Anthro-Mäuse mutieren zu Nazi-Ratten …

 

… oder: Entwicklungs-Biologie für ja, für wen!!!???

 

Reportage / Nazi-Demo in Bielefeld: Eine Stadt im Ausnahmezustand

10.11.2018 – 21.00 Uhr

Straßen werden gesperrt, der Nahverkehr eingestellt / 400 Nazis sind am Samstag durch Bielefeld marschiert – 3.000 Menschen stellten sich ihnen entgegen

Von Jürgen Mahncke

Bielefeld. Eine Stadt im Belagerungszustand – Straßen gesperrt, reichlich Kontrollstellen, überall Einsatzkräfte, bewaffnet und mit Helmen und Schutzwesten ausgestattet. Schon in den Vormittagsstunden war klar, dass die Polizei bei dieser brisanten Demonstration der Neonazis nichts dem Zufall überlassen will.

Gegen 11 Uhr sind Abschleppunternehmen damit beschäftigt, den Bahnhofsvorplatz zu räumen. Autos werden aufgeladen, Fahrradschlösser geknackt und die Zweiräder abtransportiert. Es wird Platz gebraucht für unzählige Einsatzfahrzeuge der Polizei, für Wasserwerfer, Räumfahrzeuge und die Transporter, die eine Reiterstaffel aus Baden-Württemberg an den Teuto gebracht haben. Absperrgitter werden aufgestellt.

Der Bahnhofsvorplatz wird geteilt. Neonazis, die ankommen, werden am Ausgang nach links gebeten. Auf der rechten Seite sammeln sich immer mehr Gegendemonstranten, von etwa 2.000 ist die Rede. Fahnen vom DGB, der SPD und den Grünen sind zu sehen. „Nazis raus“ ist lautstark und immer wieder zu hören. Die Rechten zeigen sich selbstbewusst und unbeeindruckt und werden in einem Kontrollzelt nach gefährlichen Gegenständen gefilzt.

Auch ein Schäferhund marschiert mit

An der Ecke zum Parkhaus der Stadthalle werden die Personalien von drei Rechtsextremisten notiert. Sie sollen Böller mit sich geführt haben. Gegen 14 Uhr setzt sich der Zug von 400 Neonazis, die gegen die Inhaftierung der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck in Bielefeld demonstrieren wollen, in Marsch. Auch ein schon älterer deutscher Schäferhund darf oder muss mitmarschieren.

Die Herforder Straße, Haupteinfallstraße in die City, ist für den gesamten Fahrzeugverkehr gesperrt. Über den Willy-Brandt-Platz geht es ins Zentrum der Stadt. Viele Geschäfte haben erst gar nicht geöffnet. Bis auf die ziehenden Demonstranten, unzählige Einsatzkräfte und viele Medienvertreter ist niemand auf der Straße. In jeder Seitenstraße haben sich unterdessen Gegendemonstranten versammelt, können aber wegen der rigorosen Absperrmaßnahmen nicht zu dem Zug vordringen.

Es gibt kleinere Tumulte, weil einige Gegendemonstranten die Absperrgitter ignorieren wollen. „Wir kommen immer wieder, solange Ursula Haverbeck noch im Gefängnis sitzt“, dröhnt es drohend aus den Lautsprechern der Neonazis, die auf einem mitfahrenden Lieferwagen montiert sind.

Mehr als 3.000 Gegendemonstranten

Vorbei geht der Zug über den Jahnplatz und biegt in den Niederwall ein, begleitet von Trillerpfeifen, „Nazi-Raus“ und „Haut ab“-Rufen. Laut „Bündnis gegen Rechts“ stehen hier mehr als 3.000 Menschen. Am Rathaus hat sich die nächste große Gegendemonstration formiert, darunter eine Abordnung des Theater-Ensembles. Oberbürgermeister Pit Clausen hat das Mikrofon ergriffen: „Wir wollen keine Nazis in Bielefeld. In unserer Stadtgesellschaft leben Menschen aus mehr als 100 Nationen der Welt friedlich miteinander“, geht in einem Riesenapplaus unter. „Wir wollen laut und friedlich sein, nicht unsere eigenen Grundsätze vergessen“, führt er weiter aus.

Stramm marschieren die Neonazis zu ihrer nächsten Station, dem Landgericht. Dort beginnt die Schlusskundgebung. Es ist ein Sammelsurium von dumpfen Gedichten und deutschem Liedgut. Und immer wieder heißt es, die Stadt erst dann in Ruhe zu lassen, wenn Ursula Haverbeck aus der Haft entlassen ist.

Derweil macht sich die Polizei Gedanken über den Abmarschweg der Rechten. Die angedachte Route, sie zum Brackweder Bahnhof laufen zu lassen, funktioniert nicht. Gegendemonstranten blockieren in beträchtlicher Zahl den Abmarschweg Richtung Adenauerplatz.

Kaufleute sind entsetzt

Also geht der Zug so zurück, wie er gekommen ist. Immer noch stehen Gegendemonstranten an der Zugstrecke und zeigen und schreien, was sie von diesem Auftreten halten. Um 18 Uhr fährt eine Regionalbahn die ersten Rechtsextremen wieder zurück in ihre Heimat. Gegen 19 Uhr ist der ganze Spuk in der Stadt zu Ende.

Die Kaufleute in der City sind entsetzt, als sie am Abend Kassensturz machen. „Nur 50 Prozent der Besucher, mit denen sonst an einem Wochenende zu rechnen ist, sind gekommen“, sagt C & A-Chef Roland Berlekamp.

Die Polizei registrierte 19 Straftaten. Sechs Personen wurden in Gewahrsam genommen. Sie werden verdächtigt, Straftaten begangen zu haben.

Für die Sicherheit aller Demo-Teilnehmer sorgten 2.000 Einsatzkräfte. Darunter war sogar eine Einsatzhundertschaft aus Würzburg. Um 5 Uhr am Morgen hatten sie ihre Heimat verlassen. Sie werden bei ihrer Rückkehr erzählen können, dass Bielefeld kein gutes Pflaster für Neonazis ist.

Bildunterschrift: Tausende Gegendemonstranten haben sich am Hauptbahnhof und in der Innenstadt zu Kundgebungen versammelt.

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Neue Westfälische Online , 10.11.2018 :

Kommentar / Nazis verbreiten in Bielefeld unfassbare Lügen – und Gegendemonstranten werden abgedrängt

10.11.2018 – 21.24 Uhr

Warum ist nicht wenigstens der Versuch gemacht worden, den Nazi-Aufmarsch zu verbieten?

Von Carsten Heil

Bielefeld. Der Staat hat sich heute nicht als wehrhaft erwiesen. Die Demokratie verteidigen dagegen Tausende von Bürgern und Bürgerinnen aus Bielefeld und ganz Ostwestfalen. Sie schreien dem Nazi-Aufmarsch ihre Ablehnung entgegen.

Die einzelnen Polizisten machen einen guten Job, sie sind freundlich, aber bestimmt. Die Polizei als Organisation ist dagegen zu weich in die falsche Richtung. Sie stellt sich eher den Demokraten entgegen als den Feinden der Demokratie.

Viel zu weit werden die Gegendemonstranten während der Kundgebung vor dem Landgericht abgedrängt. Sie können mit ihren Rufen die schauerliche Veranstaltung nicht stören. Die bis zur Stunde absolut friedlichen Demonstranten dürfen nur weit entfernt stehen und „Nazis raus“ rufen. Das ist kaum zu hören.

Unfassbare Lüge

Die Nazis ihrerseits beschallen mit ihren Lautsprechern den halben Niederwall. Da dürfen sie erklären, dass Deutschland seit 100 Jahren verleumdet und ausgebeutet werde. Unfassbare Lüge. Selbst der Direktor des Bielefelder Amtsgerichtes Jens Gnisa wird mit seinem Buchtitel „Das Ende der Gerechtigkeit“ von ihnen missbraucht.

Warum ist nicht wenigstens der Versuch gemacht worden, den Nazi-Aufmarsch zu verbieten.

In vorauseilendem Gehorsam hat man ihn genehmigt. Was wäre so schlimm daran, wenn ein Gericht das Verbot aufgehoben hätte? Auch die Justiz sollte sich in der Auseinandersetzung bekennen müssen. Immerhin galt der ganze Spuk einer rechtskräftig verurteilten Holocaust-Leugnerin.

Richtig, Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und der Staat muss sie schützen, auch wenn die geäußerte Meinung ihm nicht passt. Aber die Verteidiger von Rechtsstaat, Demokratie und Menschlichkeit können von ihrem Staat mehr erwarten als das, was er gezeigt hat.

Bildunterschrift: Während die Gegendemonstranten eingepfercht wurden, bekamen die Rechten reichlich Raum, ihre braunen Ansichten mitzuteilen, findet unser Kommentator.

( Alles zitiert nach: hiergeblieben.de )

 

Siehe auch: „‚Apocalypse now’ oder etwas später” …,

… „Mimimi?”  ( Aus dem Forum dazu … )

 

 

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