Archiv der Kategorie ‘“Kunst macht sichtbar.”‘

 
 

“… ich bin die Abrissbirne für die deutsche Szene …”


Wie das!?

 

… Ich kaufe mir Baumaschinen, Bagger und Walzen und Kräne.
Stürze mich auf Berlin und drück auf die Sirene.
Ich baue schöne Boxentürme, Bässe massieren eure Seele.
Ich bin die Abrissbirne für die d-d-d-deutsche Szene. …


 

 

Hölderlin: Unter den Alpen gesungen

 

Unter den Alpen gesungen


Heilige Unschuld, du der Menschen und der
Götter liebste vertrauteste! du magst im
Hause oder draußen ihnen zu Füßen
      Sitzen, den Alten,

Immerzufriedner Weisheit voll; denn manches
Gute kennet der Mann, doch staunet er, dem
Wild gleich, oft zum Himmel, aber wie rein ist
      Reine, dir alles!

Siehe! das rauhe Tier des Feldes, gerne
Dient und trauet es dir, der stumme Wald spricht
Wie vor Alters, seine Sprüche zu dir, es
      Lehren die Berge

Heil’ge Gesetze dich, und was noch jetzt uns
Vielerfahrenen offenbar der große
Vater werden heißt, du darfst es allein uns
      Helle verkünden.

So mit den Himmlischen allein zu sein, und
Geht vorüber das Licht, und Strom und Wind, und
Zeit eilt hin zum Ort, vor ihnen ein stetes
      Auge zu haben,

Seliger weiß und wünsch’ ich nichts, so lange
Nicht auch mich, wie die Weide, fort die Flut nimmt,
Daß wohl aufgehoben, schlafend dahin ich
      Muß in den Wogen;

Aber es bleibt daheim gern, wer in treuem
Busen Göttliches hält, und frei will ich, so
Lang ich darf, euch all’, ihr Sprachen des Himmels!
      Deuten und singen.

 

Friedrich Hölderlin, 1801 in Hauptwil/Thurgau/Schweiz

 


Die Weltgeschichte – fast schon in anthroposophischer Beleuchtung …

 

… Die Geschichte fragt nicht nach dem Stand der Debatte über sie. Das ist eine der größten Kränkungen, die der aufgeklärte deutsche Intellektuelle zu verarbeiten hat. Sein Wohlverhalten der eigenen Ideologie gegenüber hat ihn ein ganzes Jahrhundert lang keinen Zentimeter weiter gebracht. Und ihm auch keinen Zentimeter Erkenntnis beschert. So begreift er sich weiterhin als Verhandlungsführer unserer Öffentlichkeit mit den Verächtern und Gegnern unserer Werte und unserer Freiheit, und ist gleichzeitig der staatlich subventionierte Fundamentaloppositionelle. …

Aus: Richard Wagner, Die goldene Schere im Kopf

 


Maya …

 

 

 

Rainer Maria Rilke: Königslied



KÖNIGSLIED

 

Darfst das Leben mit Würde ertragen,

nur die Kleinlichen macht es klein;

Bettler können dir Bruder sagen,

und du kannst doch ein König sein.

 

Ob dir der Stirne göttliches Schweigen

auch kein rotgoldener Reif unterbrach,-

Kinder werden sich vor dir neigen,

selige Schwärmer staunen dir nach.

 

Tage weben aus leuchtender Sonne

dir deinen Purpur und Hermelin,

und, in den Händen Wehmut und Wonne,

liegen die Nächte vor dir auf den Knien …

 

          R.M. Rilke (1896)

 


Man muss bereit sein, alles zu verlieren …


… PARTITUREN Und wie viel Freiheit bietet der Moment der Aufführung?

GRIMAUD Man muss offen sein für alles, was passieren könnte. Indem du an einem Stück arbeitest, über es reflektierst und versuchst, es mit deinem Herzen zu verbinden, erhöhst du die Chancen, dass das Unerwartete eintreten wird. Das ist auch angsteinflößend. Beim Auftreten versucht man, alles unter Kontrolle zu haben, auf Nummer sicher zu gehen, denn das ist natürlich angenehmer. Aber es ist unkreativ. Man muss in der Lage sein, Risiken einzugehen, und zwar so, dass man bereit ist, alles zu verlieren, nur um das zu gewinnen, was man ohne dieses Risiko nicht erreichen könnte. …

 

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Erika Beltle: Jahresbeginn

 

 

Jahresbeginn

Aufgetan ist das Tor,
und dein Fuss tastet ins Ungewisse.
Niemand geht vor,
aber du fühlst, dich führt eine Spur durch Licht und
Finsternisse.
Niemand geht mit,
aber vertraut ist deinem Ohr ein jeder Schritt.
Wanderer, du gehst immerzu -
weisst du wie weit?
“Zur Ewigkeit -
ohne Rast und Ruh,
auf Erdenwegen dem Ziele zu,
mir immer entgegen…….”

Erika Beltle

 


 

Sofia Gubaidulina’s “Seven Words” performed in Eurythmy …

 

 

 

Zu Friedrich Schillers 250. Geburtstag …


Durch die Schönheit wird der sinnliche Mensch zur Form und zum Denken geleitet; durch die Schönheit wird der geistige Mensch zur Materie zurückgeführt und der Sinnenwelt wieder gegeben.

 

Friedrich Schiller am Anfang seines 18. Stücks seiner ästhetischen Briefe

Seinem Verleger Cotta schreibt er dazu am 09. Januar 1795:

Durch die Briefe ››Über die ästhetische Erziehung des Menschen‹‹, welche sich über die ganze Kunsttheorie … verbreiten – sie muss ich für das beßte erklären, was ich je gemacht habe und was ich überhaupt hervorbringen kann -, hoffe ich zur Unsterblichkeit zu gehen.

 


 

Friedrich Hölderlin: Friedensfeier


Ich bitte dieses Blatt nur gutmütig zu lesen. So wird es sicher nicht unfaßlich, nochweniger anstößig sein. Sollten aber dennoch einige eine solche Sprache zu wenigkonventionell finden, so muß ich ihnen gestehen: ich kann nicht anders. An einem schönenTage läßt sich ja fast jede Sangart hören, und die Natur, wovon es her ist, nimmtsauch wieder.

Der Verfasser gedenkt dem Publikum eine ganze Sammlung dergleichen Blättern vorzulegen, unddieses soll irgend eine Probe sein davon.


Der himmlischen, still wiederklingenden,
Der ruhigwandelnden Töne voll,
Und gelüftet ist der altgebaute,
Seliggewohnte Saal; um grüne Teppiche duftet
Die Freudenwolk’ und weithinglänzend stehn,
Gereiftester Früchte voll und goldbekränzter Kelche,
Wohlangeordnet, eine prächtige Reihe,
Zur Seite da und dort aufsteigend über dem
Geebneten Boden die Tische.
Denn ferne kommend haben
Hieher, zur Abendstunde,
Sich liebende Gäste beschieden.

Und dämmernden Auges denk’ ich schon,
Vom ernsten Tagwerk lächelnd,
Ihn selbst zu sehn, den Fürsten des Fests.
Doch wenn du schon dein Ausland gern verleugnest,
Und als vom langen Heldenzuge müd,
Dein Auge senkst, vergessen, leichtbeschattet,
Und Freundesgestalt annimmst, du Allbekannter, doch
Beugt fast die Knie das Hohe. Nichts vor dir,
Nur eines weiß ich, Sterbliches bist du nicht.
Ein Weiser mag mir manches erhellen. wo aber
Ein Gott noch auch erscheint,
Da ist doch andere Klarheit.

Von heute aber nicht, nicht unverkündet ist er;
Und einer, der nicht Flut noch Flamme gescheuet,
Erstaunet, da es stille worden, umsonst nicht, jetzt,
Da Herrschaft nirgend ist zu sehn bei Geistern und Menschen.
Das ist, sie hören das Werk,
Längst vorbereitend, von Morgen nach Abend, jetzt erst,
Denn unermeßlich braust, in der Tiefe verhallend,
Des Donnerers Echo, das tausendjährige Wetter,
Zu schlafen, übertönt von Friedenslauten, hinunter.
Ihr aber, teuergewordne, o ihr Tage der Unschuld,
Ihr bringt auch heute das Fest, ihr Lieben! und es blüht
Rings abendlich der Geist in dieser Stille;
Und raten muß ich, und wäre silbergrau
Die Locke, o ihr Freunde!
Für Kränze zu sorgen und Mahl, jetzt ewigen Jünglingen ähnlich.

Und manchen möcht’ ich laden, aber o du,
Der freundlichernst den Menschen zugetan,
Dort unter syrischer Palme,
Wo nahe lag die Stadt, am Brunnen gerne war;
Das Kornfeld rauschte rings, still atmete die Kühlung
Vom Schatten des geweiheten Gebirges,
Und die lieben Freunde, das treue Gewölk,
Umschatteten dich auch, damit der heiligkühne
Durch Wildnis mild dein Strahl zu Menschen kam, o Jüngling!
Ach! aber dunkler umschattete, mitten im Wort, dich
Furchtbarentscheidend ein tödlich Verhängnis. So ist schnell
Vergänglich alles Himmlische; aber umsonst nicht;

Denn schonend rührt des Maßes allzeit kundig
Nur einen Augenblick die Wohnungen der Menschen
Ein Gott an, unversehrt, und keiner weiß es, wenn?
Auch darf alsdann das Freche drüber gehn,
Und kommen muß zum heiligen Ort das Wilde
Von Enden fern, übt rauhbetastend den Wahn,
Und trifft daran ein Schicksal, aber Dank,
Nie folgt der gleich hernach dem gottgegebnen Geschenke;
Tiefprüfend ist es zu fassen.
Auch wär’ uns, sparte der Gebende nicht
Schon längst vom Segen des Herds
Uns Gipfel und Boden entzündet.

Des Göttlichen aber empfingen wir
Doch viel. Es ward die Flamm’ uns
In die Hände gegeben, und Ufer und Meersflut.
Viel mehr, denn menschlicher Weise
Sind jene mit uns, die fremden Kräfte, vertrauet.
Und es lehret Gestirn dich, das
Vor Augen dir ist, doch nimmer kannst du ihm gleichen.
Vom Allebendigen aber, von dem
Viel Freuden sind und Gesänge,
Ist einer ein Sohn, ein Ruhigmächtiger ist er,
Und nun erkennen wir ihn,
Nun, da wir kennen den Vater
Und Feiertage zu halten
Der hohe, der Geist
Der Welt sich zu Menschen geneigt hat.

Denn längst war der zum Herrn der Zeit zu groß
Und weit aus reichte sein Feld, wann hats ihn aber erschöpfet?
Einmal mag aber ein Gott auch Tagewerk erwählen,
Gleich Sterblichen und teilen alles Schicksal.
Schicksalgesetz ist dies, daß alle sich erfahren,
Daß, wenn die Stille kehrt, auch eine Sprache sei.
Wo aber wirkt der Geist, sind wir auch mit, und streiten,
Was wohl das Beste sei. So dünkt mir jetzt das Beste,
Wenn nun vollendet sein Bild und fertig ist der Meister,
Und selbst verklärt davon aus seiner Werkstatt tritt,
Der stille Gott der Zeit und nur der Liebe Gesetz,
Das schönausgleichende gilt von hier an bis zum Himmel.

Viel hat von Morgen an,
Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander,
Erfahren der Mensch; bald sind wir aber Gesang.
Und das Zeitbild, das der große Geist entfaltet,
Ein Zeichen liegts vor uns, daß zwischen ihm und andern
Ein Bündnis zwischen ihm und andern Mächten ist.
Nicht er allein, die Unerzeugten, Ew’gen
Sind kennbar alle daran, gleichwie auch an den Pflanzen
Die Mutter Erde sich und Licht und Luft sich kennet.
Zuletzt ist aber doch, ihr heiligen Mächte, für euch
Das Liebeszeichen, das Zeugnis
Daß ihrs noch seiet, der Festtag,

Der Allversammelnde, wo Himmlische nicht
Im Wunder offenbar, noch ungesehn im Wetter,
Wo aber bei Gesang gastfreundlich untereinander
In Chören gegenwärtig, eine heilige Zahl
Die Seligen in jeglicher Weise
Beisammen sind, und ihr Geliebtestes auch,
An dem sie hängen, nicht fehlt; denn darum rief ich
Zum Gastmahl, das bereitet ist,
Dich, Unvergeßlicher, dich, zum Abend der Zeit,
O Jüngling, dich zum Fürsten des Festes; und eher legt
Sich schlafen unser Geschlecht nicht,
Bis ihr Verheißenen all,
All ihr Unsterblichen, uns
Von eurem Himmel zu sagen.
Da seid in unserem Hause.

Leichtatmende Lüfte
Verkünden euch schon,
Euch kündet das rauchende Tal
Und der Boden, der vom Wetter noch dröhnet,
Doch Hoffnung rötet die Wangen,
Und vor der Türe des Hauses
Sitzt Mutter und Kind,
Und schauet den Frieden
Und wenige scheinen zu sterben
Es hält ein Ahnen die Seele,
Vom goldnen Lichte gesendet,
Hält ein Versprechen die Ältesten auf.

Wohl sind die Würze des Lebens,
Von oben bereitet und auch
Hinausgeführet, die Mühen.
Denn alles gefällt jetzt,
Einfältiges aber
Am meisten, denn die langgesuchte,
Die goldne Frucht,
Uraltem Stamm
In schütternden Stürmen entfallen,
Dann aber, als liebstes Gut, vom heiligen Schicksal selbst,
Mit zärtlichen Waffen umschützt,
Die Gestalt der Himmlischen ist es.

Wie die Löwin, hast du geklagt,
O Mutter, da du sie,
Natur, die Kinder verloren.
Denn es stahl sie, Allzuliebende, dir
Dein Feind, da du ihn fast
Wie die eigenen Söhne genommen,
Und Satyren die Götter gesellt hast.
So hast du manches gebaut,
Und manches begraben,
Denn es haßt dich, was
Du, vor der Zeit
Allkräftige, zum Lichte gezogen.
Nun kennest, nun lässest du dies;
Denn gerne fühllos ruht,
Bis daß es reift, furchtsamgeschäftiges drunten.


Friedrich Hölderlin



Schönheit von Kunst und Literatur …


Schönheit von Kunst und Literatur hat etwas mit Liebe zu tun, die stärker ist als der Hass.

 

Aus einem Banater Diskussionsforum über den Literaturnobelpreis für Herta Müller

 


“Der Dämon / Wechselt bei dir mit dem Schwein ab …”


Der Dämon / Wechselt bei dir mit dem Schwein ab, und das nennest du Mensch.

 

Goethe und Schiller in ihren Xenien 1796

 


Wie verwahrt sich der Künstler vor den Verderbnissen seiner Zeit?


Wie verwahrt sich aber der Künstler vor den Verderbnissen seiner Zeit, die ihn von allen Seiten umfangen? Wenn er ihr Urteil verachtet. Er blicke aufwärts nach seiner Würde und dem Gesetz, nicht niederwärts nach dem Glück und nach dem Bedürfnis …; er aber strebe, auf dem Bunde des Möglichen mit dem Notwendigen das Ideal zu erzeugen. Dieses präge er aus in Täuschung und Wahrheit, präge es in die Spiele seiner Einbildungskraft und in den Ernst seiner Taten, präge es aus in allen sinnlichen und geistigen Formen und werfe es schweigend in die unendliche Zeit.

 

Friedrich Schiller im neunten Stück seiner ästhetischen Briefe

 


“Rolf Hochhuth: Wowereit mit Hitler verglichen”


… titelt FOCUS – und kanzelt dann mehr oder weniger Rolf Hochhuth ab. Man kann zu Hochhuths Werk stehen wie man will: Ohne ihn wären die machtheischenden Machenschaften der Päpste als Steigbügelhalter der Nazis und anderer rechter Regime nur Wenigen deutlich geworden …

Tatsache ist auch, dass der Deutschen nur noch kriminell zu nennende Kultur- und Bildungspolitik einem Hochverrat eines Volkes an sich selbst gleichkommt, was der Bürger aber eigentlich seit Nietzsches Feststellung von der “Extirpation des deutschen Geistes zu gunsten des deutschen Reiches” wissen könnte.

Gestern las ich als Untertitel einer (deutschen) Webseite:

ES IST NICHT UNGEFÄHRLICH, WENN EIN VOLK LESEN UND SCHREIBEN KANN.

Da stellt sich die Frage, was dieser Autor uns Deutschen sagen will. – Und: Denken können wäre manchmal ooch nich schlecht, waah(?!) …


Gunther Thriene

 


Demokratie und Freiheit missbraucht …


Der Dirigent Claudio Abbado:

“Wenn ich im Ausland oder sonst wo von Italien spreche, dann rede ich nicht von den Regierenden, sondern darüber, was hier meiner Meinung nach nicht stimmt. Immer öfter werden die Begriffe Demokratie und Freiheit falsch gebraucht, so wie es einem gerade in den Kram passt.”

Mehr Verständnis für das Fremde
Abbado ist mit von der Partie. Und zusammen mit ihm Martha Argerich und Daniel Barenboim, Hélène Grimaud und Dutzende von Musikern der bekanntesten italienischen und auch europäischen Orchester: der Accademia di Santa Cecilia, der Wiener Philharmoniker, des Opernhauses La Fenice in Venedig, des San Carlo in Neapel und vieler anderer. So entstand das “Human Right Orchestra”, kurz HRO.

Die Künstler wollen mit ihrem Engagement für mehr Verständnis den Fremden gegenüber aufrufen, die nach Italien und sonst wohin in Europa kommen. Auf der Suche nach einem neuen, einem besseren Leben. So wurde in Rom, im Senat, der ersten Kammer des italienischen Parlaments, die Initiative “Musicisti senza frontiere”, Musiker ohne Grenzen, aus der Taufe gehoben.

Daniel Barenboim, einer der Schirmherren der Initiative, meint: “Es gibt eine Menge an Rechten zu verteidigen. Unsere Regierungen haben vielleicht gar nicht mehr die Zeit, angesichts so vieler anderer Probleme, wie zum Beispiel der Wirtschaftskrise, sich um die Flüchtlinge zu kümmern, so, wie es eigentlich sein sollte. Deshalb es ist unsere Verpflichtung als Künstler und Privatpersonen uns hier einzusetzen.” …

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DIE SCHWARZE SPINNE …

 

An Zeiten, in denen sich die Sieben freien Künste noch gegenseitig forderten und förderten zum Wohle der Menschheit – heute missbraucht solches Ansinnen die Politik in menschheitsverbrecherischer Weise – …

Basler-Kopp: Die Schwarze Spinne

                                                                                                                             … erinnert dieses Bild des Malers Franz Karl Basler-Kopp im Kunstmuseum Luzern.

Der Titel und das Motiv dazu ist die Novelle Jeremias Gotthelf`s DIE SCHWARZE SPINNE aus dem Jahre 1842.

Wenn Politiker von Fordern und Fördern schwadronieren, ist diese schwarze Spinne weltweit allgegenwärtig, denn was – bitteschön – befördert diese Politik!? – Das niederste Arbeits- und Steuersklaventum, – wenns noch ganz hochkommt!

So sieht sich Mitteleuropa seit nunmehr weit über hundert Jahren seinen eigenen kulturellen Verfall und seine Zerstörung fatalistisch an, ohne gegenzusteuern.

Dazu müsste man ja etwas können.

 

Gunther Thriene

 


Zum 20. Juli 1944 …

 

 

Du bist bei mir,

Wenn auch Dein Leib verging,

Und immer ist’s, als ob

Dein Arm mich noch umfing.


Dein Auge strahlt mir zu

Im Wachen und im Traum

Dein Mund neigt sich zu mir,

Dein Flüstern schwingt im Raum:


»Geliebtes Kind! Sei stark,

Sei Erbe mir!

Wo Du auch immer bist,

Ich bin bei Dir!«


Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg

in der Isolations-Sippenhaft im KZ Ravensbrück Herbst/Winter 1944/45, Nachweis hier, Seite 215f.


 


Monte Verità – oder: Bilder und Gegenbilder


Eine Ausstellung zum Thema „Freie Liebe und Anarchie. Schwabing – Monte Verità. Entwürfe gegen das etablierte Leben“ zeigt die Monacensia (Maria-Theresia-Straße 23 in München- Schwabing) vom 1. Juli bis 13. November 2009.


Hans Arp: "Roue Oriflamme" oder "Goldflammendes Rad"

Hans Arp: “Roue Oriflamme” oder “Goldflammendes Rad”


Dazu schreibt die Siebenbürger Zeitung u.a.:

… Der Berg hatte sich gewandelt. Was als lebensreformerische Praxis begonnen hatte – Vegetarismus, Nacktkultur, freie Liebe, Selbstarbeit, Gartenbau, Gleichberechtigung der Frau, Abbau von Herrschaft –, suchte nun seine geistige Verankerung in Theosophie, Anthroposophie, Philosophie, Dichtung und Kunst. Ida Hofmann etwa, zunächst Feministin und Darwinistin, mauserte sich zur Theosophin und Freimaurerin. Gusto Gräser ging seine eigenen Wege. Sein Aufenthalt auf dem Berg dauerte nicht allzulang. Die „vernünftigen“ Anpasser, die Kompromissbereiten warfen ihn hinaus. Gusto wanderte weiter als der wandelnde und leibhaftige „Berg der Wahrheit“. Andere, die Sesshaften, eben jene, die meinten, in einer maßvollen Anpassung ans Übliche Sicherheit zu finden, gingen zugrunde. So auch Karl, der sich ein Besitztum schuf und seinem aus dem Haus vertriebenen Bruder Gusto schrieb: „Dein Streben scheint mir nicht schlecht, im Gegentheil, aber himmelschreiend maßlos und darum eitel, unwahr, unwirklich. Ohne Besitz kannst Du ja nicht leben. Du bist ein von Schönheit und Güte Besessener.“

Karl starb vierundvierzigjährig im Irrenhaus, seine Lebensgefährtin Jenny Hofmann starb im Irrenhaus. Der verbürgerlichte Bruder Ernst starb sechzigjährig an Krebs. Ida Hofmann starb zweiundsechzigjährig in Brasilien. Nur der besitzlose, allseits verachtete und vertriebene Gusto überlebte, wurde trotz äußerster Not in ungeminderter Schaffenskraft achtzig Jahre alt. Der Aufstieg zum Monte Verità war kein Spaziergang gewesen, die Suche nach neuen Lebensformen forderte ihre Opfer. Die Wenigen, die sich diesem „Narrenhaus“ zu nähern wagten, die Dichter, Denker und Künstler, waren klug genug, ihre Besuche und die Wurzel ihrer Erkenntnisse geheim zu halten. Anonym und verschlüsselt, in Gedichten, Romanen und Aktionen, verbreitete sich die Botschaft vom Berg, überlebte im Untergrund und tauchte in den Siebzigerjahren, plötzlich aktuell geworden, wieder an die Oberfläche: als Alternativbewegung, als Umwelt- und Friedensbewegung. Jetzt erwies sich: Die „Narren“ von einst hatten die Zukunft vorweggenommen.

Drei Bücher, die man „Bibeln“ genannt hat, stehen stellvertretend für die Wirkungen, die vom Berg der Siebenbürger ausgingen: Ernst Blochs (des damals noch antibolschewistischen Philosophen) Geist der Utopie, 1917 in Locarno-Monti im Hause Neugeboren abgeschlossen, wurde als „Bibel des Expressionismus“ gefeiert. Hermann Hesses Roman Demian, in dem er seinem Freund und Lehrer Gusto Gräser ein Denkmal setzt, machte als „Bibel der Jugendbewegung“ Furore. Rudolf von Labans Die Welt des Tänzers von 1920, in dem er seine auf dem Monte Verità gewachsene Tanzphilosophie entwirft, galt bald als „Bibel des Ausdruckstanzes“. Drei Grundthemen des Berges sind damit angedeutet: der nie erlahmende Mut zur Utopie, die Suche nach dem eigenen Selbst, die ekstatische Hingabe ans Hier und Jetzt im Bild des zum Tanz begeisterten Leibs.

Gräser, der Unbehauste, Verlachte, der Kriegsdienstverweigerer, der Mystiker, der prophetische Dichter, dessen Werk erst jetzt aus der Versenkung auftaucht – er wird schon heute in Romanen, Gedichten, Liedern, Theaterstücken, Ausstellungen und Filmen als ein Bahnbrecher gefeiert. Man sieht ihn als den „Gandhi des Westens“ oder als „Urvater der Grünen“. In Boston wurde 1993 eine Oper uraufgeführt, in der er „in einer finalen Apotheose durch das von zwei Weltkriegen verwüstete Europa wandert als lebendiger Geist des Widerstands“. Er hat den „Berg der Wahrheit“ nicht nur überlebt, er hat ihn höhergebaut in Wort und Tat.

Hermann Müller


Man ‘google’ einmal zu Gusto Gräser – und man trifft auf eine ähnliche Symptomatologie wie bei Joseph Beuys etcetc. …


Gunther Thriene

 


 

Buchenwald – oder: Das goethische Versprechen …

 

Wer um die weltgeschichtliche Tragik dieses Ortes weiss, wird still und ehrfürchtig:

Besagter Gedenkort eines Menschheitsverbrechens ist das weltgeschichtliche Gegenbild eines hier quasi künstlerisch geborenen zukünftigen Menschenbildes von weltkultureller Bedeutung:

Während die hohe Politik dieses Mahnmal besucht, schreibt die berliner Schaubühne am Lehniner Platz zu ihrer Neuinszenierung von Goethes Iphigenie auf Tauris:

Für Thomas Mann gab es, bevor er die Partitur von »Tristan und Isolde« sah, nur ein perfektes Kunstwerk in der Welt: Goethes »Iphigenie auf Tauris«. Die beängstigende Ausgewogenheit, in die Goethe den blutigen Mythos der letzten Nachkommen des Tantaliden Geschlechts gebracht hat, provoziert jede Epoche neu, sich über das Verhältnis von Barbarei und Kunst zu verständigen. Die Handlung ist bis zur Unverständlichkeit grausam. Die Sprache, in der diese Gewalt sich vollzieht, ist bis zur Unverständlichkeit hochgestimmte Weltliteratur.
Iphigenie lebt nach ihrer wundersamen Rettung vor der Opferung durch ihren Vater im feindlichen Tauris. Dort regiert ein grausames Gesetz, dass den Tod jedes Fremden befiehlt. Im laufe der Jahre ihrer dortigen Gefangenschaft gewinnt Iphigenie das Herz des Herrschers Thoas und kann als Priesterin für die Gestrandeten Gnade erwirken. Doch Thoas will sich mit der Milde seiner gefangenen Priesterin nicht mehr begnügen, er fordert ihre Liebe nun ganz für sich. Zugleich wird die Gefangennahme zweier Männer verkündet, deren baldige Opferung der Preis sein soll, wenn Iphigenie sich länger seinem Begehren entzieht. Die Gefangenen, Orest und Pylades, sind auf der Flucht vor den Rachegöttinnen, die den Muttermord an Orest rächen wollen. Die lange getrennten Geschwister, Iphigenie und Orest, erkennen sich hinter den Masken ihrer Leiden nur mühsam wieder. Gemeinsam entwerfen sie einen Plan, wie sie aus der Gefangenschaft ihrer blutigen Familiengeschichte ebenso wie aus der Gefahr, von Thoas getötet zu werden, entfliehen können.
In den schönsten Jamben der deutschen Literatur entfaltet sich die Geschichte der gefangenen Kinder, die in einer Welt leben, in der Goethes Weimar in der Nachbarschaft von Buchenwald liegt.

Mit Thomas Manns Urteil erstem Teil einig – und dies auch durch keinen einzigen Wagner-Knecht dieser Welt revidieren lassen wollend -, weist uns Goethe in seiner Iphigenie doch auf eine, nein,  d i e  Erlösungsmöglichkeit bisher tragischen Schicksals hin.

Iphigenie zu ihrem Herrscher Thoas, der sie und ihren erkannten Bruder Orest töten könnte:

“… Rettet mich – Und rettet euer Bild in meiner Seele.”

Die Künstler in Berlin, die sich getrauen, gerade dieses Schauspiel jetzt in der deutschen Bundeshauptstadt aufzuführen, zeigen damit auf, dass es einen kulturellen Impuls gibt, der erst zukünftig verwirklicht werden muss. Sie retten Seelenbilder machtpolitisch schrecklich missbrauchten Deutschtums.

Es gibt dazu eigentlich keine Alternative. Buchenwald ist das treffende Mahnmal für weltgeschichtliches Versagen. – Goethes Iphigenie aber ist die ewige Schule für Menschlichkeit.

Barack Obama zumindest ahnt das …

 

Gunther Thriene

 

 

“St. Michaels Sieg …”

 

 

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… aus machtloser Kraft.

 

Coventry Cathedral, 1958

 

Der Künstler: Jacob Epstein



Das Karma des anthroposophischen Buchhändlers …


Es gibt Tage wie diese Anfang März 2009, da treffen Bühnenkunst und Wirklichkeit manchmal so kongenial zusammen, dass man Maler Gott ehren und loben muss:

Michael Thalheimer verabschiedet sich mit einem runden “Reigen” vom Hamburger Thalia Theater“, schreibt DIE WELT und beschreibt, wie der Regisseur Arthur Schnitzlers Werk auf die Bühne bringt. – In Zeiten der Hollywood-Konkurrenz und werkimmanent gut begründet natürlich mit Sex …

Nun beginnt gerade heute ein Prozess um Sex und Big Money, so als wäre die Wirklichkeit der verlängerte Arm der theatralischen Bühne: Schiller lacht!

Anstatt des armen Sgarbi-Bürschlis aus Uznach SG/Schweiz könnte auch ein basler anthroposophischer Buchhändler heute vor Gericht auf der Anklagebank sitzen. Der aber hatte das Angebot Ernani Barettas, des Gurus der Sex-Erpressersekte, damals vor Jahren in Basel in seiner Wohnung abgelehnt – o.s.ä. …

Etwa drei Jahre später nämlich starb dieser Buchhändler anthroposophischer Bücher – und überlegt sich seitdem im Himmel, ob es nicht auch an der Zeit sei, die Bücher lesen zu lernen, die man(n) so tagtäglich verkauft …

Wünschen wir ihm, dem vom Leben der Anklagebank entzogenen Fasttäter ebenso alles Gute, wie denen vor weltlichen Gerichten!

Die wahren Helden dieser Tage aber leben auf der und für die Bühne, auch wenn einer wie Joseph Beuys die immerzu vergeblich im Bahnhof auf der Bahnsteigkante suchen wird.


Gunther Thriene


 

Gottfried Benn: Verlorenes Ich

 

 

Verlorenes Ich

 

Verlorenes Ich, zersprengt von Stratosphären,
Opfer des Ion: – Gamma – Strahlen .- Lamm -,
Teilchen und Feld: – Unendlichkeitschimären
Auf deinem grauen Stein von Notre – Dame. 

Die Tage gehen dir ohne Nacht und Morgen,
die Jahre halten ohne Schnee und Frucht
bedrohend das Unendliche verborgen -,
die Welt als Flucht.

Wo endest du, wo lagerst du, wo breiten
Sich deine Sphären an -, Verlust, Gewinn -:
Ein Spiel von Bestien. Ewigkeiten,
an ihren Gittern fliehst du hin.

Der Bestienblick: die Sterne als Kaldaunen,
Der Dschungeltod als Seins- und Schöpfungsgrund,
Mensch, Völkerschlachten, Katalaunen
Hinab den Bestienschlund.

Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten
Und was die Menschheit wob und wog,
Funktion nur von Unendlichkeiten,
die Mythe log.

Woher, wohin -, nicht Nacht, nicht Morgen,
kein Evoë, kein Requiem,
du möchtest dir ein Stichwort borgen -,
allein bei wem?

Ach, als sich alle einer Mitte neigten
Und auch die Denker nur den Gott gedacht,
sie sich den Hirten und dem Lamm verzweigten,
wenn aus dem Kelch das Blut sie rein gemacht,

und alle rannen aus der einen Wunde,
brachen das Brot, das jeglicher genoss -,
oh ferne zwingende erfüllte Stunde,
die einst auch das verlorene Ich umschloss.

 

                         Gottfried Benn (1943)

 

Der wie Stalingrad oder das tragische Schicksal der Weißen Rose bald 66 2/3 Jahre vergangene Entstehungszeitraum dieses Gedichtes kann hier nur als symptomatischer Hinweis auf ein tragisch-weltgeschichtliches Versäumen dienen, dem zwei Jahre später dann zwangsgewaltig in Japan der Abwurf der Atombomben folgte.

Das Gedicht selbst liegt mit unterschiedlicher Interpunktion und/oder Rechtschreibung vor. Neue Erkenntnissstände dazu werde ich hier jeweils berichtigend veröffentlichen.