„… Dass die CDU dem Antrag der AfD folge, habe ihn ‚zutiefst erschreckt‘. Bartels: ‚Wer folgt da wem?’…“

 

… oder: Die Anti-Christen zeigen ihr wahres Gesicht …

 

Deister- und Weserzeitung, 24./25.02.2018:

Schatten der Vergangenheit, Schatten der Gegenwart

Von Christian Branahl

Emmerthal / Hameln. Der Schock sitzt tief – aber wie sollen die Experten umgehen mit der Mehrheitsentscheidung des Emmerthaler Rates, auf Distanz zu den Bückeberg-Plänen zu gehen? Ausgerechnet die rechtspopulistische AfD fährt den Triumph ein, mit Stimmen der CDU und Wählergemeinschaft eine Bürgerbefragung durchzusetzen. Das Symposium einen Tag später in Hameln kann der Entwicklung zunächst nichts außer Fassungslosigkeit entgegensetzen. Hinzu kommt die unerwartete Schärfe am Mittwoch, als bei der NDR-Streitsendung die Kritiker ihrem Ärger Luft machten. Von einem „Dammbruch“ spricht gestern Landrat Tjark Bartels. Natürlich weiß er, dass jeder Widerspruch von ihm Wasser auf die Mühlen derer ist, die einen Dokumentations- und Lernort nach den vorliegenden Plänen ablehnen. Dennoch distanziert sich der Landrat deutlich. Dass die CDU dem Antrag der AfD folge, habe ihn „zutiefst erschreckt“. Bartels: „Wer folgt da wem?“

Von den Kritikern sind gestern wenige mit dabei. Immerhin informiert sich Emmerthals AfD-Ratsfrau Delia Klages beim Symposium, ebenso nahm sie kürzlich bei einer Führung auf dem Bückeberg teil. Dennoch beschleicht manchen Beteiligten ein merkwürdiges Gefühl, dass Klages, die mit AfD-Rechtsaußen Björn Höcke („Denkmal der Schande“, so seine Meinung über das Holocaust-Mahnmal) auf Bildern posiert, sich mit ihrem Antrag zur Bürgerbefragung zum Vorreiter der Demokratie-Bewegung machen will. Vor der AfD warnt gestern auch Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen. Dass deren Politiker erklären, für die Bürger zu sprechen, „dürfen wir nicht hinnehmen“.

Der Hamelner Sinto Horst Rosenberg von der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma erinnert daran, dass es heute im Landkreis noch Holocaust-Überlebende gebe, Sinti, denen sich der Bückeberg als „Hitler-Berg“ und Hameln als „böse“ Stadt ins Gedächtnis eingebrannt hat. In Anbetracht dessen sowie mit Blick auf die Entwicklung mit der AfD mahnte er, dass „Orte wie der Bückeberg nicht in Vergessenheit geraten dürfen“.

Der Landrat bezieht sich ein weiteres Mal auf die Entscheidung und die Diskussion im Rat. Ohne Ernst Nitschke von der FWE namentlich zu nennen, geht Bartels auf dessen Äußerungen in Emmerthal ein. Nitschke hatte dabei die Reichserntedankfeste nahezu verklärt, kaum vor dem Hintergrund der NS-Propaganda gesehen. Bartels: „Wegen solcher Sätze ist es umso wichtiger, dass ein Dokumentations- und Lernort entsteht.“

Dr. Jens-Christian Wagner musste als Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten schon in vielen Orten für Projekte werben – bei der NDR-Diskussion in Emmerthal stieß er aber auf ungewohnte Schroffheit. „So eine aufgeheizte Stimmung habe ich bislang noch nicht erlebt“ – nach der Aufzeichnung der Sendung ergriff die Gemeinde vorsichtshalber Maßnahmen, um für Wagners Sicherheit zu sorgen.

Bildunterschrift: Der Bückeberg ist längst kein lokales Thema mehr: Der NDR filmt bei der Ratssitzung in Emmerthal.

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Deister- und Weserzeitung, 24./25.02.2018:

„Weggerissen, desillusioniert, zerstört“

„Erinnerungskultur Bückeberg“: Experten und Einwohner diskutieren auf Augenhöhe

Von Philipp Killmann

Hameln-Pyrmont. Das Fachforum „Erinnerungskultur Bückeberg“ gestern im Alten Hallenbad hat den Teilnehmern offenbar einiges abverlangt. Zumindest wohnte am Abend von den zunächst gut 120 Besuchern nur noch etwa die Hälfte der abschließenden Podiumsdiskussion bei. Dies war womöglich dem strammen Programm geschuldet.

Zum Zeitpunkt der Podiumsdiskussion hatten die verbliebenen Teilnehmer schon mehrere längere Vorträge hinter sich (siehe unten). Auch hatten sie sich unter fachlicher Begleitung bereits in vier Diskussionsforen mit NS-Dokumentationsstätten als Lernort und deren Wirkung, Politik der Ausgrenzung sowie mit der Reichsbauernstadt Goslar auseinandergesetzt. In der Podiumsdiskussion wurde die Problematik, mit denen sich die Befürworter der geplanten Doku-Stätte am Bückeberg konfrontiert sehen, noch einmal deutlich.

Ob die Hamelner Diskussion um das Projekt etwa eine ganz „eigene Dynamik“ habe, wollte Moderator Frank Werner, der ehemalige Dewezet-Chefredakteur und heutige Chefredakteur des Geschichtsmagazins der „Zeit“, wissen. Dr. Jens-Christian Wagner, der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, sprach von einer „diffusen Gemengelage“, die sich aus einer Zunahme von „Populismus, einer Renaissance des Nationalismus, Schuldabwehr und einem Generationenbruch“ zusammensetze. Besorgt stelle er allgemein ein „nachlassendes Bewusstsein“ über die Bedeutung der Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen fest. Konkreter wurde Bernhard Gelderblom. Er glaube, dass der Hass, den er zu spüren bekomme, daher rühre, dass er „den Emmerthalern ihr Fest“, das „schon in der Erinnerung eingeschlossen“ gewesen sei, „weggerissen, desillusioniert, zerstört“ habe. Nahezu geschlossen verblüfft zeigte sich die Diskussionsrunde über das Ausmaß des Widerstands, auf den das Projekt insbesondere seit dem Herbst letzten Jahres stößt.

Aber sei es klug, weiter auf Konfrontation zu setzen, anstatt vielleicht eine Runde extra zu drehen, um doch noch einen Konsens zu finden?, fragte Frank Werner in die Runde. „Es ist keine Bereitschaft zum Gespräch, kein Wille zum Konsens da“, antwortete Bernhard Gelderblom. Tatsächlich fand sich bei dieser Veranstaltung so gut wie keiner derjenigen, die sich bislang am lautesten gegen das Projekt ausgesprochen hatten.

Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann versuchte sich in Selbstkritik: „Vielleicht hätte man sich mehr beeilen und vor Ort mehr diskutieren müssen, als der Bückeberg gerade (2011; Anm. d. Red.) unter Denkmalschutz gestellt wurde.“

Das letzte Wort hat am 13. März der Kreistag. Doch keine 10 der insgesamt 51 Kreistagspolitiker waren gestern beim Fachforum anzutreffen.

Bildunterschrift: Frank Werner (v.li.), Chefredakteur von Zeit-Geschichte, moderiert die Podiumsdiskussion im Alten Hallenbad mit Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann, Landrat Tjark Bartels, Jens-Christian Wagner von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Kirsten John-Stucke vom Kreismuseum Wewelsburg, Wissenschaftlerin Martina Jung und der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom.

(Hervorhebung G.Thr.)

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www.dokumentation-bueckeberg.de

www.geschichte-hameln.de

www.initiativegedenkortbueckeberg.wordpress.com

„Volk ohne Raum”      „Blut und Boden”

 

Das ist vergangen, Geschichte!? — Träumt weiter !!!   G.Thr.

Zu „Heimat” hier mehr …

 
 
 

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