„… Der österreichisch-belgische Auschwitz-Überlebende Jean Améry stellte 1960 die These auf, dass die richtige Haltung der Deutschen nach dem Holocaust ein „Selbstmisstrauen“ sei. …“

 

Meines Erachtens ist Amérys Warnung heute wichtiger denn je, gerade weil Deutschland im Bereich der Vergangenheitsaufarbeitung so viel erreicht hat. Deutschland sollte zur Praxis des „Selbstmisstrauens“ zurückkehren, anstatt sich als Schiedsrichter des Antisemitismus und kritikloser Verteidiger der israelischen Politik zu positionieren. Es könnte die Gespenster des Vergleichs willkommen heißen und sich aus dem Blickwinkel der Multidirektionalität mit ihnen auseinandersetzen.

 

Seien wir sicher: Weltpolitisch ist zur Zeit ‚Armdrücken’ oder ‚Fingerhakeln’ angesagt mit Mächten, die schwarzmagisch wissen, wie man kollektive Geschichtserfahrungen innert kürzester Zeit vollkommen löscht, ausradiert

 

G.Thr.

 

Siehe auch – Achille Mbembe: „Leben in den Mythen anderer: Brief an die Deutschen”:

Meine ersten akademischen Arbeiten handelten von diesem Versuch, Vergessen herzustellen.
Diese Erfahrung des Ausradierens des Gedächtnisses der Besiegten hat eine wichtige Rolle in meinen Überlegungen zur Erinnerungspolitik und meinen Analysen des postkolonialen Staates und zeitgenössischer Erscheinungsformen der Tyrannei gespielt. Erst nach und nach begriff ich, dass dies keinesfalls ein Alleinstellungsmerkmal afrikanischer Machthaber war. …,

„Was haben Bildungsreformen mit kultureller Hegemonie zu tun?“ … u.a. …

 
 

© 2020, ICH-Biographieberatung. All rights reserved.


 
 
 

Die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag wurde deaktiviert.