Monatsarchiv für Oktober 2009

 
 

Friedrich Hölderlin: Friedensfeier


Ich bitte dieses Blatt nur gutmütig zu lesen. So wird es sicher nicht unfaßlich, nochweniger anstößig sein. Sollten aber dennoch einige eine solche Sprache zu wenigkonventionell finden, so muß ich ihnen gestehen: ich kann nicht anders. An einem schönenTage läßt sich ja fast jede Sangart hören, und die Natur, wovon es her ist, nimmtsauch wieder.

Der Verfasser gedenkt dem Publikum eine ganze Sammlung dergleichen Blättern vorzulegen, unddieses soll irgend eine Probe sein davon.


Der himmlischen, still wiederklingenden,
Der ruhigwandelnden Töne voll,
Und gelüftet ist der altgebaute,
Seliggewohnte Saal; um grüne Teppiche duftet
Die Freudenwolk’ und weithinglänzend stehn,
Gereiftester Früchte voll und goldbekränzter Kelche,
Wohlangeordnet, eine prächtige Reihe,
Zur Seite da und dort aufsteigend über dem
Geebneten Boden die Tische.
Denn ferne kommend haben
Hieher, zur Abendstunde,
Sich liebende Gäste beschieden.

Und dämmernden Auges denk’ ich schon,
Vom ernsten Tagwerk lächelnd,
Ihn selbst zu sehn, den Fürsten des Fests.
Doch wenn du schon dein Ausland gern verleugnest,
Und als vom langen Heldenzuge müd,
Dein Auge senkst, vergessen, leichtbeschattet,
Und Freundesgestalt annimmst, du Allbekannter, doch
Beugt fast die Knie das Hohe. Nichts vor dir,
Nur eines weiß ich, Sterbliches bist du nicht.
Ein Weiser mag mir manches erhellen. wo aber
Ein Gott noch auch erscheint,
Da ist doch andere Klarheit.

Von heute aber nicht, nicht unverkündet ist er;
Und einer, der nicht Flut noch Flamme gescheuet,
Erstaunet, da es stille worden, umsonst nicht, jetzt,
Da Herrschaft nirgend ist zu sehn bei Geistern und Menschen.
Das ist, sie hören das Werk,
Längst vorbereitend, von Morgen nach Abend, jetzt erst,
Denn unermeßlich braust, in der Tiefe verhallend,
Des Donnerers Echo, das tausendjährige Wetter,
Zu schlafen, übertönt von Friedenslauten, hinunter.
Ihr aber, teuergewordne, o ihr Tage der Unschuld,
Ihr bringt auch heute das Fest, ihr Lieben! und es blüht
Rings abendlich der Geist in dieser Stille;
Und raten muß ich, und wäre silbergrau
Die Locke, o ihr Freunde!
Für Kränze zu sorgen und Mahl, jetzt ewigen Jünglingen ähnlich.

Und manchen möcht’ ich laden, aber o du,
Der freundlichernst den Menschen zugetan,
Dort unter syrischer Palme,
Wo nahe lag die Stadt, am Brunnen gerne war;
Das Kornfeld rauschte rings, still atmete die Kühlung
Vom Schatten des geweiheten Gebirges,
Und die lieben Freunde, das treue Gewölk,
Umschatteten dich auch, damit der heiligkühne
Durch Wildnis mild dein Strahl zu Menschen kam, o Jüngling!
Ach! aber dunkler umschattete, mitten im Wort, dich
Furchtbarentscheidend ein tödlich Verhängnis. So ist schnell
Vergänglich alles Himmlische; aber umsonst nicht;

Denn schonend rührt des Maßes allzeit kundig
Nur einen Augenblick die Wohnungen der Menschen
Ein Gott an, unversehrt, und keiner weiß es, wenn?
Auch darf alsdann das Freche drüber gehn,
Und kommen muß zum heiligen Ort das Wilde
Von Enden fern, übt rauhbetastend den Wahn,
Und trifft daran ein Schicksal, aber Dank,
Nie folgt der gleich hernach dem gottgegebnen Geschenke;
Tiefprüfend ist es zu fassen.
Auch wär’ uns, sparte der Gebende nicht
Schon längst vom Segen des Herds
Uns Gipfel und Boden entzündet.

Des Göttlichen aber empfingen wir
Doch viel. Es ward die Flamm’ uns
In die Hände gegeben, und Ufer und Meersflut.
Viel mehr, denn menschlicher Weise
Sind jene mit uns, die fremden Kräfte, vertrauet.
Und es lehret Gestirn dich, das
Vor Augen dir ist, doch nimmer kannst du ihm gleichen.
Vom Allebendigen aber, von dem
Viel Freuden sind und Gesänge,
Ist einer ein Sohn, ein Ruhigmächtiger ist er,
Und nun erkennen wir ihn,
Nun, da wir kennen den Vater
Und Feiertage zu halten
Der hohe, der Geist
Der Welt sich zu Menschen geneigt hat.

Denn längst war der zum Herrn der Zeit zu groß
Und weit aus reichte sein Feld, wann hats ihn aber erschöpfet?
Einmal mag aber ein Gott auch Tagewerk erwählen,
Gleich Sterblichen und teilen alles Schicksal.
Schicksalgesetz ist dies, daß alle sich erfahren,
Daß, wenn die Stille kehrt, auch eine Sprache sei.
Wo aber wirkt der Geist, sind wir auch mit, und streiten,
Was wohl das Beste sei. So dünkt mir jetzt das Beste,
Wenn nun vollendet sein Bild und fertig ist der Meister,
Und selbst verklärt davon aus seiner Werkstatt tritt,
Der stille Gott der Zeit und nur der Liebe Gesetz,
Das schönausgleichende gilt von hier an bis zum Himmel.

Viel hat von Morgen an,
Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander,
Erfahren der Mensch; bald sind wir aber Gesang.
Und das Zeitbild, das der große Geist entfaltet,
Ein Zeichen liegts vor uns, daß zwischen ihm und andern
Ein Bündnis zwischen ihm und andern Mächten ist.
Nicht er allein, die Unerzeugten, Ew’gen
Sind kennbar alle daran, gleichwie auch an den Pflanzen
Die Mutter Erde sich und Licht und Luft sich kennet.
Zuletzt ist aber doch, ihr heiligen Mächte, für euch
Das Liebeszeichen, das Zeugnis
Daß ihrs noch seiet, der Festtag,

Der Allversammelnde, wo Himmlische nicht
Im Wunder offenbar, noch ungesehn im Wetter,
Wo aber bei Gesang gastfreundlich untereinander
In Chören gegenwärtig, eine heilige Zahl
Die Seligen in jeglicher Weise
Beisammen sind, und ihr Geliebtestes auch,
An dem sie hängen, nicht fehlt; denn darum rief ich
Zum Gastmahl, das bereitet ist,
Dich, Unvergeßlicher, dich, zum Abend der Zeit,
O Jüngling, dich zum Fürsten des Festes; und eher legt
Sich schlafen unser Geschlecht nicht,
Bis ihr Verheißenen all,
All ihr Unsterblichen, uns
Von eurem Himmel zu sagen.
Da seid in unserem Hause.

Leichtatmende Lüfte
Verkünden euch schon,
Euch kündet das rauchende Tal
Und der Boden, der vom Wetter noch dröhnet,
Doch Hoffnung rötet die Wangen,
Und vor der Türe des Hauses
Sitzt Mutter und Kind,
Und schauet den Frieden
Und wenige scheinen zu sterben
Es hält ein Ahnen die Seele,
Vom goldnen Lichte gesendet,
Hält ein Versprechen die Ältesten auf.

Wohl sind die Würze des Lebens,
Von oben bereitet und auch
Hinausgeführet, die Mühen.
Denn alles gefällt jetzt,
Einfältiges aber
Am meisten, denn die langgesuchte,
Die goldne Frucht,
Uraltem Stamm
In schütternden Stürmen entfallen,
Dann aber, als liebstes Gut, vom heiligen Schicksal selbst,
Mit zärtlichen Waffen umschützt,
Die Gestalt der Himmlischen ist es.

Wie die Löwin, hast du geklagt,
O Mutter, da du sie,
Natur, die Kinder verloren.
Denn es stahl sie, Allzuliebende, dir
Dein Feind, da du ihn fast
Wie die eigenen Söhne genommen,
Und Satyren die Götter gesellt hast.
So hast du manches gebaut,
Und manches begraben,
Denn es haßt dich, was
Du, vor der Zeit
Allkräftige, zum Lichte gezogen.
Nun kennest, nun lässest du dies;
Denn gerne fühllos ruht,
Bis daß es reift, furchtsamgeschäftiges drunten.


Friedrich Hölderlin



Die Waldorf-Aktion Lebensborn hat wieder einmal zugeschlagen: Kuriosester Buchtitel 2009 …


… ist: DAS LEBEN IST KEINE WALDORFSCHULE

Kurios – indeed. – Aber was!?


DIMITRI!!!

 

 


Schönheit von Kunst und Literatur …


Schönheit von Kunst und Literatur hat etwas mit Liebe zu tun, die stärker ist als der Hass.

 

Aus einem Banater Diskussionsforum über den Literaturnobelpreis für Herta Müller

 


Schweizer Nazis gibt es nicht …


Der Nationalismus feiert auch im Springer-Blätterwald leider “fröhliche Urständ”. So schreibt DIE WELT unter der Überschrift POLEN UND EIN PROBLEM MIT HERTA MÜLLER:

… Doch es gibt in puncto Müller nicht nur Verbindendes. Es geht nicht nur um Rumänien, sondern auch, horribile dictu, um Deutschland. Das ruft uns die konservative Warschauer „Rzeczpospolita“ in Erinnerung. Bei allem Respekt vor Müllers Biografie: Die Entscheidung von Stockholm beweise „historische und politische Ignoranz“. Gebe es nicht menschliche Tragödien genug in der Gegenwart?

Und in der Vergangenheit erst recht: „Ich kann nicht der Erinnerung an mein Familienschicksal treu bleiben und mich vor dem Leid der Angehörigen von SS-Leuten verneigen“, schreibt der in den Siebzigerjahren geborene Redakteur unter Anspielung auf Herta Müllers Vater. Sein Mitleid, so der Autor, gelte vor allem den Opfern der Deutschen. …

Der Springer-Verlag ist “klug genug”, um sich ab und zu einen “Schweizer Söldner” wie neulich Roger Köppel als Chefredaktor der WELT einzukaufen. Deshalb hat man es dort auch nötig, sofort Kommentare dazu wie meinen …

16.10.2009,  10:31 Uhr
Gunther Thriene sagt:
WARUM NUR, warum, reitet denn Roger Köppels letzte Dienststelle in Berlin jetzt auch noch auf diesem billigsten Nationalismus-Tripp mit – und bläst – wie alle Jesuitenzöglinge incl. Williamson und Anhänger – ins gleiche Horn!?

… nach spätestens fünf Minuten zu löschen.

Und das noch: Etwa 2000 Schweizer dienten nach verläßlichen Aussagen eines Schweizers freiwillig als Söldner in Hitlers Wehrmacht.

Mehr noch vermerkt ein Beitrag des Schweizers Fernsehens zur Schweizer Schutz-Staffel für NS-Verbrecher noch nach dem Krieg – und ohne Not – über Uki Gonis lesenswertes Buch über die Organisation ODESSA.

Wozu hat Friedrich Schiller den Eidgenossen den WILHELM TELL geschrieben!?!


Gunther Thriene

 


 

Die wahren Rassisten sind erkannt …


… keine Frage(!) …

 


“Sag nicht, es ist für’s Vaterland.”


Zu hohe Denk-Kunst für “Verteidigungsminister” – und andere Politiker(!?):


Ich kann es nicht begreifen, daß nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Ich kann es nie begreifen und finde es entsetzlich. Sag nicht, es ist für´s Vaterland.

Sophie Scholl, 05. Mai 1939


Aus: DAMIT WIR UNS NICHT VERLIEREN, Fritz Hartnagel, Sophie Scholl, Briefwechsel 1937 – 1943, Frankfurt/Main 2005



“Wie westliche Finanzeliten dem Dritten Reich den Weg bereiteten …”

 

… und es wieder und immer wieder versuchen – muss man hinzufügen:


Guido Giacomo Preparata, ein in Boston geborener Italiener und in den USA, Frankreich und Italien aufgewachsen, war bis 2008 Assistenzprofessor für Volkswirtschaft an der Universität von Tacoma (Bundesstaat Washington) und hat im Jahr 2005 ein außerordentlich wichtiges Buch mit dem Titel Conjuring Hitler – How Britain and America made the Third Reich veröffentlicht. Er beleuchtet darin die Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus einem anderen als dem üblichen Blickwinkel und zeigt, wie die Politik Großbritanniens und der USA von Anfang an darauf ausgerichtet war, Deutschland als mögliches Hindernis gegenüber westlichen Herrschaftsbestrebungen auszuschalten. Mitteleuropa sollte keine unabhängige und eigenständige Rolle spielen dürfen, sondern dem Westen einverleibt werden. Unter allen Umständen wollten die westlichen Eliten verhindern, dass es zu einer Annäherung Deutschlands und Russlands käme, weil das ihren Zielen der Beherrschung des eurasischen Kontinents diametral entgegengesetzt gewesen wäre. Preparata greift auch die Forschungen Antony Suttons auf, dessen verdienstvolle Publikation Wall Street und der Aufstieg Hitlers Ende 2008 im Perseus Verlag erstmals auf Deutsch erschienen ist, rund 33 Jahre nach der englischen Originalausgabe 1976. Während sich Sutton in seiner Untersuchung jedoch auf die Zeit ab etwa Mitte der Zwanziger Jahre beschränkt, setzt Preparata schon bei der Jahrhundertwende um 1900 ein. Bisher ist das Buch nur auf Englisch erhältlich, doch wird der Perseus Verlag noch im Jahr 2009 eine deutsche Ausgabe veröffentlichen, der möglichst viele Leser zu wünschen sind. …

 

Weiter auf der schweizer Verlagsseite hier (6 Seiten PDF) …