Der Sohn – Rommel d.J. – war ein ganz lieber Stuagarder Oborbirgermoischdr, oder …

 

Lippische Landes-Zeitung , 12.06.2019 :

Namensstreit flammt wieder auf

Tag der Bundeswehr: Erneut werden Forderungen laut, den Namen der Kaserne zu ändern / „Rommel taugt nicht als Vorbild“, meint die Deutsche Friedensgesellschaft / Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen

Von Martin Hostert

Augustdorf. Am kommenden Samstag ist – wie alle zwei Jahre – Augustdorfer „Tag der Bundeswehr“. Ebenso regelmäßig fordern unterschiedliche Gruppen, die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne umzubenennen.

„Rommel als Namensgeber endlich abschaffen“ heißt es aktuell in einer Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft / Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen (DFG-VK), Regionalgruppe Ostwestfalen-Lippe. Dies hatten etwa 2014 auch die Linke-Fraktion im Bundestag sowie die „Lippische Friedensinitiative“ gefordert, im August 2018 die Grünen im Bundestag.

Das Bundesverteidigungsministerium solle seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden, schreiben Irmgard Pehle und Rolf Reinert von der DFG-VK. Dieses habe vergangenes Jahr in seinem Traditionserlass formuliert, für die Streitkräfte eines demokratischen Rechtsstaates sei die Wehrmacht als Institution „nicht traditionswürdig.“ Eines sei unter Historikern allerdings inzwischen unbestritten: „Generalfeldmarschall Rommel gilt allgemein als Repräsentant eines verbrecherischen Regimes, wird oft sogar als Kriegsverbrecher betrachtet.“ Seine mögliche Mitwisserschaft an dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 tauge nicht als Ausnahme. Weder sei sie Beweis für eine Abkehr vom Nazi-Regime, noch sei ein Bewusstseinswandel hin zu einer demokratischen Gesellschaft „auch nur im Ansatz“ bekannt.

Dass Rommel nicht als Vorbild tauge, belege die Geschichtswerkstatt Heidenheim, dem Geburtsort Rommels, an Hand zahlreicher Beispiele. So habe Rommel beim Angriffskrieg gegen Frankreich 1940 befohlen, Häuser anzuzünden, um einen „Rauchschleier“ für den geplanten Übergang über die Maas zu erhalten. „Ein anderes Mal mussten seine Soldaten weiße Fahnen schwenken, um unbeschadet die feindliche Linie zu durchfahren. Anschließend ließ er die getäuschten Gegner skrupellos erschießen.“

Neuere Dokumente der Geschichtswerkstatt legten nahe, dass im Norden von Afrika noch heute hunderttausende von Tellerminen im Wüsten-Boden vergraben liegen – Rommel habe die von ihm selbst „Teufelsgärten“ genannten Minenfelder anlegen lassen: „Vermutlich zehntausende Ägypter haben, teils lange nach dem Krieg, durch die explosiven Hinterlassenschaften ihr Leben verloren – oder sind verstümmelt worden.“

Mitglied der NSDAP war Rommel nie, betonen Irmgard Pehle und Rolf Reinert: „Allerdings war er eben auch alles andere als ein Widerstandskämpfer“ widersprechen sie Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. „Auch hier sind sich inzwischen alle Historiker einig: Erwin Rommel hatte mit dem Widerstand gegen das nationalsozialistische Verbrecherregime nichts zu tun“, schreibt die DFG-VK und fasst zusammen. „Wir sind der Meinung: Der Name „Bundeswehrkaserne Augustdorf“ reicht.“

Ministerin bleibt bei ihrer Ansicht

An den Aussagen der Ministerin zu Forderungen, den Namen „Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne“ abzuschaffen, habe sich gegenüber 2017 nichts geändert, sagte Heeres-Sprecherin Hauptmann Claudia Birkholz gestern. Die Soldaten und die Standortgemeinde hätten angesichts der Geschichte beschlossen, die Kaserne nicht umzubenennen. Diese sei am 20. Juli, 1961 – einem Jahrestag des Widerstands – so benannt worden. „Dies zeigt, dass Rommel seine Rolle im Widerstand gehabt hat“, hatte Ministerin Ursula von der Leyen vor zwei Jahren bei ihrem Besuch in Augustdorf betont. (mah)

Bildunterschrift: Seit langem umstritten: Der Name der Bundeswehr-Kaserne in Augustdorf.

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Lippische Landes-Zeitung, 12.05.2014:

„Mythos Rommel“ steht zur Debatte

Initiative kritisiert Kasernen-Namen

Detmold / Augustdorf. Um Erwin Rommel und die Frage einer Umbenennung der Augustdorfer Kaserne ist es in der Stadthalle bei einer Veranstaltung der Lippischen Friedensinitiative gegangen. Sie hatte zur Klärung und Diskussion Dr. Wolfang Proske zum Vortrag geladen.

Der Diplom-Sozialwissenschaftler und Geschichtslehrer beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dem Feldmarschall Erwin Rommel.

„Was ich Ihnen heute erzähle, beruht zum größten Teil auf Quellen, die erst seit wenigen Jahren zugänglich sind“, betonte Proske. Sie würden ein anderes Bild, als das des tapferen „Wüstenfuchses“ zeigen. „Rommel sollte zur Gallionsfigur des Holocaust an den Juden in Nordafrika werden“, erläuterte Proske. Nur die Niederlage des Deutschen Afrikakorps 1943 habe das verhindert. Danach habe er sich Kriegsverbrechen schuldig gemacht, als er den „Gesindel-Befehl“ erließ, der eine brutale Behandlung italienischer Soldaten und deren Deportation zur Zwangsarbeit nach Deutschland anordnete. Den Befehl erließ Rommel laut Proske im August 1943 als Reaktion auf den plötzlichen Kriegsaustritts Italiens, das vorher mit Deutschland verbündet war.

Dennoch werde Rommel heute immer noch als „der Gute“ unter den Persönlichkeiten des Dritten Reiches angesehen. „Das liegt vor allem an seinen Anhängern, die nach dem Krieg alles versucht haben, um die Figur Rommel als Mythos aufzubauen“, erklärte Proske. Dadurch sei das Bild des „unpolitischen Soldaten Rommel“ aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges transferiert worden. So sei auch die Legende entstanden, Rommel habe sich am Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 beteiligt oder sei zumindest in großen Umfang darüber informiert gewesen.

„Dafür gibt es keinen Beweis“, stellte Proske heraus. Vielmehr habe sich Rommel bis zu seinem erzwungenen Selbstmord Hitler gegenüber als treu ergeben gezeigt. „Ich habe daher auch keine hohe Meinung von ihm“, formulierte Proske seine persönliche Haltung zu Erwin Rommel in der Stadthalle. „Er hat sich vom Regime bereitwillig instrumentalisieren lassen.“

Der Vortrag Proskes ging in eine Diskussion über, ob unter diesen Gesichtspunkten der Name der Augustdorfer Kaserne beibehalten werden kann. Alle Anwesenden äußerten sich sehr skeptisch und kritisierten unter dem Eindruck der Äußerungen Proskes die Namensgebung der Bundeswehrkaserne, die den Namen des Feldmarschalls seit 1961 trägt. „Man muss sich vor Augen halten, was er für eine Rolle spielte“, erläuterte Anne Kraschinski von der Friedensinitiative. „Er war ein aggressiver Heerführer.“

Bildunterschrift: Referat über Rommel: Dr. Wolfgang Proske.

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Am 10. Juni 2017 sagte Ursula von der Leyen in der „Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne“ Augustdorf, dass die Kaserne ihren Namen behalten werde, da „Rommel seine Rolle im Widerstand auch gehabt hat“.

( Alles zitiert von  hiergeblieben.de  )

 

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