„… dass nämlich die Menschen ihr Unglücklichsein nicht als Geistesstörung begreifen, sondern als Gestörtheit des ökonomischen und politischen Systems. …“

 

… Kapitalismus im Glück

Das herrschende Wirtschaftssystem kann Unglücklichsein nicht dulden. Die Ausmerzung dieses Zustands gehört deshalb zur systemerhaltenden Aufgabe. Mit der Bewirtschaftung des Glücks absorbiert der Kapitalismus gleich auch die Kritik an ihm. Im Kern haben wir es also mit einem fundamentalen Problem zu tun. Für nicht wenige Verfechter des politökonomischen Status quo sind alle entscheidenden Fragen bereits beantwortet. Ihre Logik: Wenn die herrschende Form des Kapitalismus den Bedürfnissen vieler Menschen nicht entspricht, dann muss man diese Menschen halt ändern, damit sie den Bedürfnissen dieses Kapitalismus entsprechen.

Man fühlt sich an Herbert Marcuses „eindimensionalen Menschen“ erinnert. Diese Eindimensionalität hat sich nunmehr verfestigt zum Axiom: Es gibt kein anderes System – there is no alternative. Unablässig beten Wirtschaftsleute und Politiker dieses Axiom wie einen Gegenzauber herunter, der sie vor dem schützt, was sie am meisten fürchten: dass nämlich die Menschen ihr Unglücklichsein nicht als Geistesstörung begreifen, sondern als Gestörtheit des ökonomischen und politischen Systems. Unter dem Glücksimperativ – sei er kapitalistisch oder wie auch immer geartet – missglückt uns jedenfalls das Leben.

[1]    http://www.sciencealert.com/the-world-happiness-index-2016-just-ranked-the-happiest-countries-on-earth

 

Siehe auch: „… Ein System, das seine Staaten bei lebendigem Leib auffrisst. …” — Wenn es nur nur Staaten wären, werter Herr Gellermann: „… Und die, schlimmer noch, ihre eigenen Kinder fressen, die sie in den Konsum treiben, um daraus noch mehr Profit zu ziehen. …

 

 

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