersten Weltkrieg erfunden hat.
Als Albert Einstein (1879–1955) Siegmund Freud auf Anregung des Völkerbundes 1932 in einem Brief fragt, ob es einen Weg gebe, «die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien», antwortet Freud, der von der «Lust an der Aggression und Destruktion» als einer im Menschen triebhaft verankerten Konstante überzeugt war: Es habe keine Aussicht, «die aggressiven Neigungen des Menschen» abschaffen zu wollen. Interessenkonflikte unter den Menschen würden «prinzipiell durch die Anwendung von Gewalt» entschieden. Ausserdem befriedige «die Tötung des Feindes eine triebhafte Neigung». Seine Antwort mündet in dem denkwürdigen Satz: «Warum empören wir uns so sehr gegen den Krieg, Sie und ich und so viele andere, warum nehmen wir ihn nicht hin wie eine andere der vielen peinlichen Notlagen des Lebens? Er scheint doch naturgemäss, biologisch wohl begründet, praktisch kaum vermeidbar.»
Obwohl Freuds Konstruktion des Aggressionstriebes von Anfang an umstritten war und heute längst widerlegt ist, wirkt sie bis in unsere Gegenwart hinein. Sie hat sich im Denken und in der Sprache niedergeschlagen und lenkt die dringend notwendige Auseinandersetzung über die Frage von Krieg und Gewalt auf ein falsches Gleis.

Gegenseitige Hilfe ist der Kampf ums Dasein

Freuds Annahme, der Krieg sei biologisch begründet, war ein fataler Irrtum. Weder der Krieg noch häusliche Formen von Gewalt entsprechen irgendeiner biologischen Notwendigkeit. Sie sind nicht in den Genen verankert. Das menschliche Leben wird nicht von Aggression bestimmt.

 

 

© 2018, ICH-Biographieberatung. All rights reserved.


 
 
 

Die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag wurde deaktiviert.