„… dass da nichts anderes passiert als die Exhibition gewalttätiger Machtausübung.“

 

Der britische Aussenminister Boris Johnson erklärte: «Alle Beweise, die ich gesehen habe, weisen auf die Verantwortung des Assad-Regimes hin für diesen grauenhaften Angriff, bei dem Kinder getötet wurden.» Es gab aber keine Beweise, und es gibt sie bis heute nicht.

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula Von der Leyen stellte sich im Talk bei Anne Will (ARD 9.4.2017) in atlantischer Treue hinter ihren NATO-Partner Donald Trump und lobte seine Tomahawk-Schläge als notwendigen «Warnschuss», um Assad für seine Gräuel zu strafen. Sie musste dann von Talk-Gast Jan van Aken, einem Bundestagsabgeordnetem der Linken, darauf hingewiesen werden, dass Trumps Raketenangriff eine völkerrechtswidrige Aggression war, und dass es keinen Beweis für die Täterschaft Assads gebe. Van Aken war von 2004 bis 2006 Biowaffeninspektor für die Vereinten Nationen.

In der Sonntagszeitung hiess es im Tonfall höchsten Jubilierens, Trump habe sich nun «auf das Völkerrecht berufen» und «eine rote Linie in den syrischen Wüstensand gezeichnet». Er habe sich damit dem «kategorial Bösen eines Angriffs mit chemischen Waffen auf Zivilisten, Frauen und Kinder» widersetzt. Die Luftschläge hätten in europäischen Hauptstädten ein Gefühl der Erleichterung ausgelöst (9.4.2017)

»Es muss endlich etwas geschehen!»

Das will heissen: Alle hatten das Gefühl, man müsse jetzt endlich «etwas tun», und Donald Trump war derjenige, der endlich «etwas getan hat». Die Warnschüsse für ein paar hundert Millionen Dollar, mit denen der amerikanische Präsident sich nun innenpolitisch und aussenpolitisch Luft macht, erinnern ein wenig an die Ersatzhandlungen des George W.Bush, der nach 9/11 erst Afghanistan und dann den Irak angriff.

Und auch die Bilder des Zerstörers USS Ross sind ein Déjà vu: Wie das Deck des Missile Cruisers hell aufleuchtet, wenn die Tomahawks in die Nacht fliegen. Das ist das Bild, das in der vergangenen Woche in keinem Medium fehlte, das gleiche Bild wie beim Angriff auf den Irak im März 2003. Ein Angriff, der auf den Namen «Skock an Awe» getauft wurde und von dem Verteidigungsminister Donald Rumsfeld angekündigt hatte: «Was da kommt, wird in Stärke, Umfang und Grössenordnung alles bisher Gesehene hinter sich lassen.»

Es klang damals wie die Werbung für ein neues Video-Game, und die Bilder waren damals wie heute auf dem Niveau der besten Video-Kriegsspiele. Da ist wieder die faszinierende Ästhetik moderner Kriegswaffen, die aus allen Tagesschauen dieser Welt in die Wohnstuben flimmert. Eine Ästhetik, die alle Zusammenhänge kaschiert und die Vorgänge zu einem Event auf einem flachen Bildschirm reduziert. Eine Ästhetik, die uns vergessen lässt, dass da nichts anderes passiert als die Exhibition gewalttätiger Machtausübung.

 
 

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