Archiv der Kategorie ‘Goetheanica‘

 
 

„Wissen in Teilen macht eine schöne Geschichte; aber Weisheit entsteht, wenn wir das Ganze sehen.“

 

… oder: Zwei Schweizer Weltbürger …

 

Ja, wie entsteht aus den einzelnen Mosaiksteinen ein Gesamtbild? Was ist es? Das habe ich mich als Lehrer oft gefragt. Und welcher Gesetzmässigkeit, welcher Pflicht muss ich mich als Be-Teil-igter unterziehen, damit die zusammengefügten Steine das gewollte Ganze ergeben? Wie entsteht aus der ursprünglichen Addition von Partikeln ein Ergebnis, das nicht nur mehr ist als die Summe, sondern auch anders und wirkungsvoller als das lediglich Zusammengefügte(?)

 

Siehe auch: „mare in grosser Gefahr …” …,

… Literatur: Thomas Göbel: Quellen der Kunst …,

Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen

 

 

„Goethe und die iranische Revolution“

 

 

Literatur: „Goethe: Elemente” …,

… „Wolfgang Schad: Goethes Weltkultur …” … ders.: „Der periphere Blick – Die Vervollständigung der Aufklärung

Siehe auch: „Das Drama Ehec – und Goethe …

 

 

„… Aufhänger für diese Abrechnung ist der Uno-Migrationspakt. …“

 

… oder: Unsere armen Schweizer fallen in Depression …

 

Unter dem apodiktischen Titel „Die Ära der Werte ist vorbei“ erklärt er die westliche Politik seit 1990 für gescheitert. Diese habe nach dem Ende des Kalten Kriegs den Pfad des Pragmatismus verlassen und sich mit einer „Überschätzung des Völkerrechts und der ‚internationalen Gemeinschaft’“ gewissermassen selber aus dem Spiel der Mächte genommen.

Aufhänger für diese Abrechnung ist der Uno-Migrationspakt. Gujer sieht in dem zunehmend umstrittenen Abkommen den erneuten Beweis für die notorische Hybris der Weltorganisation. Sie erwecke einmal mehr „den falschen Eindruck, sie könne in die Zeitläufte eingreifen“. Über diesen Einwand lässt sich diskutieren. Der Pakt schiesst in seinem Totalitätsanspruch und Perfektionismus tatsächlich übers Ziel hinaus. Nicht zuletzt wegen seiner Überfrachtung wird er wohl als eine der vielen gutgemeinten und wirkungslosen Deklarationen enden, die der internationale Konferenzbetrieb immer wieder produziert.

 
 

Apropos Kuhhorn etc. …

 

… oder: Potemkinsche ‚Schweiz’ – wer braucht das!? — Kein Mensch, oder …

 

– Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.

Goethe

 

Siehe auch: „Die extreme Trockenheit des vergangenen Sommers (2018) …

 

 

Wer rettet die Schule?

 

… oder: „Eine Bankrotterklärung für die Schweiz”, Europa, die Welt …

 

Die Geheimnisse der Lebenspfade darf und kann man nicht offenbaren; es gibt Steine des Anstoßes, über die ein jeder Wanderer stolpern muß. Der Poet aber deutet auf die Stelle hin.

Johann Wolfgang von Goethe

 

Mit grosser Leidenschaft eine kleine Welt erklärt

Auf dieser Schulreise zählte nicht das Besondere; bedeutungsvoll war das Naheliegende. Unser Sechstklasslehrer hatte ein Auge für das Bedeutsame im Kleinen, ein Gespür für das Wichtige im engen Lebensraum zwischen Andermatt und Realp. Ein Lehrer mit einem achtsamen Auge für das Grosse im Kleinen, leidenschaftlich verliebt in die Geheimnisse dieser Landschaft, vertraut mit den unscheinbaren Phänomenen dieses rauen Gebirgstals. Was er uns über sein Heimattal Urseren erzählte, berührte unsere Sinne, gab Sinn und Bewusstsein und wurde wirksam. Noch heute bin ich ihm dafür dankbar.

Nicht das ohnehin Sichtbare wollte er wiedergeben, sondern Unscheinbares sichtbar machen – formuliert auf Augenhöhe von uns Schülern, skizziert als einprägsames Erlebnis. Was prägen und bleiben soll, muss zum Erlebnis werden. Dazu ist Entdecken nötig und Verweilen. Schulreisen waren für unsern Lehrer solche Gelegenheiten.

Wie wird aus Informationen Bildung(?) …

 

 

„Wenn Arten sang- und klanglos verschwinden“

 

… oder: Die Professoren für Entwickelungs-Biologie werden dann auch arbeitslos und Wissenschafts-Seiten in der NZZ u.a. = Fehlanzeige, oder …

 

In den vergangenen 500 Jahren sind über 180 Vogelarten ausgestorben. Viele davon waren Inselspezies. Nun melden Forscher, dass auch immer mehr Festlandarten verschwinden. Eine neue Analyse weist auf bisher unbemerkte Fälle hin.

 

 

„Alles Grosse und Gescheite existiert in der Minorität. …“

 

Es ist nie daran zu denken, dass die Vernunft populär werde. Leidenschaften und Gefühle mögen populär werden, aber die Vernunft wird immer nur im Besitze einzelner Vorzüglicher sein.
 
Goethe

 
 

„… Denn sie haben eine historische Mission. Manche nennen es eine Mission Impossible. …“

 

… oder: Glaubwürdig und überzeugend kann das in Europa nur die Reinkarnation des General Guisan – sorry EU –, oder …

 

… Die Quadratur des Kreises

Denn sie haben eine historische Mission. Manche nennen es eine Mission Impossible. Sie wollen das Atomabkommen ohne Trump retten, die Herrschenden in Teheran zufriedenstellen und zugleich ihre Macht eindämmen. Ob und wie dieses Kunstwerk der Diplomatie gelingen soll, wissen wir nicht. Am Dienstag dieser Woche gibt es dazu einen Probelauf, wenn in Brüssel der deutsche, der britische und der französische Aussenminister mit ihrem iranischen Kollegen zusammenkommen. Es ist ungewiss, was Europa dem Javad Zarif anbieten kann und wird, um den Scherbenhaufen halbwegs zusammenzukehren, den Trump hinterlassen hat. Aber man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, was die Islamische Republik von Europa will.

 

Siehe auch: „Die USA behandeln die Staaten Europas wie Kolonien” …,

… „Militarism Mapped” …,

… „Abrüsten jetzt!

 

 

„… Den Schulleiter bezeichnet sie einerseits als militärisch, andererseits als anthroposophisch angehaucht. …“

 

Die ganz bösen Buben von Dornach, so sind sie, oder …

 

Gunther Thriene

 

 

Die Schweizer Indianer sind die allerbesten, keine Frage …

 

Da ist Karl May Aufklärer reinsten Wassers.
Und immer wieder die radikale Absage an Rache und Faustrecht: Die beiden Blutsbrüder greifen nicht an, provozieren keinen Kampf. Aber mit allen Kräften des Geistes und der Waffen wehren sie jeden Angriff, das Töten, den Raub, das Unrecht ab, auch und gerade, wenn es anderen zugefügt wird. Die beiden Freunde als lebendes Sinnbild bewaffneter Neutralität, denen es zutiefst zuwider ist, schaden zu müssen, wenn es die Notwehr verlangt. Die in Ehrfurcht vor dem Menschen als Ebenbild Gottes und in tiefer Verachtung gegenüber der Gier nach Macht und Gold, dem elenden Dreck, nur das eine Ziel kennen: Das Leben retten und schützen, wo es geht. Gelebte Mitmenschlichkeit unter der geballten Schutzkraft von scharfem Verstand, Schmetterhand, Silberbüchse, Bärentöter und dem 25schüssigen Henry-Stutzen.
In diesem Geist verfasst mitten im brodelnden Kolonialismus und Imperialismus der Schriftsteller Karl May lebendige, spannende Reisebeschreibungen, die jedermann ansprechen und auf hundert- und aberhundert Seiten einen ethischen Zweck anstreben: Anhand von menschlichen Vorbildern wie Winnetou, Kleki Petra, Intschu Tschuna, Old Shatterhand und anderen die Jugend am Vorabend des Ersten Weltkrieges, als die Pläne für das Massenschlachten schon in den Schubladen liegen und die Rüstungsspirale sich unerbittlich dreht, im Geiste des Friedens, der Nächstenliebe, der Mitmenschlichkeit und der Völkerverständigung zu erziehen. Und zu Abscheu gegen Kolonialismus, Völkermord und Krieg!
Die Einleitung zu «Winnetou I» ist das politisch-menschliche Credo des dem Christentum und dem Naturrecht verbundenen Karl May:

«Wenn es richtig ist, dass alles, was lebt, zum Leben berechtigt ist, und dies sich ebenso auf die Gesamtheit wie auf das Einzelwesen bezieht, so besitzt der Rote das Recht zu existieren nicht weniger als der Weisse und darf wohl Anspruch erheben auf die Befugnis, sich in sozialer, in staatlicher Beziehung nach seiner Individualität zu entwickeln.»

 

 

Goethe: Elemente

 
 

Aus wie vielen Elementen

Soll ein echtes Lied sich nähren,

Daß es Laien gern empfinden,

Meister es mit Freuden hören?

 

Liebe sei vor allen Dingen

Unser Thema, wenn wir singen;

Kann sie gar das Lied durchdringen,

Wird’s um desto besser klingen.

 

Dann muß Klang der Gläser tönen

Und Rubin des Weins erglänzen:

Denn für Liebende, für Trinker

Winkt man mit den schönsten Kränzen.

 

Waffenklang wird auch gefodert,

Daß auch die Drommete schmettre;

Daß, wenn Glück zu Flammen lodert,

Sich im Sieg der Held vergöttre.

 

Dann zuletzt ist unerläßlich,

Daß der Dichter manches hasse;

Was unleidlich ist und häßlich,

Nicht wie Schönes leben lasse.

 

Weiß der Sänger, dieser viere

Urgewalt’gen Stoff zu mischen,

Hafis gleich wird er die Völker

Ewig freuen und erfrischen.

 
 
 
 

„… wir werden entblößt von unseren Sinnen …“

 

… oder: Wenn man(n) selbst im Gefängnis sitzt – und es für Freiheit hält

Lest Euren Goethe: „Wo ist hier Freiheit(?!)” bemerkte, fragte der auf einer seiner Schweiz-Reisen

 

G.Thr.

 

 

„Identität: Begreifst du, wer du bist?“

 

Wir dokumentieren die Rede, die Iso Camartin zur Eröffnung des Lucerne Festival 2017 am 11. August im KKL gehalten hat.

 

… – Da dort von ihm erwähnt, siehe auch: „‚Verlorenes Ich’ von Gottfried Benn (1943)” …

… und heute: „Massenindividualität statt Authentizität. Identitätsinszenierungen statt So-Sein. Konsum statt Zufriedenheit.”, …

‚Das Versagen des intellektuellen Establishments’ – nicht nur in den USA …”, …

Die Boten der Nachrichten sind schuld und nicht die Politiker, die das Chaos verursachen und zulassen …

 

 

Freie Waldorfschulen – Rechtsextremismus als Hausaufgabe

 

Die, wie jeder Kenner weiß, rotzverlogene Verkürzung des Problems auf nur eine Schule, hat menschheitsverbrecherische – deutsch und deutlich – ‚dornacher Methode’: Permanenter Terror wider den Geist.

 

Mindener Tageblatt Online , 24.06.2017 :

Freie Waldorfschule Minden – Rechtsextremismus als Hausaufgabe

24.06.2017 – 00.08 Uhr

Von Stefan Koch

Minden (mt). Die Freie Waldorfschule Minden wird im neuen Schuljahr 2017 / 2018 in der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der nordrhein-westfälischen Waldorfschulen wieder dabei sein. Nachdem die Mitgliedschaft ruhte (das MT berichtete) und ein Aufarbeitungsprozess nach der Entlassung eines in rechtsextrem-esoterischen Kreisen verwurzelten Lehrers begann, stellte am Donnerstag das dafür zuständige Gremium der Öffentlichkeit die Ergebnisse vor. Mit sechs Mitgliedern war zuletzt diese Aufarbeitungskonferenz besetzt – jeweils zur Hälfte aus der Lehrerschaft und der LAG bestehend.

Die Vorgeschichte: Im April 2015 informierten Schülerinnen das Kollegium der Waldorfschule über erste Medienberichte wegen des Lehrers. Eine interne Recherchegruppe der Schule setzte sich mit dessen Publikationen auseinander. Die Mobile Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold deckte weitere Kontakte des Lehrers zu braunen Weltanschauungs- und Glaubenskreisen auf. Im Juni 2015 verlangten schließlich der Bund der Freien Waldorfschulen (Stuttgart) und die LAG, dass sich die Mindener Waldörfler von ihrem Lehrer trennen, der schon 20 Jahre bei ihnen war, als äußerst beliebt galt und Leitungsfunktionen innehatte. Hatte zunächst noch ein Großteil des Kollegiums hinter dem in Verruf geratenen Mitstreiter gestanden, wurde dieser im August 2015 entlassen.

Peter Bücker, als Lehrer Mitglied im Gremium, machte am Donnerstag deutlich, dass die Aufarbeitung nach diesem Schritt zunächst unzureichend verlaufen ist. Vor allem den Rechercheauftrag hätte die Schule in externe Hände legen müssen. „Ab Mai 2016 zeigte sich an Hand der Fragen der LAG und der mit der Aufarbeitung unzufriedenen Eltern, dass eine intensivere Arbeit notwendig ist.“ Nicht zuletzt hatte die LAG vor einem Jahr die Mitgliedschaft der Mindener Schule ruhen lassen. Der nächst Schritt wäre der endgültige Ausschluss gewesen.

„Große Sorge machte der Verlust des Namensrechtes bei Ausschluss aus dem Verband sowie die Frage, unter welchen Voraussetzungen eine Rückkehr in die LAG möglich ist“, erklärte Agnes Sieg von der LAG, die ebenfalls dem Aufarbeitungsgremium angehört. Und Wilfried Bialik, auch von der LAG, merkte dazu an, dass es nie das Ziel gewesen sei, den Namensentzug zu erklären, sondern lediglich die Aufarbeitung zu betreiben.

Im November vergangenen Jahres traf sich dann die Aufarbeitungskonferenz, die zunächst noch aus 20 Personen bestanden hatte und aus Gründen der Verschlankung der Prozesse verkleinert wurde. Bei insgesamt zwölf Treffen wurde unter anderem an der Schaffung einer neuen Schulverfassung mit einem neuen Leitungsgremium gearbeitet und die Trennung von dem Lehrer weiter aufgearbeitet – wobei es noch ein begleitetes Treffen mit seiner ehemaligen Oberstufenklasse und ein späteres Betretungsverbot der Schule gab.

Auch weiteren Mutmaßungen über Verstrickungen der Freien Waldorfschule Minden in der rechten Szene wurde nachgegangen. Deren Grundbuchauszüge sowie Belege und Darlehen hatte ein Sprecher der LAG im Januar dieses Jahres geprüft und keine Hinweise auf finanzielle Verpflichtungen zwischen dem Lehrer oder rechtsextremen Gruppen entdeckt. Es wurden auch Darlehensverträge und andere Finanzzuflüsse gecheckt, ohne dass sich ein Befund ergeben hatte. Nicht zuletzt nahm sich die LAG auch die angrenzenden Flurstücke der Schule an der Haberbreede vor, da diese von Erweiterungsbauten hätten betroffen sein können. Dabei stellte sich heraus, dass diese nicht in Besitz einer der Schule nahestehenden Person sind.

Auch die Anfänge der Freien Waldorfschule Minden wurden auf rechtsradikale Netze durchleuchtet. Sabine Henke-Kohl von der LAG: „Es konnte geklärt werden, dass keine Gründungseltern im Freibund gewesen sind.“ Es habe lediglich Namensgleichheiten gegeben, die aufgeklärt werden konnten.

Auf Nachfrage aus dem Publikum, weshalb der Lehrer zu seiner Entlassung noch eine finanzielle Abfindung erhalten hatte, erklärte Bücker, dass es arbeitsrechtlich keine andere Lösung gegeben hätte. Mehrere Fachanwälte hätten geraten, mangels Erfolgsaussichten vor dem Arbeitsgericht, diese Zahlung zu leisten. Eine andere Frage ging dem Phänomen nach, dass vor zwei Jahren fast die komplette Lehrerschaft hinter dem stillen Anhänger braun-esoterischen Gedankenguts stand und sich nun komplett abgewandt habe. „Das ist ein Beziehungsproblem – viele kannten ihn schon seit Jahren“, sagte Henke-Kohl.

Wie sehr der Konflikt der Schule geschadet hatte, stellte sich bei der Nachfrage des pensionierten Waldorflehrers Hartmut Karge nach den Folgen aus Abmeldungen von Schülern heraus. Ursula Paulus, als Lehrerin ebenfalls im Aufarbeitungsgremium, berichtete von finanziellen Engpässen, weil Lehrerstellen frei finanziert werden müssen. Um den Fächerkanon zu halten und niemanden zu entlassen, haben sich die verbliebenen Pädagogen auf eine Gehaltsreduzierung um 20 Prozent verständigt, damit die Deckungslücke aufgefangen werden kann.

Auch in Zukunft will sich die Freie Waldorfschule Minden gegenüber rechten Tendenzen abgrenzen. Vor einer Woche hatte sie mit der Mobilen Beratung über eine weitere Zusammenarbeit gesprochen. Der Fächerkanon wird um das Thema „Sensibilisierung gegen Rechtsextremismus“ erweitert. Und mit dem Mindener Bündnis für Demokratie und Vielfalt ist eine Veranstaltung verabredet worden. Der Verein hatte bereits ab Sommer 2015 als Vertreter der Öffentlichkeit in der Steuerungsgruppe der Schule mitgearbeitet.

Bildunterschrift: In der Freien Waldorfschule Minden ist Rechtsextremismus jetzt Thema im Unterricht. Das war in früheren Zeiten nicht die Regel.

Copyright: Texte und Fotos aus dem Mindener Tageblatt sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion.

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Neue Westfälische, 24./25.06.2017:

Affäre um rechten Lehrer beendet

Mindener Waldorfschule: Die Rückkehr in die NRW-Landesarbeitsgemeinschaft steht bevor / Zukünftig will man sich gegen rechte Tendenzen abgrenzen

Von Stefan Koch

Minden. Die Freie Waldorfschule Minden wird im neuen Schuljahr 2017 / 2018 in der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der nordrhein-westfälischen Waldorfschulen wieder dabei sein. Nachdem die Mitgliedschaft ruhte und ein Aufarbeitungsprozess nach der Entlassung eines in rechtsextrem-esoterischen Kreisen verwurzelten Lehrers begann, stellte das dafür zuständige Gremium der Öffentlichkeit die Ergebnisse vor.

Die Vorgeschichte: Im April 2015 informierten Schülerinnen das Kollegium der Waldorfschule über erste Medienberichte wegen des Lehrers. Im Juni 2015 verlangten schließlich der Bund der Freien Waldorfschulen (Stuttgart) und die LAG, dass sich die Mindener Waldörfler von ihrem Lehrer trennen, der schon 20 Jahre bei ihnen war, als äußerst beliebt galt und Leitungsfunktionen innehatte. Hatte zunächst noch ein Großteil des Kollegiums hinter dem in Verruf geratenen Mitstreiter gestanden, wurde dieser im August 2015 entlassen.

Im November vergangenen Jahres traf sich dann die Aufarbeitungskonferenz, die aus Gründen der Verschlankung der Prozesse verkleinert wurde. Bei insgesamt zwölf Treffen wurde unter anderem an der Schaffung einer neuen Schulverfassung mit einem neuen Leitungsgremium gearbeitet und die Trennung von dem Lehrer weiter aufgearbeitet.

Auch in Zukunft will sich die Freie Waldorfschule Minden gegenüber rechten Tendenzen abgrenzen. Vor einer Woche hatte sie mit der Mobilen Beratung über eine weitere Zusammenarbeit gesprochen.

Namensschild: Freie Waldorfschule Minden.

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Radio Westfalica, 23.06.2017:

Abschlussbericht der Waldorfschule

Die Mindener Waldorfschule will zwei Jahre nach der Entlassung eines umstrittenen Lehrers neu anfangen. Eine Arbeitsgruppe hat den Fall zusammen mit dem Verband der nordrhein-westfälischen Waldorfschulen aufgearbeitet. Der Abschlussbericht wurde am Abend vorgestellt.

Unter anderem hat die Schule untersucht, warum die Kontakte des Lehrers in rechtsextremistische Kreise jahrelang unbemerkt geblieben sind. Auch sonst seien in dem Fall Fehlergemacht worden. Peter Bücker vom Schul-Vorstand sagte, dass das an Missverständnissen und unklaren Entscheidungsstrukturen gelegen habe. Die Waldorfschule hat inzwischen eine neue Schulverfassung und ein neues Bewusstsein gegen Rechts entwickelt. Zum neuen Schuljahr kann sie auch wieder vollwertiges Mitglied im Verband der NRW-Waldorfschulen werden. Die Mitgliedschaft hatte nach dem Fall geruht.

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Mindener Tageblatt, 14.06.2017:

TV-Dokumentation über rechte Umtriebe

Waldorfschule im Bayerischen Fernsehen

Von Jürgen Langenkämper

Minden (mt). Vor zwei Jahren wurden die rechten Umtriebe eines Werklehrers aus Uchte an der Freien Waldorfschule Minden der Öffentlichkeit bekannt. Obwohl sich die Schule längst von dem Lehrer getrennt hat, der nicht bereit war, sich von dem völkischen Milieu loszusagen, ist der Klärungsprozess noch nicht gänzlich abgeschlossen. Jetzt taucht der Fall in einer Dokumentation des Bayerischen Fernsehens zur ARD-Woche „Woran glauben“ auf. Gesendet wird der Beitrag am Mittwochabend um 22 Uhr in der Sendung „dok Thema“ im dritten Programm.

„Im Film geht es definitiv nicht darum, die Schule anzuprangern“, teilt die zuständige BR-Redakteurin Johanna Walter gegenüber dem Mindener Tageblatt mit. „Es geht vielmehr darum zu zeigen, wie die Waldorfschulen Ziel von politischen Akteuren aus dem rechten Spektrum werden können. Denn diese docken gerne an alternative Bildungsangebote an.“

„Sowohl von Reichsbürgern als auch von rechten Kräften unterwandert“

In dem Beitrag mit dem Titel „Gefährliche Allianz: grüne Esoterik und braune Philosophie“ befasst sich der Bayerische Rundfunk mit der Esoterik-Szene und beleuchtet, dass „diese sowohl von Reichsbürgern als auch von rechten Kräften unterwandert wird“, so die Redakteurin. „Ausgangspunkt war, dass uns aufgefallen ist, dass viele ausgewiesene Reichsbürger einen esoterischen Hintergrund haben, zum Beispiel Heilpraktiker sind oder esoterische Produkte verkaufen.“

Waldorfschulen stellen in der Berichterstattung lediglich einen Randaspekt dar. Sie sahen sich jedoch in der Vergangenheit gezwungen, sich von der Reichsbürger-Ideologie abzugrenzen, die seit dem vergangenen Herbst auf Grund der tödlichen Schüsse in Georgensgmünd (Mittelfranken) auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist.

Die Waldorfschule Minden, deren Mitgliedschaft in der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Freien Waldorfschulen in Nordrhein-Westfalen seit Mitte vergangenen Jahres ruhte, bemühte sich, die Trennung von dem Lehrer mit Kontakten in rechtsextremistische Kreise in einer Arbeitsgruppe mit der LAG aufzuarbeiten. Bei einem Treffen vor den Osterferien waren nach MT-Informationen noch nicht alle Auskunftswünsche von Eltern, besonders hinsichtlich finanzieller Hintergründe der Trennung zufriedengestellt worden. Inzwischen scheint diese Arbeit – zumindest aus Sicht der Schulleitung – abgeschlossen zu sein. Denn in der kommenden Woche wollen der Vorstand der Schule und die LAG den Abschlussbericht präsentieren und eine Presseerklärung abgeben. Dazu haben sie am Donnerstag, 22. Juni, um 20 Uhr in das Saalgebäude in Haddenhausen, Haberbreede 37, eingeladen.

Gedreht worden ist unter Leitung der Filmautorin Susanne Roser MT-Informationen zufolge auch auf der neuheidnischen Ahnenstätte in Seelenfeld.

Copyright: Texte und Fotos aus dem Mindener Tageblatt sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion.

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Vlothoer Bündnis gegen das Collegium Humanum / Minden gegen Rechts, 05.04.2017:

Offener Brief

Sehr geehrte Schulleitung, sehr geehrte Vorstände des Schul- und Fördervereins der Freien Waldorfschule Minden, wir, das „Vlothoer Bündnis gegen das Collegium Humanum“ und das Bündnis „Minden gegen Rechts“ beobachten das seit 2015 öffentlich gewordene Geschehen um die Freie Waldorfschule Minden und den dort langjährig tätigen rechtsextremen Waldorflehrer Wolf-Dieter Schröppe. Dessen Aktivitäten in rechtsradikalen und völkisch-nationalistischen Zusammenhängen wurden im April 2015 erstmalig aufgedeckt. In den Sommerferien 2015 wurde von Seiten Ihrer Schule die Trennung von Wolf-Dieter Schröppe vollzogen.

Wolf-Dieter Schröppe wuchs in Argentinien / Buenos Aires als Sohn des Nationalsozialisten Ben Horst Schröppe auf und wohnte später in Bariloche. Dort engagierte er sich im Vorstand der Deutschen Schule an der Seite des verurteilten Kriegsverbrechers Erich Priebke. Nach dessen Enttarnung migrierte er 1994 nach Deutschland.

Zusammenhänge zwischen deutschen rechts-esoterischen Kreisen und zwischen Argentinien weisen zurück in die NS-Zeit, als Werner Haverbeck in Buenos Aires als Rundfunkattaché stationiert war.

Schröppe publizierte auch während seiner Tätigkeit an der Freien Waldorfschule Minden in verschiedenen Organen völkisch-nationalistischer Organisationen und war unter anderem in der rechtsextremen Artgemeinschaft aktiv. Durch zwei schriftliche Einschätzungen der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold ist auch ein ausführlicher Überblick über seine publizierten Werke und Führungspositionen in rechten Organisationen vorhanden.

Mittlerweile ist bekannt, dass Ihre Schule auch nach der Trennung von Schröppe im Sommer 2015 dessen Gehalt weiterhin gezahlt hat oder zahlt. Offiziell heißt es, dass dies die günstigste Form einer Kündigung gewesen sei.

Wir wissen aber, dass der Bund der Waldorfschulen durch ihren Justiziar Martin Malcherek Ihnen angeboten hatte, die Kündigung abfindungsfrei durchzusetzen. Dennoch haben Sie sich für die weitere Gehaltszahlung entschieden und behandeln die Umstände der Kündigung als geheim.

Dies finden wir sehr verwunderlich, da die Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen NRW (LAG NRW) in ihrem Fragenkatalog, der im Sommer 2016 Ihrer Schule zugegangen ist, ausdrücklich eine Aufklärung dieser Zusammenhänge fordert. Dies ist auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass im April 2015 ein schulinternes Gremium installiert wurde, das offiziell die Aufklärung des Falles betreiben sollte. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass dieses Gremium belastende Informationen gegen Wolf-Dieter Schröppe nicht an die Schulgemeinschaft und die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus weitergab und so die Aufklärung behinderte.

Gegen Personen, die sich für eine Aufklärung des Falles einsetzen, wurde und wird mit großer Vehemenz vorgegangen. So verschickte Ihre Schule unter anderem anwaltliche Unterlassungsaufforderungen und verhindert massiv einen transparenten Umgang mit dem Thema innerhalb der Schulgemeinschaft und gegenüber der Öffentlichkeit.

Wolf-Dieter Schröppe machte an der Freien Waldorfschule Minden eine erstaunliche Karriere vom Hausmeister bis zum informellen Schulleiter und hat auf verschiedenen Ebenen schulinterne Entscheidungen beeinflusst. So war er lange Zeit Vorstand im Förderverein, der eine wesentliche Aufgabe bei der Finanzierung der Schulgebäude innehat, zeitweise parallel zu einer Mitgliedschaft im Vorstand des Schulvereins. Eine Offenlegung und Prüfung der Finanz- und Besitzzusammenhänge hat bis heute nicht stattgefunden.

Bezeichnenderweise hat im Jahre 2016 entgegen der Satzungsbestimmungen keine Mitgliederversammlung stattgefunden.

Wie sind all diese offensichtlichen Ungereimtheiten zu erklären? Wir fordern eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge rund um den Fall Schröppe und eine vollständige Beantwortung des Fragenkatalogs der LAG NRW.

Dringend zu klärende Fragen sind unseres Erachtens:

Welche Verbindungen zwischen Wolf-Dieter Schröppe und der Schulgemeinschaft – Schuleltern, Lehrerinnen / Lehrern, Schülerinnen / Schülern – bestehen aktuell? Wie wird damit umgegangen?

Gibt es Erfahrungen mit der extrem rechten Szene nahestehenden oder extrem rechten Positionen vertretenden Schuleltern der Freien Waldorfschule Minden?

Unserer Auffassung nach ist eine dringliche Überprüfung der Schulfinanzen und Eigentumsverhältnisse, sowie eine kritische, transparente Aufarbeitung der Arbeit des schulinternen Aufklärungsgremiums geboten.

Wir hoffen, dass die Freie Waldorfschule Minden selbst ein großes Interesse daran haben wird, die hier aufgeführten Fragen zu klären. Offenheit und Transparenz sind unseres Erachtens das beste Mittel, um gemachte Fehler und Irrtümer zu korrigieren, aber auch um mögliche falsche Verdächtigungen endgültig auszuräumen.

Dieser Brief wird auch den lokalen Medien, der LAG NRW, dem Bund der Freien Waldorfschulen sowie der Bezirksregierung Detmold zur Kenntnis gegeben.

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Themen der Zeit, 20.11.2015:

Waldorfschule Minden: Eindeutige Distanzierung!

Um die Freie Waldorfschule Minden hatte es im Verlauf des Jahres viel Aufregung wegen der Vorwürfe gegen einen Lehrer wegen seiner völkischen und nazistischen Kontakte gegeben (Themen der Zeit hatte mehrfach an dieser Stelle darüber berichtet). Inzwischen distanziert sich das Kollegium der Schule sehr eindeutig von seinem ehemaligen Kollegen.

Die Freie Waldorfschule Minden hat aktuell eine Erklärung herausgegeben, in der das Kollegium sein Bedauern darüber ausdrückt, dass man dem Lehrer Schröppe „fälschlicherweise geglaubt ( … ) und dadurch ein Teil der Schulgemeinschaft das Vertrauen (in uns) verloren hat und dass erheblicher Schaden entstanden ist“.

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus hat, so heißt es weiter, inzwischen ein aktuelles Gutachten vorgelegt, in dem alle Fakten um Schröppe zusammengefasst sind. Das Ausmaß dieser gesammelten Fakten scheint das gesamte Kollegium jetzt endgültig davon überzeugt zu haben, dass die Entscheidung, sich von dem Kollegen zu trennen, richtig war. In der Erklärung, die unserer Redaktion im Wortlaut vorliegt, wird zudem bedauert, dass es früher nicht möglich gewesen sei, „die völkischen und neonazistischen Haltungen des ehemaligen Kollegen zu erkennen und angemessen zu handeln.“.

Es sei keinesfalls die Absicht gewesen, lässt das Kollegium weiterhin verlauten, dass es zu Missverständnissen, Verletzungen und auch Kränkungen unter Kolleginnen, Eltern und auch Schülerinnen gekommen sei. Man sei „in der Phase der Aufklärung“ immer bemüht gewesen, „nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln. Im Nachhinein erkennen wir, dass wir uns in Bezug auf unseren ehemaligen Kollegen getäuscht haben.“

Es werde jetzt „mit aller Kraft“ und mit der Hilfe der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus daran gearbeitet, das man sich wieder „in gegenseitigem Vertrauen begegnen“ könne.

Sehr eindeutig distanziert sich das Kollegium der Freien Waldorfschule Minden damit „ausdrücklich von allen rassistischen, nationalistischen und völkischen Tendenzen und Anschauungen und damit auch von Herrn Schröppe“.

Dieser Schritt dürfte wohl von allen Beteiligten und sicherlich auch vom Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) begrüßt werden. Dieser hatte schon in einer frühen Phase der Diskussionen gefordert, den Lehrer zu entlassen, was dann nach den Sommerferien auch geschehen war.

Die Schulgemeinschaft wird vom Kollegium dazu eingeladen, mitzuwirken, „die Themen Rechtsextremismus, Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung“ weiter zu bearbeiten.

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NRW rechtsaußen, 12.08.2015:

Minden: Waldorfschule trennt sich von völkischem Lehrer

Minden. In einer Pressemitteilung teilte die Freie Waldorfschule Minden am 10. August mit, sich „von dem umstrittenen Kollegen getrennt“ zu haben. Die Aktivitäten des Mindener Waldorflehrers Wolf Dieter Schröppe in völkischen und extrem rechten Organisationen waren im Frühjahr diesen Jahres durch Zufall von SchülerInnen der Waldorfschule entdeckt worden.

Sie waren darauf gestoßen, das Schröppe Vorsitzender der Ahnenstätte Conneforde ist, eines völkischen Friedhofs. Im Laufe der Auseinandersetzung kamen weitere Verbindungen Schröppes zu rechten Kreisen ans Licht. Der Mitte der 1990er Jahre aus Argentinien eingewanderte Schröppe war von 1997 bis 2005 stellvertretender Vorsitzender des esoterisch-völkischen „Bund Deutscher Unitarier – Religionsgemeinschaft Europäischen Geistes e.V.“, publizierte in dessen Verbandsorgan „Glauben und Wirken“ mehrere Artikel, organisierte Sonnenwendfeiern und referierte auf Tagungen. Er schrieb in dem Ludendorffer-Blatt „Mensch und Maß“ und in der „Nordischen Zeitung“ der rassistischen Artgemeinschaft (wir berichteten am 24. Juni 2015).

Schröppe wurde zu Beginn der Sommerferien trotz der Unterstützung der Schule durch die „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus“ und der Forderung des „Dachverbands der Freien Waldorfschulen“, Schröppe zu entlassen, von der Schule nur beurlaubt. Viele KollegInnen befürworteten seine Weiterbeschäftigung. In den Sommerferien wurde der Fall von überregionalen Medien aufgegriffen, die FachjournalistInnen Andrea Röpke und Andreas Speit publizierten Fotos, die ihn mit dem NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke zeigten.

Dass die Schule sich jetzt von ihm getrennt hat, scheint vor allem an dem Druck von außen gelegen zu haben. Eine wirklich inhaltliche Auseinandersetzung mit der von Schröppe vertretenen extrem rechten Ideologie steht noch aus. So waren dessen KollegInnen nach der Auswertung der Hefte des „Bund Deutscher Unitarier“ in einem Gutachten doch zu dem Schluss gekommen: „Grundsätzlich zeigt sich in den Heften ein sehr freiheitsliebendes Denken, in dem eine Reihe von Ähnlichkeiten mit der Anthroposophie zu erkennen sind.“ Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses von Schröppe, zu dessen Bedingungen die Schule bisher schweigt, kann nur der notwendige Anfang einer Auseinandersetzung um extrem rechte Ideologie sein, und nicht ihr Abschluss, wie es die um Ruhe bemühte Waldorfschule vielleicht möchte.

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Blick nach Rechts, 31.07.2015:

Pädagoge mit bedenklicher Vita

Von Andrea Röpke

Der Streit um den Waldorflehrer in Minden geht weiter. Ein Foto zeigt ihn im Schulvorstand einer Schule in Argentinien – neben dem NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke.

Was ist los an der Freien Waldorfschule Minden? Über Jahrzehnte hinweg bewegte sich der Waldorflehrer Wolf-Dieter Schröppe in rechten Kreisen, pflegte früh engen Umgang zu einem NS-Kriegsverbrecher, publizierte und referierte bei den „Deutschen Unitariern“, „Ludendorffern“ oder reaktionären Ostpreußen sowie der rassistischen „Artgemeinschaft“ – und doch wird an der Schule in Westfalen anscheinend weiter relativiert und toleriert.

Zwei in Auftrag gegebene Studien kamen bereits im Juni zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Die eine, erstellt durch ein dreiköpfiges Lehrergremium, zitiert Schröppe immerzu und gleicht einer Schutzschrift, während die Experten der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus Nordrhein-Westfalen den Lehrer als Aktivisten „eines extrem rechten völkischen Netzwerkes“ einstufen. Diese massive Einschätzung blieb bisher ohne Folgen, zögerlich wurde Schröppe vorübergehend suspendiert. In knapp zwei Wochen allerdings beginnt das neue Schuljahr, bis dahin sollen klare Entscheidungen getroffen werden.

In den über 20 Jahren beruflicher Tätigkeit in Minden brachte es der 53-jährige Pädagoge aus Uchte an der alternativen Schule vom Hausmeister, Handwerkslehrer zum „informellen Leiter“. Er gestaltete die Einrichtung mit und erhielt viel Zuspruch. So scheint wenig verwunderlich, wenn im 25-seitigen „Abschlussbericht“ des Aufklärungsgremiums Schlüsse gezogen werden wie zum Beispiel der, dass sich in den Heften des „Bundes Deutscher Unitarier“ – zu denen Schröppe zehn Jahre gehörte – durchaus ein „freiheitsliebendes Denken“ zeige. Auch seien Ähnlichkeiten mit der Anthroposophie erkennbar, dazu gehören „neben der Achtung der Natur, die Liebe zu den Menschen und der Glaube an geistige Mächte“.

Viele Fans des Dritten Reichs in Carlos de Bariloche

Bei wichtigen Entscheidungen wie Neueinstellungen von Kollegen durfte Schröppe sein Gewicht in die Waagschale werfen und die Schule bei offiziellen Anlässen nach außen repräsentieren. Jahrelang schien sich niemand daran zu stören, wenn der beliebte Lehrer Sprüche wie „biste schwul, oder was?“ fallen ließ oder eines seiner Kinder dadurch auffiel, die Unterrichtsstunde ausgerechnet beim Thema Holocaust zu verlassen.

Schröppe wurde 1962 in Buenos Aires geboren. Aufgewachsen ist er in einem Ort, in dem es von Fans des Dritten Reiches nur so wimmelte: San Carlos de Bariloche. Zahlreiche hoch belastete NS-Verbrecher waren nach 1945 über geheime Fluchtrouten in den abgelegenen argentinischen Gebirgsort gelangt und abgetaucht. Sie bauten eine urdeutsche Enklave mit Schuhplattlerverein und Fachwerkhäusern auf. Aushängeschild war die „Instituto Primo Capraro“, die deutsche Schule. Als einflussreicher Ehrenvorsitzender fungierte seit den 1980er Jahren der Rentner und später in Italien verurteilte NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke – heute ein Idol bundesdeutscher Neonazis.

Priebke, während der NS-Zeit Hauptsturmführer und stellvertretender Polizeichef in Rom, wurde für ein Massaker an unschuldigen italienischen Zivilisten 1944 in den Ardeatinischen Höhlen mitverantwortlich gemacht und 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt. In der Haft zeigte er bis zu seinem Tod 2013 keine Reue. Im Gegenteil: Priebke unterhielt fortdauernden Kontakt zur deutschen Neonazi-Szene.

Feiern zum Führer-Geburtstag im Schulvorstand

Wenige Jahre zuvor führte er noch die deutsche Schulgemeinde in Bariloche an, zu der auch die Schröppes gehörten. Von 1987 bis 1989 leitete Fritz Küper das Instituto Primo Capraro. In seinem Buch „Unsere Schulen – undemokratisch und inhuman“ widmet er ein ganzes Kapitel „Erich Priebke und dem „Germanisch-argentinischen Schulverein Bariloche“, dem Träger der Einrichtung.

Küpers Rückblick ist erdrückend, er berichtete von täglichen Fahnenappellen, aber vor allem davon, dass der Schulverein unter maßgeblicher Führung von Priebke und anderen ehemaligen NS-Familien den „so genannten Holocaust“ als „Alliierten-Lüge“ ansah und ihn aufgefordert habe, ihre Kinder „nicht durch gegenteilige Äußerungen“ zu verwirren. Der Ex-Schulleiter schreibt, es habe intern im Schulvorstand Feiern zum Geburtstag des Führers gegeben. Auch habe Priebke mit seiner Erziehung durch „Gestapo-Müller“ geprahlt, aber stets betont, sich „nie die Finger an gefangenen Opfern“ schmutzig gemacht zu haben. Der Alt-Nazi genoss sein Ansehen, empfing eine Delegation von Bundespolitikern oder vertrat auch schon mal den deutschen Botschafter.

Kontakt zu diesem elitären Kreis hatte auch Wolf-Dieter Schröppe. Die WDR-Dokumentation „Pakt des Schweigens“ von 2006 zeigt ihn als jungen Mann gleich neben Priebke bei einem Fest in Bariloche. Schnell war der Jungpädagoge aufgestiegen, 1992 gehörte er bereits dem Schulvorstand an. Ein Foto mit der Bildunterschrift „Comision Directiva“ zeigt das 16-köpfige Gremium mit einem lächelnden Priebke im Vordergrund und dem jungen Schröppe schräg dahinter.

Zehn Jahre bei den „Unitariern“

Von dieser verantwortlichen Position unter der Ägida eines Nazi-Verbrechers ist im Abschlussbericht des Schulgremiums nicht die Rede. Auch nicht davon, dass der Schleswiger Rechtsextremist Dieter Vollmer die Familie Schröppe 1989 in der rassistischen Zeitung „Nordische Zukunft“ als wesentlichen „Kristallisationskern des Deutschtums in Argentinien“ feierte. Zwar räumt Schröppe ein, Vollmer seit 1982 zu kennen und den Ex-Chef des rechtsextremen „Nordischen Rings“ häufig getroffen zu haben. Doch anstatt diese Verbindung bohrend kritisch zu hinterfragen, wird auch hier sofort relativiert. Der langjährige Szene-Autor wird zur scheinbar harmlosen Bekanntschaft, die „wegen bündischer Umtriebe“ fast im Konzentrationslager gelandet sei.

1994, als gegen Priebke Ermittlungen aufgenommen wurden, er in Hausarrest verschwand, verließ Wolf-Dieter Schröppe Argentinien. Ein Jahr später wurde Priebke an Italien ausgeliefert und kehrte nicht mehr zurück. Schröppe dagegen nahm in Minden seine Arbeit an der Freien Waldorfschule auf. Zugleich tummelte er sich im rechten Milieu. Etwa zehn Jahre lang war er nach eigenen Angaben Mitglied der Religionsgemeinschaft „Bund Deutscher Unitarier – Gemeinschaft Europäischen Geistes“. Dann sei durch seine Arbeit am Thema Externsteine die Anthroposophie für ihn zur „Offenbarung“ geworden und er habe die Unitarier verlassen, heißt es.

Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen unter anderem im extrem rechten österreichischen Aula-Verlag oder beim „Bund für Gotterkenntnis / Ludendorff“. Doch nicht immer schrieb Schröppe anscheinend unter seinem Klarnamen, so sollen seine Artikel den Recherchen des Rechtsextremismus-Experten Jan Raabe zufolge auch unter den Namen „Dieter van Moor“ und „Dieter S. Wolfer“ erschienen sein. Unter diesen Pseudonymen wurden zuletzt 2014 in der Ausgabe Nr. 4 der „Nordischen Zeitung“ Artikel über „Hoffmann von Fallersleben“ und 2015 ein Text auf dem Online-Portal der „Artgemeinschaft“ zum Thema „Irminsul am Externstein“ veröffentlicht. Nebenher baute Schröppe sich eine weitere Existenz als „Moorschmied“ auf seinem „Moorhof“ bei Nienburg auf. Dort bot er Kurse an und zeigte seine schmiedeeiserne Arbeit gemeinsam mit einem Sohn im NDR.

Schüler-Reisen nach Ostpreußen

Bis dahin hatte der Lehrer das religiöse Spektrum anscheinend längst zugunsten ideologisch radikalere Strukturen verlassen. 2005 wurden Schröppe und seine Ehefrau als Gäste eines geheimen Lagers der „Artgemeinschaft“ von der Polizei in Thüringen geführt – mit dabei auch eines seiner Kinder.

2009 vermischten sich dann politische Weltanschauung und pädagogische Verantwortung: Schröppe band Kinder seiner Schulklassen in die ideologische Arbeit ein. Der Lehrer mit den Kontakten ins einschlägige Lager leitete Schüler-Reisen zur „Katharinenkirche Arnau / Ostpreußen“.

Die rechtslastige „Preußische Allgemeine Zeitung“ berichtete 2010 über die Reise einer privaten Jugendgruppe aus Nienburg / Weser unter Leitung von Schröppe und seiner Ehefrau nach Arnau. Zwei Mal fuhren auch Waldorf-Schüler mit. Vornehmlich ging es um den Erhalt einer kunsthistorisch wichtigen christlichen Kirche gegenüber der angeblichen Zerstörungswut durch die russisch-orthodoxe Kirche. Ein dubioses „Kuratorium Arnau“ unter Führung eines Kieler Wissenschaftlers namens Dr. Walter Rix übernahm die Retter-Rolle – zeitweilig mit dabei als Schatzmeister: Wolf Schröppe. Gemeinsam mit Rix unterschrieb Schröppe einen Spendenaufruf, der weitere Schulfahrten nach Arnau ermöglichen sollte.

Heute wird Dr. Rix von der Schule als „problematisch“ bezeichnet. Schröppe habe sich erstaunt gezeigt, dass dieser Ostpreußen-Funktionär einen rechten Hintergrund haben sollte. Wieder mal schien ihm das Waldorf-Gremium Glauben zu schenken. Dabei verlinkt das „Kuratorium“ auf seiner Homepage die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und auch der Artikel in der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ hätte Anstoß erregen können. Tatsächlich war Rix auch 2013 zwei Mal Referent in der rechtsextremen Tagungsstätte in Guthmannshausen, eines seiner Themen lautete: „Umerziehung und die schöne Literatur“. Auch zum einschlägigen Kieler Verleger Dietmar Munier, immer bemüht um das Deutschtum in Ostpreußen, pflegte Rix Kontakt. Von der „Landsmannschaft Ostpreußen“ wurde der „treue Freund“ gar mit dem Goldenen Ehrenzeichen geehrt.

Vorsitzender des „Ahnenstättenvereins Conneforde“

Über ihren Lehrer gerieten minderjährige Schüler aus Minden mit diesem politischen Spektrum in Berührung. Im Nachhinein erinnert sich ein jugendlicher Reiseteilnehmer an alte Leute, die sie damals besuchten. Die hätten bedauert, dass es „Hitler nicht mehr gäbe“.

2008 übernahm Schröppe dann noch den Vorsitz des „Ahnenstättenverein Conneforde“ in der Nähe von Oldenburg – bei denen scheint es Usus, nicht in der Kirche zu sein. Der Pädagoge machte hier vorgeblich nur mit, weil es galt ein „Familiengrab“ zu pflegen. 1974 war sein verstorbener Vater auf den Waldfriedhof mit Irminsul umgebettet worden. Natürlich sei der Lehrer dem 1958 von früheren Nationalsozialisten mitgegründeten Verein in „bester Absicht beigetreten“, um „einen kulturell wertvollen Platz zu erhalten – auf dem über 2.000 unbescholtene Bürger liegen“, heißt es dazu in dem internen Abschlussbericht des dreiköpfigen Schulausschusses. Die Bedeutung der Stätte für Alt- und Neonazis wird nicht hervorgehoben. Seine Mitgliedschaft wird als anstößig vermittelt, aber sinngemäß wolle der Ahnenstätten-Verein ja unter der Führung von Schröppe Aufarbeitung gemeinsam mit der Gemeinde Conneforde und der Universität Oldenburg leisten.

Dazu scheint es nicht zu kommen. Im Juli dieses Jahres vermeldete die „Nordwest-Zeitung“, dass das Aufarbeitungsvorhaben „krachend“ am Verein gescheitert sei. Auf der Jahreshauptversammlung lehnten 53 Vereinsmitglieder alle Gespräche ab, nach NWZ -Informationen bei nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Die Freie Waldorfschule Minden fordert Schröppe nun auf, dieses Amt niederzulegen.

Bildunterschrift: Schule in Bariloche 1992, Schröppe (im Bild hinten 2. v. r.).

 

(Alles ZITAT von hiergeblieben.de )
 
 

„… ein entschiedenes Nein zur Lüge, die sich wie Wahrheit gebärdet.“

 

„Arme Wahrheit“

 

(Eine Stimme aus Arlesheim bei Dornach, die daran erinnert, sich insbesondere sowohl gegen menschheitsverbrecherisches Treiben in den Waldorf- und Rudolf Steiner Schulen als auch im Goetheanum selbst zu wehren …

Eine andere Stimme aus der Schweiz(?):

fritz sagt:

Der gesunde Menschenverstand hat ausgedient. Es lebe das Postfaktische. Mit Argumenten kommt man heute bei den Abgehobenen leider nicht mehr an. Die Eliten des neuen Äons haben vielleicht noch das Niveau eines Aleister Crowley, ganz sicher nicht mehr das eines Kant.

… und genau so sieht es doch leider aus in oben genannten Einrichtungen – in der Welt, oder …

Siehe auch: Sodom und Gomorra in Dornachs ‚Produkten’ …

       … und: Sodom und Gomorra in den/r Gesellschaft(en) …)

 

G.Thr.
 
 

Selbstverständlich wird in Deutschland verdeckungskriminell nationalsozialistisch „gearbeitet“ …

 

… nicht „nur” – anthroposophisch verbrämt – in den sog. Waldorfschulen, aber eben dort auch (… und das sind beweisbar keine Einzelfälle).

Den Überfall von europäischen, aber zumeist deutschen, Nazihorden in Armee-Stärke in der Ostschweiz 2016 übergeht dieses Deutschland, dieses Europa nahezu gänzlich mit betretenem bis zuhälterischem Schweigen, oder …

 

G.Thr.

 

 

„Der deutsche Geist am Scheideweg: Anthroposophen in Auseinandersetzung mit völkischer Bewegung und Nationalsozialismus“

 

Anthroposophen und Nationalsozialismus

von Peter Staudenmaier (25 Seiten-PDF)

 

Siehe dazu u.a. aktuell auch: „Die Waldorfschule M. und der völkische Aktivist W.-D.S. …

… und: „Nationalsozialismus made auf Schwizerdytsch

 

G.Thr.

 

 

„Sein Kampf“ in english …

 

meistens reden wir hier im Blog ja Goethe-deutsch

 
 

In Dornachs Primatenzentren* „herrscht“ TOHUWABOHU, oder …

 

hier zum Bleistift.

 

G.Thr.

*) — — — Der Arzt ist gefordert!
 
 

„Deutschland braucht ein Ende der Geschichtsverblendung“

 

„2017 und die Rückkehr der Geschichte”

 

Siehe auch: „Das Jahr der Nationalisten

… und: „Europa, USA und Russland – Chancen für Entspannung nutzen

 

 

Anthroposophische Gesellschaft: Schizoid oder nurmehr pervers(!?) …

 

Da schreibt vor Jahrzehnten ein Mitglied o.g. menschheitsverbrecherischer Mafia-„Gesellschaft” nach Jahrzehnten innerhalb dieser „Kreise”:

 

„… Sollte mir in diesen Tagen etwas geschehen, d.h. es zu einem gesundheitlichen Zusammenbruch kommen, so darf jeder erfahren, dass dieser Zusammenbruch Folge unmenschlichsten Verhaltens einer sich anthroposophisch nennenden Schule und Schulleitung ist. Man stelle sich vor, dass ein Mensch, der 33 Jahre Kinder liebevoll im Sinne der Waldorfpädagogik erzogen hat und mit sehr, sehr vielen treuen „Schülern”, die schon über die Lebensmitte hinaus sind, stark verbunden ist, zum Berufsende fristlos gekündigt werden soll. Der 7. Lehrer innerhalb eines Jahres, der die Schule verlässt und verlassen muss. Es ist Mord im wahrsten Sinne des Wortes, kaltherzigster, bösartigster Mord… Ich wünschte, alle Welt erführe von dieser Machenschaft einer kleinen machtausübenden Schar: Herzlos, eiskalt, unaufrichtig, korrupt, intrigant, Wahrheiten können sie nicht vertragen, sie brauchen ihre Lebenslüge als Krücke. …”

(Auszug aus dem Tagebuch einer berliner Waldorflehrerin, Mitglied der sogenannten „Hochschule für Geisteswissenschaft”, Dornach/Schweiz, der mir in Kopie der Originalhandschrift persönlich vorliegt.)

 

Da gründet sich vor nurmehr fast 100 Jahren die Waldorfschule, die Bewegung der Waldorfschulen. Sie gründet sich aus einer Geisteshaltung, die bekannter wurde auch als Anthroposophie.

Die gab sich eine ‚Verfassung’ mit ‚Präambel’: In dieser steht unter Ziffer 1 die sich selbst gestellte Aufgabe:

„… das seelische Leben im einzelnen Menschen und in der menschlichen Gemeinschaft auf der Grundlage einer wahren Erkenntnis der geistigen Welt” zu entwickeln.

 

Nun wird im Jahre 2016 derjenige Schul‚arzt’ sogenannter „Leiter der med. Sektion am Goetheanum”, der in betroffener – besser wohl: geschlagener – oben ‚charakterisierter’ Schule damals Schul‚arzt’ war, langjähriger „Kollege” also oben zitierter Waldorflehrerin.

Der Mediziner – von Arzt will ich da nicht sprechen – baute in Berlin in den Jahren davor ein anerkannt gutes Krankenhaus mit auf: Ich hoffe für ihn und sein Karma – und das seiner Kollegen, bundesdeutschland–, schweizweit, weltweit –, daß er in diesem o.a. Krankenhaus, seelenpflegend – oder gar psychotherapeutisch(?) –, die schwer traumatisierten Opfer „seiner Kreise” wieder gesund pflegt.

Aber wie!?  — Mit Mafia-Methoden wie oben im Zitat leider zutreffend und richtig beschrieben!? Durch Dornachs und der Welt „Anthroposophen” heutiger Anti-Anthroposophie!? Indem man ‚kaltherzig mordend’ (s.o.) „über Leichen geht”!?

 

Gunther Thriene

 

 

Kriegs-Provokationen …

 

Die normal denkenden und empfindenden Menschen müssen von den Macht-Psychopathen immer erst durch lügenhaft herbeigeführte Schockereignisse und mediale Propaganda manipuliert und zu gefügigen Tötungswilligen aufgehetzt werden. In solchen Vorgängen stecken wir ja auch gegenwärtig wieder.

Aus dem Forum dazu:

… Und gewisse Kreise versuchen ja alles, um den (Russen) zum Erstschlag zu provozieren. Sollte Trump wirklich ins Weisse Haus kommen, werden diese Kreise wahrscheinlich einen gewaltigen Finanzcrash herbei lotsen, um das dem Trump-Lager in die Schuhe zu schieben.
Wir leben in spannenden Zeiten. Oelpreise steigen, aber der Goldpreis sinkt ab.
Inflation scheint mir mehr mit den sog. Lohnstückkosten zu tun zu haben als mit der Geldmenge. …

 
 
Siehe auch: „Kriegsvorbereitungen: Warum die Bundesregierung in Ramstein weiterhin wegschaut

 

 

„Anthroposophie: Mehr unbefangenes Interesse wäre wünschenswert“?

 

Zu: „Kreativität braucht Mangel und Hunger”, BZ-Interview mit Philosoph Richard D. Precht von Jürgen Reuß (Kultur, 2. November) schreibt Dorothee Jacobi, Schopfheim in der Badischen Zeitung einen Leserbrief:

Die Gedanken zur Schule, die Richard David Precht äußert, könnten fruchtbar angewendet werden. Nur störe ich mich an der Wortwahl „Waldorf-Ideologie”. …

 

Es fehlen mir fast die Worte: Eine nachweislich von Reichsbürgern – en masse(!), (Neo-)Nazis und Kinderschändern1-5  großenteils durchsetzte schwarzmagisch-menschheitsverbrecherische Sekte beschwert sich nicht ernsthaft über den ihr gemachten „Waldorf-Ideologie”-Vorwurf, oder?!?

 

Gunther Thriene

 

1) „Werde kein Waldorflehrer!

2) „Kindheitskräftemißbrauch an der Rudolf-Steiner-Schule …

3) „Gewalt an der Rudolf Steiner Schule …

4) „Waldorfschulen: Der seelische Mißbrauch geht weiter!

5) Dass es auch an und in Waldorfschulen nicht nur männliche Kinderschänder gibt, beweist traurig eine englische Steiner Waldorf School …

 

 

Waldorfschulen: „Der seelische Missbrauch geht weiter!“

 

„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.”

 

 
 

Geist oder Ungeist Europas …

 

Geist trifft Ungeist

Kürzlich verlautbarte die Bundeskanzlerin nach einem Treffen zum Neustart Europens, der „Geist von Bratislava sei ein Geist der Zusammenarbeit“ gewesen. Was war denn da los? War es der Geist von Pressburg aus glanzvollen KuK-Zeiten, der die „Eliten“ Europas überfiel oder handelte es sich gar um zwei dieser überaus fluchtbereiten Wesen auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe in diesen schwankenden Zeitengründen.

27 (Great Britain hatte gerade den Brexit) haben angeblich eine ganze Reihe von Projekten „konkret“ verabredet. Mehr kam aber nicht rüber. Die beschworene Geistgemeinschaft fand nach der beGEISTerung offenbar keine beredte Zunge mehr, um uns erwartungsvollen Jüngern Neues über Europens künftiges Schicksal zu verkünden. So sind wir genötigt zu eigenen Gedanken, um den Hintersinn merkelinscher Verlautbarung zu entschleiern.

Die Wissenschaft aller Sparten ist keine Hilfe. Die hat es nicht so mit dem Geist, auch wenn das delikate Wort aus welchen Gründen auch immer häufig in den Mund genommen wird um des Nachweises der Unumstößlichkeit eines wissenschaftlichen Dogmas. So spricht man gerne von dem Geist Darwins und heiligt damit seine Lehre als sakrosankt wie die eines alten Propheten. Dieser Lehre zu widersprechen traut sich schon kein Achtklässler mehr, der Mensch entstammt dem Affen! Und damit Basta! Die Eliten rekrutieren unwidersprochen ihre Alphatiere für Spitzenpositionen, wer sich als Mensch bewirbt, hat seine Chance schon vertan. Und trotzdem, am darwinschen Glauben zu rütteln, neigt der närrische Geist des Widerspruchs und fordert einen unumstößlichen Kardinalbeweis durch ein wissenschaftliches Experiment. Einst, so heißt es, gelang es dem Zufall die gottlosen Naturgesetze so zu aktivieren, daß sich aus der Affensubstanz der Mensch im Laufe überschaubarer Zeiträume herausentwickelte. Der „unbewußt“ agierenden Natur war es aber nicht möglich, beizeiten ein Konkurrenzmodell zum ersten Menschenentwurf auf den Weg zu bringen. Das war keineswegs klug, denn gerade jetzt ist dringendster Bedarf an einem Upgrade des Konzeptes „Mensch“. Die aktuelle Version 1.0 ist aus dem Ruder gelaufen und droht auf diesem Planeten die eigene Lebensgrundlage auf Dauer zu vernichten. Kühn wähnt sich die Wissenschaft vom Leben imstande, aus der Retorte bessere Reiche zu erschaffen. Was einst eine ziellose Natur vollbrachte, müsste dem Raffinesse der Gelehrten und ihren genialen Werkzeugen doch ein Leichtes sein nachzuäffen. Die Tiersubstanz ist da und müsste wie damals für die Neuzüchtung eines optimierten Menschengeschlechts immer noch geeignet sein. Die Zeit drängt. Der Bedarf an dem Menschen 2.0 ist ungeheuer! Macht uns den ersten tätigen Homunkulus nicht aus dem Computer, rettet damit diesen Planeten und beweist die Abstammung des Menschen vom Affen unwiderlegbar für alle Zeiten.

Ein weiteres weites Feld, auf dem mancher Verstandesglaube hartnäckig nistet, ist die Astrophysik. Das All wird nur gehalten nach der Vorstellung der Forscher, wenn man eine Sonderform der Materie – die Dunkle genannt – den Weiten des Universums beimischt. Gefunden wurde sie bislang noch nie. Daher unternimmt der hier tätige Geist der Nüchternheit namens Logik den Versuch, Licht in diese Finsternis zu bringen. Milliarden mal Billionen Sonnen rasen in den Galaxien. Je weiter entfernt von unserem Zentrum, um so höher, so die Wissenschaft, ihre Fluchtgeschwindigkeit. Das Licht dieser Sonnen verfärbt sich ins Rote. Dies dient als Maß für die Geschwindigkeit jener fernen Objekte. Doch was passiert mit solchen, die mit halber Lichtgeschwindigkeit oder noch mehr vor uns flüchten. Das Licht, das uns erreicht, hat Wellenlängen weit jenseits von Infrarot oder langwelligen Radiosignalen. Als materielles Lichtobjekt ist jede Sonne dieser Art der Sichtbarkeit entschwunden und weg vom Radar unserer Astrophysiker, doch die Gravitationswirkung bleibt davon unberührt. Man braucht keine mysteriöse „dunkle Materie“, um den Forderungen der Mathematik hinsichtlich des Alls zu genügen. Übrigens, so manches Röntgenstrahlobjekt ist in Realität nur eine heiße Sonne, die sich mit erheblicher Geschwindigkeit auf uns zu bewegt.

Die Leistungen der Wissenschaft in Naturwissenschaft&Technik sind unermesslich. Aber alle ihre Erkenntnisse basieren letzten Endes auf der universalen Gültigkeit eines einzigen Fundamentalgesetzes. Es ist die mathematisch exakte Relation von Ursache und Wirkung (Mathematisch präzise in der Physik actio=reactio). Allerdings ist diese Gesetzmäßigkeit gültig nur auf dem Felde der unbelebten Materie, für das Reich des Lebens ist dieses Gesetz keineswegs universal. Bislang verweigert die am Leblosen orientierte Wissenschaft anzuerkennen, daß die Erscheinungen des Lebens höheren Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Doch auch die Lebensprozesse unterliegen alle einer einzigen fundamentalen Gesetzmäßigkeit, die bereits Goethe in seinen naturwissenschaftlichen Betrachtungen skizziert hat. Dieses Universalgesetz lautet: Alles Organische/Lebendige hat seine Ursachen in sich! Das Unorganische dagegen nicht!

Es ist leicht einsehbar, daß alle Erscheinungsformen der toten Materie immer zurückzuführen ist auf von außen einwirkende formen- und strukturbildende Kräfte. Alle äußerlichen Erscheinungen von Lebendigen/Organischen dagegen haben ihre Urursache nicht von Außen sondern aus sich selbst. Die Einsicht in dieses Gesetz zwingt jede Forschung, den „Urheber“ dieser Gesetzlichkeit anzuerkennen als das, was er ist. Dieser ist nicht zu kalkulieren auf Basis der toten Materie, denn dieser ist die genaue Polarität dazu, es ist der jeweils spezifische Geist, der in der Formgebung seiner „Behausungen“ sein Wirkungsfeld und seine Begrenzung findet.

Das Eingangs zitierte Treffen hatte keine formenbildende Kraft. Es hatte keine erkennbare Organbildung zur Folge. Daraus folgert, von einem „Geist von Bratislava“ zu reden, ist völliger Unsinn. Von den Gesetzmäßigkeiten des Geistes hat die Bundeskanzlerin erkennbar nicht die geringste Spur einer Ahnung.

 
 

„Die ersten aufregenden 21 Tage im Leben einer Honigbiene“

 

Die faszinierende Metamorphose von einer Larve zur Honigbiene dauert 21 Tage. Der Fotograf Anand Varma hat diesen Wandlungsprozess in einem einmaligen Dokumentarfilm festgehalten, inklusive einer Varroa-Milbe mitten in der Brut. Das Video wird von Anand Varma kommentiert (deutsche Übersetzung).

 
 

Waldorfschulen: „… das steht aber nicht auf dem staatlichen Leerplan …“

 

… Damit sind die Waldorfschulen aber überfordert und das ist auch nicht im Interesse der meisten Eltern. ( Aus dem Forum dazu … )

 
… – Sagen wir es deutsch und deutlich*: An Waldorf-, resp. Rudolf Steiner-Schulen herrscht heutzutage nahezu durchgängig brutaler, teilweise nur als menschheitsverbrecherisch kriminell zu bezeichnender, vollkommen geistloser Eltern-Terror. – ‚Kraft durch Freude’, wie gehabt, wider die Wahrheit = Nationalsozialismus 2.0 – Punkt.

 

Gunther Thriene

*) „Die Waldorfschulen in der schwarzmagisch-kriminellen Schlangengrube” oder „Kindheitskräftemißbrauch an den Rudolf-Steiner-Schule …

 

 

„Wodurch unterscheidet sich der Anthroposoph vom Vogel?“

 

Der Vogel schläft auf dem Zweig, der Anthroposoph schläft im Zweig.

 

Lauter Vogelfänger, sprich: Papagenos … – Schon Mozart wusste mehr.

 

Gunther Thriene

 

 

„Mister Bundesrepublik“ …

 

Die CDU/CSU hat keine Leute, – außer einer Frau -, die SPD – wer, wiebitte, was ist das (!?)-, der FDP sterben die Männer weg, weiteres: ferner liefen …

Da taucht anläßlich des Todes Hans-Dietrich Genschers gestern auf „allen Kanälen“ obiger Begriff auf.

Man staunt: Sind Politiker in Deutschland schlauer als Deutschlands größte Geister. Wissen die mehr!? – US-Panzer 2016ff. an den russischen Grenzen im Osten Europas, da wird ein Minister dieses Landes nicht einmal mehr gefragt …

Ach ja – nur einmal so am Rande der staatlichen Gehirnwäsche auf allen Kanälen: da gab es einmal einen vom Schwäbischen König mit Schreibverbot belegten ‚Sonderling‘. Der sagte diesen nicht erst heute reichlich der Gehirnwäsche ausgesetzten Deutschen folgendes:

Zur Nation euch zu bilden, ihr hoffet es, Deutsche, vergebens;

Bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Menschen euch aus.

Nicht zuletzt: Einwürfe aus der Schweizer FDP werden hiermit glatt zurückgewiesen: In über zehn Jahren in der Schweiz ist mir kein einziger Schweizer, geschweige denn Schweizer FDPler, begegnet, der Friedrich Schillers WILHELM TELL auch nur ansatzweise verstanden hätte …

 

Gunther Thriene

 
 

Der Nazi-Schlangen in der Anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung hat es viele …

 

… oder: Was so ein ‚richtiger Perseus’ sein will:

Knast für Holocaust-Leugnerin

… Und eine Sympathisantin wollte der Angeklagten gar den Friedensnobelpreis verleihen.

 
 

Anthroposophie: Die Jesuiten sitzen mitten im Dornacher Goetheanum …

 

… und das nicht erst seit heute:

 

… Schon 14 Tage vor meiner Abreise nach Dornach hatte ich in der Nacht ein Erlebnis und hörte eine Stimme sagen: »Melde
Dich gleich zum Wort, sonst wird keine Zeit sein für
Dich, zu sprechen.« So telegraphierte ich meine Wortmeldung
gegen die Anträge. Die Wortmeldungen sollten
nach dem Datum ihres Eintreffens berücksichtigt
werden. Noch durch ein anderes Nachterlebnis mit Dr.
Steiner wurde mein Entschluß, einzugreifen gegen die
Anträge, befestigt. In diesem stellte er mir die Frage,
ob ich den Jesuiten in der Gesellschaft kenne, der in
zerstörerischer Weise arbeite. Jesuitischer Geist war es
also! Dieser Hinweis wurde mir zum Leitfaden meiner
späteren Beobachtungen innerhalb und außerhalb der
anthroposophischen Ereignisse. Bekämpfung der anthroposophischen Gesellschaft, Kampf gegen den Geist
lag immer und liegt weiter im Hintergrunde alles äußeren
und inneren Geschehens, besonders seit dem 30jährigen
Kriege. Dieses im Einzelnen zu durchschauen,
war seither mein Bemühen. Das Nachterlebnis vor der
Generalversammlung zeigte mir den Weg, wie ich arbeiten
sollte, um die Verbindung mit dem großen Lehrer
nicht zu verlieren.

Aus Aufzeichnungen Ludwig Polzer-Hoditz‚ über das Jahr 1935 (Unterstreichung von mir).

 

 

„Von nun an ist alles anders.“ – Zu R. Safranskis GOETHE-Biographie

 

Wird man seiner Aufgabe gerecht? Werde ich Goethe gerecht, wenn ich mich ihm zuwende?

Die Frage ist berechtigt in Zeiten, in denen ‚genialische‘ Menschen in riesigen Bibliotheken eher verborgen bis gänzlich unerkannt bleiben, zumal ganze Heerscharen von Germanistik-Professoren heutzutage wegen völliger Inkompetenz diesen Zustand eher noch gravierend verstärken als Licht ins Dunkel zu bringen.

Wird Rüdiger Safranski seinem ‚Gegenstand‘ Goethe gerecht? – Um es vorweg zu sagen: Dieses Buch wünsche ich in die Hände jedes Menschen.    – Nicht vorschreibend wie gewisse teutsche Diktatoren mit ihren unlesbaren Pamphleten sich in jedes deutsche Bücherregal ‚wünschten‘, sondern aus freiem Erkenntniswillen und mit dem Wunsch, dass die deutsche Kultur wieder aufgebaut werden möge, die seit weit mehr als einhundert Jahren nurmehr politische Zerstörung erfuhr – und erfährt …
Rüdiger Safranski befreit Goethe aus der weitverbreiteten Deutsch-Lehrer-Idiotie, ihrem Gedankenlosigkeits-Gefängnis, das da lautet: „Wir hatten die Nazi- und Stasi-Schergen trotz Goethe, also was brauchen wir heute noch Goethe?!“ – Deren Schulen aber wünscht man ja keinem einzigen Kind dieser Welt: Inklusion der staatlich beförderten Volksverdummung funktioniert eben viel besser mit gehirngewaschenen Beamten-Seelchen, die heute die Sekundärliteratur der Sekundärliteratur über … in kilometerlangen Regalen rezipieren können – und das allein schon für Erkenntnis halten …

Safranski durchschaut diesen kollektiven Irrtum der uniform total langweiligen Undeutsch-Lehrer und -Professoren, wartet auch keinen Goethe-Verbot’s-Erlaß der sog. Kultusminister und weitere ‚Volksvernichtungs-Befehle‘ ab – und erzählt Goethes Leben einfach und arbeitsam weitestgehend nach den ja auch noch reichlich vorhandenen Original-Quellen (Zitate Goethes im Folgenden kursiv):

 

… Wenn ein Geistesblitz, ein Einfall, eine plötzliche Intuition einen bisher rätselhaften und dunklen Zusammenhang mit einem Mal erkennbar werden läßt – eine Evidenz im Augenblick -, dann nennt Goethe das ein Aperçu, zunächst und hauptsächlich bei der Naturerkenntnis. Alles kommt in der Wissenschaft auf das an, was man ein Aperçu nennt, auf ein Gewahrwerden dessen, was eigentlich den Erscheinungen zum Grunde liegt, heißt es in der »Geschichte der Farbenlehre«. Der Begriff kommt aus den Französischen, wo er für eine rasche Erst-Wahrnehmung steht.     Drei Aspekte am Aperçu als außerordentlichem Erkenntnisereignis treten hervor:                                             Das eigentliche Objekt ist nicht ein zufälliges oder belangloses Phänomen, sondern eines, das den Durchblick auf den Zusammenhang des Ganzen, auf das Unendliche gewährt. Das Objekt ist zwar ein einzelnes und gegenständliches, doch zugleich symbolisch durchscheinend für die ewige Harmonie des Daseins. In diesem Sinne wird Goethe etwa die Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschen, die er im übrigen auch als eine jähe Einsicht beschreibt, als Einblick in den Gesamtzusammenhang der Natur deuten, da dieser Knochen, den man bei Tieren, aber noch nicht beim Menschen entdeckt hatte, ihm als Beweis dafür gilt, daß es einen gleitenden Übergang zwischen Mensch und Tier gibt, daß also die Natur eben doch keine Sprünge macht. So wird der Zwischenkieferknochen zum Gegenstand eines Aperçus. Nach der Seite des Objektes verweist das Aperçu also auf eine Totalität, die sich plötzlich in etwas Einzelnem enthüllt.               Nach der Seite des Subjektes bedeutet das Aperçu, daß der Erkennende sich verwandelt fühlt, wie aus der Vereinzelung gelöst und erhoben zur Teilhabe am Sinn des Ganzen. …            Der dritte Aspekt betrifft die Plötzlichkeit, Augenblicklichkeit des ganzen Vorgangs. Auf einmal sieht man die Dinge neu, sieht mit anderen Augen in die Welt. Damit verbunden ist ein Einschnitt im Leben. Von nun an ist alles anders. Das Leben wird durchschnitten, es gibt im pathetischen Sinne ein Vorher und Nachher. …                                                                       Das  Aperçu mit diesen drei Aspekten … nennt Goethe eine genialische Geistesoperation. …


Das bewundernswerte an Rüdiger Safranskis GOETHE-Biographie ist das akribische Aufspüren dieser geisteswissenschaftlichen Dimension dieses weitgehend unbekannten bzw. falsch verstandenen bis böswillig bekämpften Wissenschaftler und Künstlers Goethe, sein Werk wie das Goethes eine stille, unaufdringliche Kampfansage gegen die – nicht nur: kulturpolitisch – gängige (Selbst-)“Verzwergung“* des Menschen.

Seine Biographie macht auch deutlich, daß Goethe seine Studienjahre nicht fach-idiotisch vertat, sondern universell ernst nahm – und dadurch die oben im Zitat kurz zitierte Wahrheits- und Freiheitssphäre der Intuition vor seinem Brotberuf in Weimar sich erarbeitete. Dazu passt auch, …

… daß Goethe das Anerbieten der Straßburger juristischen Fakultät ablehnte, ihn gegen eine Gebühr doch noch zum ordentlichen Doktor der Jurispudenz zu promovieren. Es sei ihm vergangen, Doktor zu sein, schreibt er an Salzmann, er habe es so satt an aller Praxis, daß ich höchstens nur des Scheins wegen meine Schuldigkeit tue. …

Was aber machen heutige (Bundes-)Minister mit des öfteren erschlichenem Doktorhut außer der Vermehrung geistiger Armseligkeit – und deren schamloser massenhafter Verbreitung in Talkshows? 

 

Gunther Thriene

 

*) Jede Ähnlichkeit mit anthroposophischen Goetheanum-Adepten ist rein zufällig …

 

„Die einzige Hilfe, die wir jetzt Deutschland bieten können, heißt Schweigen.“

 

… oder: Warum Nazi-Sektierer – egal, wo auf der Welt – ‚vollkommen falsch gewickelt sind’:

 

… Aurobindo beschäftigte sich auch mit den Ursachen für den Aufstieg Hitlers. Schon während des Ersten Weltkriegs hatte er mit geradezu prophetischem Weitblick erkannt, dass ein Sieg der Entente über Deutschland nicht ausreichen würde, um die deutsche Aggression zu bändigen. „Es kann leicht zu einer neuen Verkörperung dieses Geistes [des aggressiven und militaristischen Deutschlands] kommen (…). Solange die alten Götter am Leben sind, nützt das Brechen oder das Niederschlagen des Körpers, den sie beleben, nicht viel, denn sie wissen wohl zu transmigieren. Deutschland unterwarf den napoleonischen Geist 1813 in Frankreich und brach 1870 die Überreste der französischen Vorherrschaft in Europa. Dasselbe Deutschland wurde zur Inkarnation dessen, was es unterworfen hatte. Das Phänomen kann sich leicht in einem furchtbareren Ausmaß wiederholen.“ Zweifellos bewunderte Aurobindo Deutschlands geistige Leistungen, seine grossen Philosophen wie Kant, Hegel, Fichte und Nietzsche, und seine grossen Musiker wie Beethoven und Wagner, doch habe das deutsche Volk die Grösse seiner geistigen Potenz missbraucht, da es sich von seinem vitalen, triebgesteuerten Wesen habe leiten lassen. Deutschland „hatte sein vitales Ich für sein Wesen gehalten; es hatte seine Seele gesucht und nur seine Stärke entdeckt. Wie [der Dämon] Asura hatte Deutschland zu sich selbst gesagt: ‚Ich bin mein Körper, mein Leben, mein Verstand, mein Temperament‘, und hat sich mit titanischer Gewalt daran gebunden. Es hatte vor allem gesagt: ‚Ich bin mein Leben und mein Leib.‘ Einen größeren Fehler als diesen kann es weder für Mensch noch Nation geben. Das Selbst des Menschen und der Nation ist mehr und göttlicher als jene. Es ist größer als seine Werkzeuge und kann nicht in einer körperlichen, vitalen, durch Verstand und Temperament bedingten Form eingeengt werden. Eine solche Begrenzung kann – selbst wenn dieses falsche Gefüge in dem waffenstarrenden sozialen Gebilde eines riesigen kollektiven menschlichen Ungetüms verkörpert wird – das Wachstum der inneren Wirklichkeit nur zum Ersticken, Verfall oder Erlöschen bringen, das alles Ungeformte und nicht Angepasste überfällt.“

Um diese „titanische Gewalt“ ein für allemal zu bändigen, sei es, erklärte Aurobindo nach Kriegsende, nicht angebracht, „den Deutschen auf den Rücken zu klopfen, sie zu umarmen und zu trösten. Wenn man ihnen erlaubt, ohne Schwierigkeiten wieder auf die Beine zu kommen und ohne dass sie Wiedergutmachung leisten für den Schrecken der Finsternis und des Leids, die sie über die Welt brachten, werden sie sich wieder erheben, um nur dasselbe noch einmal zu tun – es sei denn, jemand kommt ihnen zuvor. Die einzige Hilfe, die wir jetzt Deutschland bieten können, heißt Schweigen.“…

ALLES HIER …

(Hervorhebung, Unterstreichung von mir.)

 

 

„Der Sturz der Engel …“

 

Raffael St.Michael (um 1505)

Raffael: St. Michael (um 1505)

 

… (Zitat von hier …)

In der Anthroposophie wird Luzifer als „Lichtträger“ (Lucifer = lat. Lichtträger) verstanden, der die Menschen aus dem irdischen Dasein in ein sinnlich-geistiges Zwischenreich führen will (anstatt in die rein geistige Wirklichkeit Gottes). Luzifer ist es nach Rudolf Steiners Ausführungen auch, der Adam und Eva im Paradies verführte und ihnen zu früh die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen gab, also zu einem Zeitpunkt, zu dem die Menschen noch nicht bereit dafür waren. Seither sind die Menschen tiefer in die sinnliche Welt geraten und wurden für andere widergöttliche Wesenheiten zugänglich.
Die Tätigkeit Luzifers hat also das Wirken des zweiten bösen Geistwesens, das Rudolf Steiner Ahriman nennt, ermöglicht. Ahriman hingegen möchte die Menschen in ein sinnlich-materielles Zwischenreich führen, das auch als untermenschlich bezeichnet werden kann.
In der Anthroposohpie gibt es demnach zwei gefallene Engel mit ihren jeweilgen zugehörigen Engeln: Luzifer und Ahriman. Luzifer, der rauschhaft, schwelgerische und weltflüchtige Engel, der die Menschen mit dem Gefühl von Genuss und Auflösung lockt, steht gegenüber Ahriman, dem materialistisch-technischen, kalt berechnenden Engel, der die Menschen mit Kontrolle und Vereinheitlichung lockt. Dazwischen sieht die Anthroposophie Christus, der die Menschen zu ihrer eigenen Bestimmung bringt und sie zu Freiheit, Liebe und ewigem Leben (Weiterentwicklung) führt.

 

 

„Unseren“ Waldorf-Nazis …

 

Jedem in „Waldorf-Kreisen“ war und ist der seit mindestens 30 Jahren schwelende Konflikt zwischen dem Bund der Freien Waldorfschulen und dem Gründer der Freien Waldorfschule Kempten Sigurd Böhm, der am 08.02.2013 über die Schwelle des Todes ging, zumindest von Hörensagen bekannt …

In Sigurd Böhm’s biographischer Kurz-Schilderung auf der Homepage „seiner Schule“ ist nun interessanterweise Folgendes zu lesen:

 

Geboren 1923, besuchte der Knabe die Freie Waldorfschule Stuttgart bis zu deren Schließung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1938. Er verweigerte sich stets der Zwangsmitgliedschaft in der Hitlerjugend. Mit einigen Lehrern der Freien Waldorfschule, die mit den Nazis zu kollaborieren schienen, brachte ihn dies in ernsten Konflikt. Im Gymnasium erhielt er wegen seiner HJ-Verweigerung jeden Samstag Rektoratsarrest und musste über seine Beweggründe Aufsätze schreiben. – 1942 wurde Böhm zum Kriegsdienst eingezogen und 1944 verwundet. Bei seinem Aufenthalt im Lazarett Winnenden wurde er Zeuge von Hinrichtungen in dem ebenfalls dort befindlichen Zwangsarbeitslager …

Als ‹Strandgut des Endsiegs› kam Sigurd Böhm 1944 nach Kempten. … Bei der Entnazifizierung werde er wegen der Angabe «Kein Mitglied der HJ» unter dem Vorwurf der Fragebogenfälschung inhaftiert. Die Richtigkeit der Angabe wurde aber durch einen Angehörigen des Militärgerichts, der Böhms Geschichte  aus erster Hand kannte, bestätigt. Er erwirkte von der Militärverwaltung die Genehmigung für den Betrieb einer freien Schulstube in einer Privatwohnung in Kempten durch Sigurd Böhm, wo dieser heimatlose streunende Kinder unterrichten konnte. …

 

Da war also ein junger Mensch, der sich der Mitgliedschaft in der HJ verweigert hatte. Selbst ein jetzt zurückgetretener deutscher Papst hatte das nicht gewagt! (Und: Wer kann von sich sagen, daß er so mutig gewesen wäre!? – Selbst Hans und Sophie Scholl waren anfänglich begeisterte HJ- bzw. BDM-Mitglieder …)

Dieser Mensch wird später vom Bund der Freien Waldorfschulen angeklagt, weil er den Religionsunterricht in seiner Waldorfschule nicht erteilen liess …

Da stellen sich doch zumindest ernsthafte Fragen: War und ist es etwa nicht religiös in vollen Sinne des Wortes, sich der HJ verweigert zu haben!?

Waren und sind es nicht gerade die Kinder bzw. Schüler der NS-Kollaborateure in der Waldorf-Lehrerschaft, die später als Erwachsene diese Klagen wider ihn formulierten und lancierten!? – Hiermit sollen nicht eindeutige Fehlentwicklungen in seiner Schulgründung schöngeredet werden!

Aber nur der mir jetzt bekanntgewordene kurze biographische Abriss weist vom jugendlichen Grunde seines Lebenspanoramas auf etwas ganz anderes hin als sektiererisches Verhalten!

Sektierer sind doch die „Freien Waldorfschulen“, die jahrelang innerhalb des Bundes der Freien Waldorfschulen Neo-Nazis in ihren Kollegien hatten und haben(!!!) – und dies nicht wahrhaben woll(t)en. Von Kinderschändern in deren Reihen an „renommierten“ Waldorf- bzw. Rudolf-Steiner-Schulen oder gar mafiösen Zuständen wollen wir erst gar nicht reden …

Diese Gruppierung der Mitglieder im sog. Bund der Freien Waldorfschulen hat also allen Grund, erst einmal den „eigenen Stall gründlich auszumisten“ … 

Oder würde man dort wie an der FWS Göttingen Kinder von NPD-Mitgliedern jetzt auch evtl. NSU-Kinder blauäugigst unterrichten wollen?

(Und: Dass sich in einer deutschen Universitätsstadt eine den deutschen Nationalisten zuhaltende Waldorf-Kollegenschaft etablieren kann, weist eher eindeutig auf menschheitsverbrecherische, kriminelle Vorgänge als wissenschaftliche Standards hin …)

Welche Wege bereiten die Waldorfschulen den ihnen anvertrauten Kindern!? – den ‚Weg‘ nach ‚Stalingrad II‘ !!!???

Nationalsozialismus made auf Schwizerdytsch”

Nachtrag Sommer 2015 – wie zum traurigen „Beweis” -: Presse-Dokumentation:Die Waldorfschule Minden und der völkische Aktivist Wolf-Dieter Schröppe

Dr. Murksel muttiviert sogar die schweizer Rütli-Nazis

 

Gunther Thriene

 

 

„GEDÄCHTNIS UND GEWISSEN“

 

In dem schlafenden Zustande ist der Mensch an den Kosmos hingegeben. Er trägt dem Kosmos entgegen, was er beim Heruntersteigen aus der geistig-seelischen Welt in die irdische als Ergebnis voriger Erdenleben hat. Er entzieht diesen Inhalt seines Menschenwesens dem Kosmos während des Wachens.

In diesem Rhythmus: Hingabe an den Kosmos und Sich-dem-Kosmos-Entziehen verläuft das Leben zwischen Geburt und Tod.

Das Entziehen gegenüber dem Kosmos ist zugleich ein Aufnehmen des geistig-seelischen Menschen durch die Sinnes-Nervenorganisation. Was in dieser als physische und Lebensvorgänge sich abspielt, mit dem vereinigt sich im Wachen das Geistig-Seelische des Menschen zu einer einheitlichen Wirkungsweise. In dieser Wirkungsweise ist Sinneswahrnehmung, Formung der Erinnerungsbilder, Phantasie-Leben enthalten. Diese Betätigungen sind an den physischen Leib gebunden. Die Vorstellungen, das Denk-Erleben, in denen dem Menschen bewußt wird, was halbbewußt in Wahrnehmung, Phantasie, Erinnerung sich abspielt, sind an die Denkorganisation gebunden.

In dieser eigentlichen Denkorganisation liegt auch das Gebiet, durch das der Mensch sein Selbstbewußtsein erlebt. Die Denkorganisation ist eine Sternen-Organisation. Lebte sie sich einzig als solche aus, dann trüge der Mensch in sich nicht ein Selbstbewußtsein, sondern ein Götterbewußtsein. Aber die Denkorganisation ist Sternen-Organisation, herausgehoben aus dem Sternen-Kosmos und versetzt in das irdische Geschehen. Indem der Mensch die Sternenwelt im Irdischen erlebt, wird er ein selbstbewußtes Wesen.

Da hat man also das Gebiet des inneren Menschenlebens vor sich, in dem die göttlich-geistige Welt, die mit dem Menschen verbunden ist, ihn entläßt, damit er in vollem Sinne Mensch werden kann.

Aber gleich unterhalb der Denkorganisation, da wo Sinneswahrnehmung, Phantasie, Erinnerungsbildung sich vollziehen, lebt die göttlich-geistige Welt im Menschenleben mit. Man kann sagen, in der Gedächtnis-Entfaltung lebt das Göttlich-Geistige in dem wachenden Zustande des Menschen. Denn die beiden anderen Betätigungen, Sinneswahrnehmung und Phantasie, sind nur Modifikationen der Formung der Erinnerungsbilder. In der Sinneswahrnehmung ist die Bildung des Erinnerungsinhaltes in seiner Entstehung; in dem Inhalte der Phantasie leuchtet in der Seele auf, was sich von diesem Inhalte im Seelen-Dasein erhält.

Der Schlafzustand trägt das Geistig-Seelische des Menschen in das Kosmische hinüber. Er ist da mit der Betätigung seines Astralleibes und seines Ich in den göttlich-geistigen Kosmos eingetaucht. Er ist nicht nur außerhalb der physischen, sondern auch außerhalb der Sternenwelt. Aber er ist innerhalb der göttlich-geistigen Wesen, durch die sein Dasein den Ursprung hat.

In dem gegenwärtigen Zeitpunkt der kosmischen Entwickelung wirken diese göttlich-geistigen Wesen so, daß sie den moralischen Weltinhalt während des Schlafzustandes in Astralleib und Ich einprägen. Alles Weltgeschehen im schlafenden Menschen ist reales moralisches Geschehen, kein Geschehen, das der Naturwirkung auch nur ähnlich genannt werden könnte.

Dieses Geschehen in seiner Nachwirkung trägt der Mensch aus dem schlafenden in den Wachzustand herüber. Diese Nachwirkung bleibt im schlafenden Zustande. Denn der Mensch wacht nur in dem Leben, das dem Denkgebiete zugeneigt ist. Was in seiner Willenssphäre eigentlich vorgeht, das ist auch während des Wachens in solche Dumpfheit gehüllt wie während des Schlafens das ganze Seelenleben. Aber in diesem schlafenden Willensleben webt das Göttlich-Geistige im wachenden Zustande weiter. Der Mensch ist moralisch so gut oder so schlecht, als er es sein kann, je nach der Nähe, in die er schlafend zu den göttlich-geistigen Wesen kommen kann. Und er kommt näher oder bleibt ferner, je nachdem seine früheren Erdenleben in moralischer Richtung waren.

Aus den Tiefen des wachenden Seelenwesens tönt herauf, was sich während des Schlafens in Gemeinschaft mit der göttlich-geistigen Welt in dieses Seelenwesen hat einpflanzen können. Was herauf klingt, ist die Stimme des Gewissens.

So zeigt sich, wie dasjenige, was eine materialistische Weltansicht am meisten geneigt ist, bloß nach der Naturseite hin zu erklären, für die Geist-Erkenntnis auf der moralischen Seite gelegen ist.

Im Gedächtnis wirkt im wachenden Menschen unmittelbar das göttlich-geistige Wesen; im Gewissen wirkt im wachenden Menschen mittelbar – als Nachwirkung – dieses göttlich-geistige Wesen.

Gedächtnisbildung spielt sich in der Nerven-Sinnesorganisation ab; Gewissensbildung spielt sich als rein seelischgeistiger Vorgang ab, aber in der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation.  

Zwischen beiden liegt die rhythmische Organisation. Diese ist nach zwei Seiten hin polarisch in ihrer Wirksamkeit ausgebildet. Sie ist als Atmungsrhythmus in inniger Beziehung zur Sinneswahrnehmung und zum Denken. In dem Lungen-Atmen ist der Vorgang am gröbsten; er verfeinert sich und wird als verfeinertes Atmen sinnliches Wahrnehmen und Denken. Was noch dem Atmen ganz nahesteht, aber ein Atmen durch die Sinnes-Organe, nicht durch die Lungen ist, das ist das sinnliche Wahrnehmen. Was dem Lungen-Atmen schon ferner ist und durch die Denkorganisation gestützt wird, das ist Vorstellen, Denken; und was schon nach dem Rhythmus der Blutzirkulation hinübergrenzt, schon ein innerliches Atmen ist, das mit der Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation sich verbindet, das offenbart sich in der Phantasie-Tätigkeit.

Diese reicht dann seelisch in die Willenssphäre, wie der Zirkulationsrhythmus in die Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation reicht.

In der Phantasiebetätigung strebt die Denkorganisation an die Willensorganisation nahe heran. Es ist ein Untertauchen des Menschen in seine wachende Schlafsphäre des Willens. Es erscheinen daher bei Menschen, die in dieser Art organisiert sind, die Seelen-Inhalte wie Träume im Wachzustande. In Goethe lebte eine solche Menschen-Organisation. Daher spricht er davon, daß ihm Schiller seine dichterischen Träume deuten müsse.

In Schiller selbst war die andere Organisation wirksam. Er lebte aus dem heraus, was er sich aus den vorigen Erdenleben mitbrachte. Er mußte zu einem starken Wollen den Phantasie-Inhalt suchen.

Auf Menschen, die nach der Phantasiesphäre hin veranlagt sind, so daß sich ihnen wie von selbst die Anschauung der sinnlichen Wirklichkeit in Phantasiebilder wandelt, zählt bei ihren Weltenabsichten die ahrimanische Macht. Sie meint, mit Hilfe solcher Menschen die Entwickelung der Menschheit von der Vergangenheit ganz abschneiden zu können, um sie in eine Richtung zu bringen, die sie will.

Auf Menschen, die nach der Willenssphäre hin organisiert sind, die aber die sinnliche Anschauung in Phantasiebilder aus innerer Liebe zur idealen Weltanschauung kräftig gestalten, zählt die luziferische Macht. Sie möchte die Menschheitsentwickelung durch solche Menschen ganz in den Impulsen der Vergangenheit erhalten. Sie könnte dann die Menschheit vor dem Untertauchen in die Sphäre bewahren, in der die ahrimanische Macht überwunden werden muß.

Man steht im Erdendasein in zwei polarischen Gegensätzen. Oben breiten sich die Sterne. Von da strahlen die Kräfte, die mit allem errechenbaren Regelmäßigen im Erdendasein zusammenhängen. Regelmäßiger Tag- und Nachtwechsel, Jahreszeiten, längere Weltperioden, sie sind die irdische Spiegelung dessen, was Sternen-Geschehen ist.

Der andere Pol strahlt vom Innern der Erde her. Unregelmäßiges lebt in ihm. Wind und Wetter, Donner und Blitz, Erdbeben, Vulkanausbrüche spiegeln dieses innere Erden-Geschehen.

Der Mensch ist ein Abbild dieses Sternen-Erdeseins. In seiner Denkorganisation lebt die Sternen-Ordnung, in seiner Gliedmaßen-Willensorganisation lebt das Erden-Chaos. In der rhythmischen Organisation wird in freiem Ausgleich das irdische Menschenwesen erlebt.

Rudolf Steiner in: GOETHEANUM, Februar 1925.

Quelle.: GA 26

 

 

Das Drama Ehec – und Goethe …

 

Nun analysieren sie wieder: Eine tödliche Krankheit grassiert in Deutschland und Europa – und die Spezialisten suchen verzweifelt nach der Ursache, der Seuchenquelle …

Nun weiss jeder Krankenhaushygieniker, dass gerade dort, wo sauberst, möglichst steril gearbeitet werden muss, bei geringster Nachlässigkeit Bakterien, Viren, Pilze gerade hohe Resistenzen bilden.

Jeder gesunde Mensch lebt mit diesen Bakterien, Viren und Pilzen – und erkrankt zumeist nicht, weil sein Immunsystem und die tägliche Hygiene i.d.R. diese abwehrt, d.h. in der Anzahl im und am Körper so gering hält, dass sie nicht ‚Oberhand‘ über ihn erlangen.

Schon oft gering geachtete Empfindlichkeiten bringen oft dieses Gleichgewicht in Unordnung: Ängstliche Menschen vor Ansteckung erkranken signifikant häufiger als Nicht-Geängstigte etc.

Neben der physisch-leiblichen, vitalen Konstitution ist also auch unsere seelisch-geistige Verfassung von existentiellem Einfluss auf unsere menschliche Gesundheit bzw. unser Krankwerden.

Was also ist die Ursache einer Krankheit, einer Seuche? Die Gurke, Tomate, die Sprossen können Überträger sein. Entscheidend ist aber in erster Linie der Organismus Mensch im engeren und weiteren Sinne selbst.

Gerade das aber hat unsere atomistische ‚Wissenschafts-Gemeinde‘ an zumeist politisch auserwählten Elite-Universitäten weitestgehend vollkommen aus den Augen verloren – und denunziert nun haltlos ein Gemüse nach dem anderen …

Keiner kommt darauf, dass uns Menschen mittlerweile Goethes „geistiges Band“ vollkommen abhanden zu kommen droht, weiss auch nur ansatzweise, was das denn sein könnte:

KEINER!?

Nein, es gibt solche Seelen, solche Geister:

Eine Suche nach der „Wachstumsstelle einer menschenmöglichen Zukunft“ nennt z.B. Sigrid Damm ihr Lebenswerk, dass nicht zufällig auch Goethe und Schiller mit im Mittelpunkt hat.

Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist heraus zu treiben,
Dann hat er die Teile in seiner Hand,
Fehlt leider! Nur das geistige Band.
Encheiresin naturae nennt’s die Chemie,
Spottet ihrer selbst und weiß nicht wie.

                            Goethe, Faust I

Goethe kannte sicherlich nicht den Namen ‚Ehec‘, aber das Problem als realer Krankheitsprozess stand ihm lebenslang vor Augen. Mit Sicherheit!

 

Gunther Thriene

 

Literaturhinweise:

Frank Nager, GOETHE – Der heilkundige Dichter

Sandrine Delorme, Untersuchungen zum Nachweis von vero-toxinogenen E. coli (VTEC), speziell Serovar O157, in Lebensmitteln speziell tierischen Ursprungs mit verschiedenen Anreicherungsverfahren

 

 

Geistesmut …


… Das etablierte Christentum ist überall auf dem Rückzug. Gegenüber dem Islam ist es spirituell verkümmert und es wird unterliegen, wenn es das Kommende weiter zu verhindern sucht. Zukünftig ist aber ein solares Christentum mit dem Kennzeichen, daß der wahre Christ den direkten Zugang zum Mittler in Sein Reich in sich selbst gefunden hat. Die institutionelle Kirchenmacht und -religion verschwindet, weil sie nicht mehr gebraucht wird. Das künftige kosmische Chistentum steht im Zeichen der Sonne und wird dem Islam begegnen in einem kosmischen Fest der Versöhnung auf den Trümmern beiderseits überlebter Institutionen. Noch ist der Islam dem herrschenden Christentum durch sein offenes Bekenntnis zum Mond und damit zu den belebenden Kosmoskräften voraus. Ein christlicher Impuls, der dem Islam als Weltenreligion ebenbürtig sein will, muss erkennen, daß es wahre Sonnenreligion ist. Das Etablierte zu überwinden ist der gerechte Kampf gegen die Verdummung. Dieser Kampf ist begonnen. Zeichen des Sieges wird sein, wenn das Todessymbol des Kruzifix aus dem öffentlichen Raum entfernt ist und ersetzt durch den Sonnenstrahlenglanz der Monstranz. Dann kann die spirituelle Allianz von Christentum und Islam im Zeichen von Sonne und Mond den nächste Schritt wagen, der da ist die Erlösung des Hebräertums durch Integration in den kosmischen Zusammenhang.

Dies sind die Voraussetzungen für das Mittelpunktsgeschehen der Jungfrau, die auf dem Monde steht. Ihr Name ist Isis-Sophia und ihr Zeichen die Venus. Dieser Impuls ist noch im Dunkel der Zukunft. Jeder, der diesen Gedanken in sich belebt, stärkt aber dessen Potential. Der einstmals für die Zukunft Europas gestiftete Gral und sein Gegenpol das Palladium werden erneut erwachen und das Spannungsfeld bilden für das Konzert aller Kräfte, das die Menschheit zum Gelingen des Alls zu geben hat und in dem Luzifer selbst als fünfte Kraft erstmalig seine Stimme zum gemeinsamen Kyrie erklingen lässt.


… schreibt Wolfgang Suhrmann, Berlin, zu Michaeli 2010.

Aber ist das Isis-Sophia-Mysterium wirklich ’nur‘ ein „Impuls …  im Dunkel der Zukunft“?

Wodurch wurde dann Wolfgang Amadeus Mozarts ZAUBERFLÖTE zur weltweit meistgespielten Oper? – Die Menschen ahnten und ahnen heute schon ganz konkret diese Zukunft – ganz gegenwärtig und überall1. Sie lebt ganz real in ihren Seelen.

Auch eine gängige Fehlinterpretation Goethes will da wohl zurecht gerückt werden2. Wer sonst schreibt eine MARIENBADER ELEGIE nach einem ’netten Korb‘!?

Stefan Zweig, der sich ohne direkte Bedrohung am 22. Februar 1942 in Brasilien gemeinsam mit seiner Frau „aus Schwermut über die Zerstörung seiner ‚geistigen Heimat Europa'“ das Leben nahm, hatte 1927 diesem Gedicht nichts weniger als ein Kapitel in seinen STERNSTUNDEN DER MENSCHHEIT gewidmet:

Er beschreibt das lyrische Dokument als das „bedeutendste intimste Gedicht seines (Anm. Goethes) Alters“ … Für Zweig enthalten die Verse „eine der reinsten Strophen über das Gefühl der Hingabe und Liebe, die jemals die deutsche und irgendeine Sprache geschaffen:“


In unsers Busens Reine wogt ein Streben,
Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten
Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben,
Enträtselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heißen’s: fromm sein! – Solcher seligen Höhe
Fühl’ ich mich teilhaft, wenn ich vor ihr stehe.

 

Die neue, weil verchristlichte Isis-Sophia wurde so schon für Goethe zur erlebten lebendigen Wirklichkeit3.

Wir Nachgeborenen erhellen den durch die Tyrannei sich für Stefan Zweig u.v.a.m. unrettbar verdunkelt habenden Himmel wieder durch Anerkennung eines Weltenlehrers, wie Goethe es ist.

Goethe macht uns – auch und gerade heute – wesentlich und damit wirksam. Rudolf Steiner nannte später diese wesentliche Wirksamkeit auch einfach „reines Denken“ …

Das aber sollte man zumindest können, wenn man sich Anthroposoph nennt.


Gunther Thriene


1) Ähnlich wie Grundmotive in den Märchen der Welt überall – nur nominell anders – auftauchen, als gäbe es eine Weltsprache, einen Grundkonsens über das Wahre, Schöne und Gute vollkommen unabhängig von meiner oder Ihrer Nationalität …

2) nun ja, Herr Martin Walser

3) So mancher „anthroposophische“ Kurzschluss, der zumeist in ganz übler Sektiererei mündet, erhellt sich dann, wenn man Goethes Gabriel-Zeitalter von unserem heutigen Michael-Zeitalter unterscheiden zu lernen sich bemüht.

 

Goethes Gingko biloba

 

 

Ginkgo Biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwiedern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?



„Die ungeheure Gewalt der Musik“. Goethe und seine Komponisten


… zu o.g. Buch von Norbert Miller findet sich in der FAZ diese Rezension.

 


Freya von Moltke und ihr Lebensgefährte Eugen Rosenstock-Huessy …

 

Am Neujahrstag 2010 abends verstarb in Norwich/Vermont/USA die 98jährige Witwe des NS-Widerständlers Helmuth James von Moltke. Dort hatte sie von 1960 bis zu dessen Tod 1973 mit Eugen Rosenstock-Huessy zusammengelebt.

Spürt man den Lebenslinien dieser grossen Deutschen etwas nach, so fällt auf, dass auch Eugen Rosenstock-Huessy unbedingt zum geistigen Widerstand gegen die ständige – auch gegenwärtig virulent wieder überaus aktive – politisch-völkische Veruntreuung des Deutschtums zu rechnen ist:

  1931 veröffentlichte Rosenstock-Huessy in der Zeitschrift Hochland den Aufsatz Das Dritte Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus [14] Darin führt er den zeitgenössischen Begriff „Drittes Reich“ auf seine Quellen bei dem mittelalterlichen Geschichtstheologen Joachim von Fiore zurück und stellt das politische Konzept des Jungkonservativen Arthur Moeller van den Bruck dar. Er kritisiert die Verwendung dieses zunächst theologischen Begriffes durch den Nationalsozialismus. „Man hat ein Wort der Theologie in die weltlich-staatliche Vorstellungswelt übernommen (…).“ Rosenstock-Huessy wendet sich in dem Artikel gegen die Ideen von 1789. Die Nationalsozialisten stellten einen „Teilstoß eines Nachkriegsaufbruchs unseres Volkes“ dar. Das sei aber nicht der Deutschen eigentliche Aufgabe; vielmehr müsse es eine „Völkerwelt“, ein „christliches Drittes Reich“ geben, in dem die Deutschen die geistige Führung innehätten mit den Ideen Johann Wolfgang Goethes und Friedrich Hölderlins. Er schließt seine Ausführungen mit der Aussage, „daß wir den Glauben der Nationalsozialisten nicht teilen können.“ [15]

Es sind Hinweise, die unbedingt ernstgenommen werden wollen: Hätten solche Menschen in Deutschland, in Europa, in der Welt mehr Gehör gefunden: Wieviel unermessliches Leid wäre der ganzen Menschheit erspart geblieben!?! 

Es ist, als wollte die Verstorbene noch in und mit ihrem Tode etwas sagen: „Neujahr habe ich noch erlebt. – Ihr müsst es und alle Zukunft in Liebe gestalten!“

 

Gunther Thriene

 

 

Goethes „Erkenne dich selbst“ …


Pünktlich zu Goethes heutigem 260. Geburtstag legt Rüdiger Safranski sein wichtiges Buch über die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller vor, die von manchen als Grundlegung der später als Anthroposophie bezeichneten Geisteswissenschaft Rudolf Steiners verstanden wird, wenn diese denn überhaupt begriffen wird – was eher gar nicht bis äusserst selten der Fall ist …

Umso mehr erfreut, dass Safranski bereits im Prolog seiner Neuerscheinung die Grundlagen dieser Freundschaft benennt – und dabei auf Goethes Verhältnis zur Selbsterkenntnis zu sprechen kommt:

… Goethe bekannte einmal, daß die so bedeutend klingende und kanonische Anweisung ›Erkenne dich selbst‹ ihm stets verdächtig vorgekommen sei, weil man beim Blick in sich selbst niemals genau unterscheiden könne zwischen dem Gefundenen und dem Erfundenen. Er empfiehlt den Umweg über die Welt, denn der Mensch kennt nur sich selbst, sofern er die Welt kennt und von ihr erkannt wird. Deshalb, erklärt Goethe, habe er in reiferen Jahren, statt sich ins Spiegelkabinett zu verirren, die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, in wiefern andere mich wohl erkennen möchten, damit ich in und an ihnen, wie an so viel Spiegeln, über mich selbst und über mein Inneres deutlicher werden könnte. In dieser Hinsicht mußte Schiller für ihn ein Glücksfall sein. …1

Goethes Verhältnis zur Welt ist kein materialistisches, sondern ein zunehmend geistiges. Allein schon dieses kleine kleinodienhafte Zitat entlarvt das Lügengespinst der wider Goethe bis heute virulenten jesuitischen Verunglimpfungen seiner Individualität, an der sich leider heutzutage auch „Anthroposophen“ beteiligen: Nur ein geistiger Mensch wie Goethe ist überhaupt zu einer wirklichen Selbsterkenntnis fähig.2

Gemittelt 255 Jahre nach beider Geburtstag – Schillers 250. feiert die Menschheit in wenigen Wochen am 10. November 2009 – dürfen wir uns an diesem Erkenntnisfest zwischen zwei Buchdeckeln hoch erfreuen.


Gunther Thriene


1) Zitat aus Goethes BEDEUTENDE FÖRDERNIS DURCH EIN EINZIGES GEISTREICHES WORT: „… Hiebei bekenn ich, daß mir von jeher die große und so bedeutend klingende Aufgabe: »Erkenne dich selbst!« immer verdächtig vorkam, als eine List geheim verbündeter Priester, die den Menschen durch unerreichbare Forderungen verwirren und von der Tätigkeit gegen die Außenwelt zu einer innern falschen Beschaulichkeit verleiten wollten. Der Mensch kennt nur sich selbst, insofern er die Welt kennt, die er nur in sich und sich nur in ihr gewahr wird. Jeder neue Gegenstand, wohl beschaut, schließt ein neues Organ in uns auf. …“

2) Ein ähnlich gravierendes Missverständnis benennt in dieser hier als Video erhaltenen Rede Krishnamurti über den oft falsch gebrauchten Begriff „meditieren“ bzw. „Meditation“.


Goethes Farbe-Ton-Vergleiche …

 

Goethes Farbe-Ton-Vergleiche in der Gesamtdarstellung„, lautet der Titel einer kleinen Schrift von Hilmar Dreßler1. Im Geleitwort dazu schreibt Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Borchmeyer, Universität Heidelberg, Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste:

In seinem Vorbericht zum Briefwechsel Goethes mit Zelter hat Riemer 1833 bemerkt, „Tonkunst und Bildkunst“ seien als „die notwendigsten Organe von Goethes Wesen“ zu betrachten. In seinen eigenen Augen hatte er so weit reichende Kenntnisse in der Musik, daß er schon 1790/91 zunächst zusammen mit Reichardt eine „Akustik“ und nach der Entfremdung von dem Komponisten zumal in Verbindung mit Zelter eine „Tonlehre“ als Gegenstück zu seiner Farbenlehre planen konnte. In diesen theoretischen Umkreis gehört auch der Dur-Moll-Streit zwischen Zelter und Goethe im Jahre 1808. Goethe steht ähnlich wie in der Farbenlehre in Opposition zur dominierenden physikalistischen Theorie. Wie er in der Farbenlehre eine Physiologie und Psychologie des Sehens zu begründen sucht, so in seiner Tonlehre eine Psycho-Physiologie des Hörens, d.h. in der Frage der Tongeschlechter sind für ihn nicht Zahlenverhältnisse maßgebend, sondern ihre unterschiedlichen Wirkungen aufs menschliche Ohr und Gemüt. Als er am 6. Februar 1815 Christian Heinrich Schlosser, einem der engsten Vertrauten auf dem Gebiete der Musiktheorie, seine „tabellarische Behandlung der Tonlehre“ schickt, hebt er „die Ähnlichkeit dieser Schematisierung mit dem Schema der Farbenlehre“ hervor: „Hier steht das Subjektiv-Organische wieder voraus, das Objektiv-Physische, Mathematische ihm entgegen.“ Wie Newtons Optik in Goethes Augen eine Farbenlehre für Blinde ist, da Farben ihr zufolge ja eine vom Auge unabhängige, objektiv dem Licht zugehörende Realität sind, so ist die physikalistische Akustik für ihn gewissermassen eine Tonlehre für Taube. Sind die Farben – als gesehene – im Zusammenhang von Subjekt und Objekt der Gegenstand von Goethes Farbenlehre, so die Töne – als gehörte – im gleichen Zusammenspiel das Thema seiner Tonlehre. …

Nannte Goethe seinen Farbkreis vom Jahre 1809 selbst „Farbenkreis zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens„, so wird so bereits deutlich, dass Goetheanismus als Wissenschaft Welt und Ich niemals trennt2. – Wurde dies 200 Jahre eher als etwas ‚wissenschaftliche Spintisiererei‘ eines ansonsten weltweit anerkannten Dichter-Genies abgetan, so erweist es sich vor der konkreten Menschheitsgeschichte als höchste Praxis: Nur eine den Menschen selbst zum Massstab machende Wissenschaft ist in der Lage, eine humane Kultur zu schaffen – nichts sonst.

Goethes menschheitliches Verdienst ist und bleibt, diese Wahrheit in seiner Zeit durchgetragen zu haben wie es unsere heutige Aufgabe ist, uns dieses „menschliche Geistes- und Seelenleben“, das Ich zu erretten – genau: das „transzendentale Selbst“ des Novalis -, um die von Goethe benannten Seelenqualitäten überhaupt wieder erleben zu können.

Die Gegenbilder krudesten Darwinismus und ewiger Weltzerstörung sind allgegenwärtig, …

… Goethes heilender Geist3,4 aber eben auch.

Der notierte am 25. Mai 1807 – also mit 57 Jahren – in sein Tagebuch:

Lieben und Hassen, Hoffen und Fürchten sind auch nur differente Zustände unseres trüben Inneren, durch welche der Geist entweder nach der Licht- oder Schattenseite hinsieht […] Beide Seiten haben ihr Anziehendes und Reizendes, für manche Menschen sogar die traurige mehr als die heitere. Man könnte diese Vergleichung auf eine anmutige Weise noch viel weiter fortsetzen.

So vollendet selbsterkennend schreibt nur einer, der Licht- und Tonwelten in sich zu vollkommener Harmonie zu bringen vermag … 

 

Gunther Thriene


1) Hilmar Dreßler: Goethes Farbe-Ton-Vergleiche in der Gesamtdarstellung, Berlin 2008, eine nützliche Schrift trotz eindeutig minderwertiger Farbdrucke: Goetheforschung ist in Deutschland offensichtlich mittlerweile unter Discounter-Niveau angesiedelt …

2) In der Einführung zu ihrer Anthologie  EIN UNTEILBARES GANZES – Goethe: Kunst und Wissenschaft, Freiburg i.Br. 1997, schreiben Günter Schnitzler und Gottfried Schramm (Hrsg.): „… Während Gelehrte vom Typus Newtons Versuche so aufbauten, daß störende Einflüsse nach Möglichkeit ausgeschaltet wurden, und sie den Experimentator als eine prinzipiell austauschbare Figur begriffen, wandte Goethe sich gegen die Trennung des Objektes vom Subjekt, die für ihn eine unauflösliche Einheit bildeten, und wollte den individuellen Bezug zur Natur und Welt retten. Ein Don Quichotte ist er dabei keineswegs geworden. Der Beitrag (Anm.: von  Manfred Wenzel) bescheinigt ihm eine »genaue Kenntnis des physikalischen Wissensstandes seiner Zeit«. …“

3) Literaturhinweis: FRANK NAGER, Goethe – Der heilkundige Dichter

4) Auch Josef Ackermann studiert Goethe – dank Hans Christoph Binswanger


„Geistesbrüder“ …

 

…, schreibt die Tageszeitung einer deutschen Universitätsstadt am 31.01.2009* und zitiert aus Friedrich Schillers WALLENSTEIN …

Denn über alles Glück geht doch der Freund, der`s fühlend erst erschafft,

der`s teilend mehrt.

(Aus: Wallenstein. Wallensteins Tod V, 3)

… und bemerkt dazu: „Sein Freund Goethe wird gewusst haben, was er meint.“

Man staunt: Da füllen sich nun über 200 Jahre die Universitätsbibliotheken mit ganzen Räumen von Sekundärliteratur über Goethe und Schiller – und ein Satz gedruckt von der Tageszeitung einer deutschen Universitätsstadt im Jahre 2009 zeigt auf, dass man bisher am allerwichtigsten quasi vorbeigeht:

Schiller hatte Goethe erkannt als den deutschen Geist, der sich seiner Seele bewusst war.

Und ihn als „Lehrer“ anerkannt, wir wissen um deren anfänglich grosse Antipathien.

Goethe als Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen anzuerkennen ist Grundvoraussetzung, um auch heute sein „Schüler“ zu werden.

Ich weiss, der Meister teilt dann – ganz überzeitlich – auch heute noch mit uns.

Intellektuell kann man viele scheinbar kluge, hohle Phrasen dreschen.

Wirklich wird der Geist nur durch Anerkenntnis einerseits und dem Teilen des Geistesgutes andererseits.

 

Gunther Thriene

 

*) Göttinger Tageblatt, 31.01.2009, Seite 34

 

„Spielraum der Freiheit“ – oder wie man den auch verspielen kann …

 

Stephan Märki macht in diesem bedeutenden gestern in der SZ erschienenen Artikel richtig und wichtig darauf aufmerksam, dass Kunst nicht die Aufgabe hat, „den Staat“ o.s.ä. „zu repräsentieren“, weil ein Staat so die Kunst ihrer eigentlichen Aufgabe beraubt:

 

… Ich meine die Erwartung einiger Menschen, dass ein Theater wie das unsere in Weimar als junges Thüringisches Staatstheater „repräsentativ“ sein müsse. Gemeint ist damit wohl die Widerspiegelung des Selbstverständnisses einer oder mehrerer sich für relevant erklärender Gruppen auf der Bühne, in der theatralischen Aktion.

Wir haben Beispiele solcher Repräsentation auf dem Theater des 17. und 18. Jahrhunderts, als der Adel sich gespiegelt sehen wollte, und auch im 19. Jahrhundert, als das Bürgertum an seine Stelle trat. Diese Erwartung ist vor dem Hintergrund der tiefen und wohl irreversiblen Geisteskrise auch des Bürgertums nach zwei Weltkriegen und fortdauernder, wachsender Gewalt selbst im zivilen Bereich vom Theater nicht mehr zu erfüllen, und zwar aus einem schlichten Grund: So lange sich das Theater am Leitbild der Repräsentation orientiert, sucht es Ordnung zu schaffen, Staat zu machen, wie kritisch es sich auch geben mag. Dieser Grundsatz der Vereinheitlichung und Abschließung, der der Repräsentation eigen ist, erfordert den Ausschluss all dessen, was nicht ins Bild passt, was die Repräsentation stört oder sie in Frage stellt. „Repräsentation“ so Heiner Müller, „bedeutet Selektion“. Es gibt keine Repräsentation ohne Ausschluss und Opfer.

Gewalt bestimmt nicht nur unser Handeln, sondern auch unser Denken. Kunst und Theater bieten einen Raum an, wo solcher Gewalt im Spiel widersprochen wird: einen ästhetischen Übungsraum für die Zivilgesellschaft.

 

Der ganze Text hier1: „Stephan Märki ist Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar. Bei dem hier abgedruckten Text handelt es sich um die gekürzte Fassung eines Referats, das Märki bei einer Tagung gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in Weimar gehalten hat.“

Man kann es den politisch etwas Bornierten oder denen mit ganz dunklen Absichten auch mit Goethe2 und Schiller3 und 200 Jahre nach denen nicht oft genug sagen.

 

Gunther Thriene

 

1) Ursprünglicher Link: http://archiv.sueddeutsche.de/055381/934/2628989/Spielraum-der-Freiheit.html

2) »Natur und Idee lässt sich nicht trennen, ohne dass die Kunst sowie das Leben zerstört werden.«

3) Siehe: »Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen«

 

 

Das Haus der Frau von Stein wird heute verkauft …


… oder: Wie man die Menschheit leichtfertig kulturlos zu machen versucht:


In Weimar wird heute der umstrittene Verkauf des Hauses der Frau von Stein perfekt gemacht. Am Vormittag wollen die Stadt und der spanische Kunstsammler Joan Bofill offiziell den Kaufvertrag unterschreiben. Der Unternehmer aus Barcelona will in den nächsten drei Jahren rund 1,4 Millionen Euro in das Gebäude investieren und ein Kunstmuseum einrichten. (Zitat von mdr.de)


Was geschieht, kann eigentlich nur der ermessen, der Goethes Leben seelisch-geistig betrachten kann. Goethe hatte Charlotte von Stein viele Jahre als engste Vertraute an seiner Seite. Die ganze Menschheit verdankt gerade dieser Liebe eine Vielzahl ihrer schönsten Zeugnisse in Form von Gedichten und Briefen.

Heute wird diese Liebe schon in Abrede gestellt, weil die heutigen Moral-Apostel und Viagra-Junkies etwas gar nicht mehr zu denken in der Lage sind:

Was mutete das Schicksal Goethe und Frau von Stein zu? Etwa zu lernen, dass gar nicht „Tisch und Bett zu teilen“ nur Liebe ist, sondern die bedingungslose seelische Hingabe an die/den Geliebte(n)? Ja, dass Liebe erst wirklich wächst, wenn sie bedingungslos ist?

Wir wissen, dass diese Liebe endete. Aber sie war der kulturgeschichtliche Beginn einer neuen Qualität in der Begegnung von Mann und Frau, ohne die Goethes Iphigenie und auch die Begegnung mit und Liebe zu Christiane schlicht undenkbar ist.

Die Götter waren ihm hold, weil er auf sie achtete.

Was machen sie mit Völkern, die sie verachten und ihr Geistes-Erbe verscherbeln!?

Nachtrag 15.10.2008: Der Verkauf ist getätigt: „Damit wechselt das Haus für den Kaufpreis von 325.000 Euro den Besitzer.“ Ein Schnäppchen für den Käufer …

… in Zeiten, in denen der deutsche Staat fast gleichzeitig mehrere Hundert Milliarden €uro in konkursite Bankenkonzerne pumpen will.

Menschheitsverbrecherische Theokraten und ihre willfährigen Regierungen handeln so.


Gunther Thriene

 


Meine Goetheanica …


… können und sollen nur stichwortartige

Ergänzungen dazu sein:


Heute – aus Anlass des aktuellen Geschehens an den Finanzmärkten – ein Hinweis auf das Buch des

HSG-Professors Hans Christoph Binswanger

GELD UND MAGIE, EINE ÖKONOMISCHE DEUTUNG VON GOETHES FAUST


„Das Buch ist genial.“

Book Review

„Ich kann nur sagen: Nimm und lies!“

Carl Friedrich von Weizsäcker

Goethes Faust ist von einer kaum fassbaren Aktualität. Denn von nichts Geringerem handelt Goethes Hauptwerk als von diesem uns alle beschäftigenden Dogma der Moderne: Das Wachstum der Wirtschaft ist der Maßstab für die Entwicklung der Menschheit.

Johann Wolfgang von Goethe, der für Wirtschaftsfragen zuständige Minister am Weimarer Hof, kannte sich aus mit der Ökonomie – und gibt ihr im Faust eine ganz neue Deutung. Er erklärt die Wirtschaft als einen alchemistischen Prozess: die Suche nach dem künstlichen Gold mit anderen, modernen Mitteln.

Der Nationalökonom Hans Christoph Binswanger führt mit der neuen Ausgabe von Geld und Magie seine Auslegung des Faust noch näher an die tagesaktuellen Debatten heran – und verblüfft abermals mit seiner Auslegung des Hauptwerkes der deutschen Literatur, denn als Wirtschaftsfachmann wurde Goethe bisher nicht wahrgenommen.

 

Grund genug, in der Deutsch-Faust-Epoche in der 12. Klasse einer Freien Waldorfschule oder Rudolf Steiner-Schule gut aufzupassen, oder?!


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