„Am 26. März 1999 veröffentlichte jW folgenden Kommentar von Werner Pirker (1947–2014): …“

 

Irgendwie hatte man es bis zuletzt nicht für möglich gehalten. Das das konkurrenzlose Militärbündnis seine Allmacht an einem kleinen Land im Südosten Europas erprobt. Das Recht des Stärkeren erscheint nicht nur als grausames Gesetz der Natur, sondern auch noch als Gebot einer höheren menschlichen Moral. Der feige Überfall auf Jugoslawien wird als Akt äußerster Notwehr dargestellt, die militärische Ausschaltung seiner ohnedies schon auf ein Minimum heruntergehandelten Souveränität als kollektive Verteidigung zivilisatorischer Normen. Das ist die Logik, derzufolge nicht die Weltmilitärmacht Krieg gegen das kleine Jugoslawien führt, sondern umgekehrt: Milosevic, so heißt es, habe der ganzen Welt den Krieg erklärt. Gegen diese verheerende Verbindung von nackter Gewalt und moralischem Konformismus steht elementares Rechtsbewusstsein auf nahezu verlorenem Posten.

Der Menschenrechtsimperialismus hat die ihm entsprechenden Repräsentanten gefunden: einen als Sozialreformer souverän gescheiterten US-Präsidenten und einen Labour-Chef als dessen britisches Pendant. (…) Und schließlich noch die Schröders und Fischers, die kein deutscher Sonderweg von der Linie der internationalen Sozialdemokratie zur Verteidigung des abendländischen Vaterlandes abbringen kann.

Von allen Nationalitätenkonflikten, von denen es fast mehr als Nationen gibt, hat sich das NATO-Befriedungskomitee genau den einen ausgesucht. Ausgerechnet in Jugoslawien, dem Land mit der höchsten Sensibilität für nationale Fragen – der Belgrader Plan für ein selbstverwaltetes, multinationales Kosovo ist ein Beispiel dafür – soll ein Minderheitenproblem erstmals durch eine westliche Intervention auf der Basis höchstentwickelter Militärtechnologie entschieden werden. Das kann nur eine barbarische Lösung sein. Eine Lösung, die erstens den albanischen Terrorismus in seinem Wahn zu Separation der Völker begünstigt und die zweitens die albanische Frage gar nicht zum Inhalt hat, sondern allein die Neuordnung der Region nach imperialistischem Gutdünken.

Es geht um den Nachweis, missliebige Staaten unter Ausnutzung innerer Widersprüche ihrer Souveränitätsrechte zu berauben. Die Desintegration Jugoslawiens erfolgte nicht, weil hier der entscheidende Widerstand gegen die neue Weltordnung erwartet wurde. Es ist die Probe aufs Exempel. Das eigentliche Ziel besteht in der völligen Unterwerfung Russlands. Die verbrannte Erde, die die IWF-Reformen in Russland hinterließen, hat ein riesiges Widerstandspotential erzeugt. Dem »Vaterländischen Krieg« der Russen soll präventiv begegnet werden.

 

Heute:

… Wir sollten uns der Dimension dieses Krieges heute wie damals bewußt sein. Wie ein Schlaglicht wird das deutlich in der Weigerung eines britischen Generals, der Weisung der NATO-Oberbefehlshabers Wesley Clark zu entsprechen und den nächsten Weltkrieg durch ein befohlenes Vorgehen gegen russische Streitkräfte zu beginnen. Darum ging es und darum geht es in der Dimension der NATO-Aggression bis heute. Der ordinäre Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien war der Startschuß für den „Krieg, der in diesem Krieg seinen Ausgangspunkt nehmen sollte“. Diejenigen, für die Den Haag eigentlich gedacht war, haben dort bis heute auf der Anklagebank nicht Platz genommen.

 

Augengeradeaus.net: „Vor 20 Jahren: Der erste Kriegseinsatz der Luftwaffe in der NATO

 

Werner Pirker: »Nach der terroristischen Großoffensive gegen die USA läuten sämtliche Kirchenglocken des christlichen Abendlandes. Doch die Botschaft ist keine barmherzige, sondern eine des militanten Christentums. Sie verheißt der arabisch-islamischen Welt Blut und Tränen. Solidarität mit den USA wird nach diesem terroristischen Schwerstverbrechen wieder zur ersten Bürgerpflicht erhoben.«

 

 

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