„… Das christliche Fundament ist morsch. …“

 

… oder: Nicht das christliche Fundament ist morsch, sondern das röm.-katholische und das evangelikale, wie schon Henry Dunant wusste (und der hat das, eingefercht in seinem Heidener Krankenhauseckzimmer, auch genau so gemeint), oder …

 

Ausgerechnet die SVP und CVP, welche die fundamentalistischen Piusbrüder schützen, predigen ein nutzloses Burkaverbot.

Michael Hermann, der Polit-Kommentator des «Tagesanzeigers», hielt nach dem Votum für ein Burkaverbot in St. Gallen fest, um was es «bei der Debatte um den Islam wirklich geht: viel weniger um objektive Gefahren als um die wahrgenommene Verletzlichkeit der eigenen Identität».

Doch was heisst «Verletzlichkeit der eigenen Identität» konkret? Die Frage stellt sich natürlich nicht nur in St. Gallen, aber das religionspolitische Verhalten der St. Galler SVP und CVP, die sich für das Burka-Verbot stark gemacht hatten, eignet sich besonders gut als klärendes Fallbeispiel für die merkwürdige Verunsicherung.

Die beiden Parteien SVP und CVP erwecken in ihrer Argumentation den Anschein, es gehe ihnen bei ihrem hehren Kampf gegen die Burka um Werte wie Gleichheit und Freiheit, also um zentrale Werte der Aufklärung, die gleichermassen für alle Menschen gelten.

Doch ausgerechnet die beiden St. Galler Parteien SVP und CVP haben sich in letzter Zeit dadurch ausgezeichnet, dass sie die Werte der Aufklärung sehr unterschiedlich anwenden, je nachdem, ob es sich um die christliche oder die muslimische Religion handelt.

Einerseits verlangen sie in der Burka-Debatte von jenen Muslimen, die fundamentalistisch ausgerichtet sind, die Einhaltung der aufklärerischen Werte, beispielsweise der Gleichberechtigung der Frauen. Andererseits halten sie ihre Hand schützend über die Schulen der fundamentalistischen Piusbrüder, die im Widerspruch zur bundesgerichtlichen Rechtsprechnung stehen.

Fakt ist: Im September 2017 versenkte eine Phalanx von SVP und CVP im St. Galler Kantonsrat eine Motion, die den Schulen der Piusbrüder Grenzen setzen wollte. Anfänglich waren die SVP- und CVP-Kantonsräte noch Feuer und Flamme für die Motion, weil sie irrtümlich meinten, der Vorstoss richte sich nur gegen den Islam. Doch als sich herausstellte, dass die Motion auch die Schulen der Piusbrüder im Visier hatte, ruderten die SVP- und CVP-Politiker plötzlich zurück.

Diese Doppelmoral hat ihre Ursache in der akuten Werte-Verwirrung der SVP und der CVP, welche die Werte der Aufklärung als ursprünglich eigene, «christlich-abendländische Werte» reklamieren und die dem Märchen von den christlichen Werten frönen.

Durch die Protektion der fundamentalistischen Piusbruderschaft verwickeln sich die SVP und CVP in einen unlösbaren Widerspruch. Auf dem fundamentalistischen Hintergrund der Erzkatholiken attackieren sie jene Muslime, die sich ebenso fundamentalistisch gebärden. Eine unheimliche Wahlverwandschaft.

Das morsche christliche Fundament führt zur Werte-Verwirrung und zur argumentativen Verunsicherung oder wie der Politologe Michael Hermann es formuliert zur «Verletzlichkeit der eigenen Identität».

Das einzige Gegenmittel gegen diese Verunsicherung und Verletzlichkeit ist die Rückbesinnung auf die Aufklärung und deren Grundsatz, dass nicht eine Religion das Fundament einer offenen Gesellschaft sein kann, sondern das Prinzip der Vernunft und folglich der säkulare Staat.

Denn die Werte der Piusbrüder eignen sich ebenso wenig als Basis für eine offene Gesellschaft wie die Werte des Islamischen Zentralrats. Beide führen zurück ins Mittelalter.

( Hervorhebung G.Thr. )

 

 

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